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„Schmecket und sehet …“ – KAFFEEkostBAR und Gott in Döbeln

„Das ist eines der Hauptanliegen unserer KAFFEEkostBAR: Wertschätzen, was in den Augen der Menschen verachtet ist oder falsch bewertet wird.“ (Foto: Katharina Wieland Müller/ pixelio.de)

Kaffee liegt im Trend: Laut Fachleuten gibt es allein in Deutschland mehr als 1.500 Röstereien. Eine davon ist die KAFFEEkostBAR in Döbeln. Warum das Getränk für Inhaber Nicolas Sihombing (38) mehr als ein Muntermacher ist, was guten Kaffee ausmacht und wie die Bibel sein Verhältnis zu Kunden und Produzenten prägt, verriet er idea-Redakteurin Lydia Schubert.

Bbbbrrr – mit einem leisen Prasseln landen die dunkelbraunen Bohnen im Trichter der Mahlmaschine und kommen kurz darauf als Pulver wieder heraus. Sofort erfüllt ein vollmundig-kräftiger, leicht nussiger Duft den kleinen Laden in der Döbelner Altstadt. Inhaber Nicolas Sihombing hat den Kaffee bis aufs Gramm abgewogen, das Wasser auf genau 92°C erhitzt und legt nun eine feine Tüte in den bronzefarbenen Filter. Zuerst benetzt er das frisch gemahlene Pulver mit nur ein wenig Wasser, „damit der Kaffee atmen kann“. Das restliche Nass gibt Sihombing nach etwa einer halben Minute langsam in kreisenden Bewegungen dazu. Was auf den ersten Blick umständlich wirken mag, ist bereits ein Schritt auf dem Weg zum perfekten Kaffee. „Brühverfahren und Temperatur schließen neue Geschmacksfenster auf“, sagt der Experte. Mit einem fröhlichen Lächeln überreicht er dem Kunden das bestellte Heißgetränk.

Aus Studium wird Bibelstudium

Der Indonesier Sihombing kam Anfang 2000 zum Studium nach Deutschland. Dass er heute in einer sächsischen Kleinstadt Kaffee aus seinem Heimatland verkauft, hängt stark mit seiner Bekehrung zum christlichen Glauben zusammen. In München besuchte der junge Mann damals einen indonesischen Studentenkreis und erlebte dort erstmals praktizierte christliche Nächstenliebe. „Dass man sich bedingungslose Anerkennung und Wertschätzung nicht erst verdienen musste, sondern einfach bekam – das kannte ich bis dahin nicht“, erinnert er sich. Schnell fiel die Entscheidung: „Ich möchte mein ganzes Leben Gott widmen.“ Am Glaubenszentrum Bad Gandersheim absolviert er eine Ausbildung im Bereich Pastoral- und Missionsarbeit – und lernt seine jetzige Ehefrau Eva kennen. Statt wie viele andere Missionsschüler ins Ausland zu gehen, spüren die beiden eine Berufung für die ländlichen  Regionen im Osten Deutschlands. Gemeinsam helfen sie beim Aufbau eines  Gemeindegründungsprojektes im erzgebirgischen Marienberg. 2012 sucht das Ehepaar nach einer neuen beruflichen Perspektive. Obwohl sie keinerlei betriebswirtschaftliche Erfahrung haben, wollen sie ein Unternehmen gründen und so die Missionsarbeit finanziell unterstützen.

Muntermacher? – Genussmittel!

Den Versuch, in die Textilbranche einzusteigen, brechen sie nach Schwierigkeiten gleich zu Beginn wieder ab. Doch als Sihombing kurz darauf einen Baristakurs durchläuft, fällt es ihm wie Schuppen von den Augen. Bis dahin war das schwarze Getränk für ihn lediglich Mittel zum Zweck – aber ganz sicher kein Genuss. Im Kurs hingegen probieren die Teilnehmer Kaffee aus erlesenen Bohnen, frisch geröstet und ohne weitere Zugaben wie Milch oder Zucker. „Ich konnte sofort sämtliche Geschmackskomponenten erkennen“, berichtet Sihombing begeistert. Auch seine Frau ist schnell überzeugt und unterstützt seinen Plan, trotz des begrenzten Budgets die Qualität nicht leiden zu lassen – ganz nach dem Motto: „Wenn Kaffee, dann vom feinsten.“ 2013 geht ihr Onlineshop an den Start, kurz darauf folgt eine erste Filiale im sächsischen Döbeln, die sich nach einem Umzug heute in bester Lage direkt am Obermarkt befindet. Der helle Laden ist schlicht und stilvoll eingerichtet: ein Tisch, ein   Sofa, ein Holzregal mit dem abgepackten Kaffee als ganze Bohne oder gemahlen, vom milden Arabica bis kräftigen Robusta. Auf jedem Päckchen findet sich neben Angaben zu Röstprofil und Geschmacksintensität ein Bild und ein paar Infos zum jeweiligen Anbauer sowie die genaue Angabe, was dieser an den Bohnen verdient. An der Theke gleich gegenüber der Eingangstür befindet sich groß der Schriftzug KAFFEEkostBAR und das dazugehörige Logo: ein Herz, angedeutet in einer Kaffeebohne, das über zwei Händen schwebt. Dass eine größer ist als die andere, ist kein Zufall: Sie stehen für Gott und den Menschen.

Nur das Beste ist gut genug

In seinem Geschäft bietet der Indonesier sogenannten Specialty Coffee an. Dessen hohe Qualität lässt sich bereits beim Betrachten der Bohnen erkennen. Beim speziellen Ernteverfahren „Picking“ wird jede einzelne Frucht der Kaffeekirsche von Hand abgeerntet. Wenn das rote Fruchtfleisch entfernt ist, kommt die hellbraune Bohne zum Vorschein, die so gut wie ohne Defekte sein muss. Von Mai bis September sind die Bauern dafür mit der Ernte beschäftigt, ihre Plantagen liegen auf 800 bis 1.700 Metern Höhe. Um aus der hellen, rohen Bohne eine dunkle, aromatische zu machen, nutzt Sihombing eine Trommelröstmaschine: Die Bohnen werden durch einen Trichter in eine metallene Trommel gefüllt, dort 16 bis 18 Minuten erhitzt und dabei gleichzeitig durcheinandergewirbelt. Zwei Kilogramm je Durchgang fasst das Gerät in der KAFFEEkostBAR.

Am Anfang waren die Sachsen noch skeptisch

Je dunkler die Röstung, desto kräftiger wird der Kaffee. Wie Sihombing weiß, gehen die Geschmäcker hier auseinander. „In Skandinavien sind vor allem hellere, mildere Röstungen beliebt – in Deutschland würden das viele als Tee empfinden.“ Bei ihm wird mittelkräftig geröstet. Für seine Kunden bietet er auf besonderen Wunsch außerdem eine personalisierte Variante an. Einen festen Rhythmus hat der Indonesier dabei nicht. „Ich röste immer dann, wenn Nachschub gebraucht wird“, erklärt er. Kenner merken es bereits am Kaffeeduft, der dann verführerisch über der Döbelner Innenstadt liegt. Kein Wunder, dass sich Sihombing in der knapp 24.200 Einwohner zählenden Kleinstadt schnell einen Namen und einen festen Kundenstamm aufgebaut hat. Am Anfang musste er bei den „Gaffeesagsn“ (Kaffeesachsen), wie er seine Kunden liebevoll nennt, aber ordentlich Überzeugungsarbeit leisten. So beispielsweise, dass guter Kaffee ein Genussmittel ist, seinen Preis hat und auch „schwarz“ getrunken werden kann. „Ein guter Wein hat 400 Aromen, ein guter Kaffee 800 bis 1.000 – warum dann Milch?“, fragt er gern. Nicht verstehen kann der Experte in dieser Hinsicht die Billigmentalität, die ihm auch unter Christen immer wieder begegnet. „Kaffee ist kein Wasser, das man immer und überall kostenlos anbieten kann.“ Genuss hat für ihn auch mit Verzicht zu tun. So trinkt er manchmal auch ein paar Tage keinen Kaffee, manchmal zwei bis drei Tassen, „aber dann bewusst und nicht als Muntermacher.“

Handel nach alttestamentlichem Prinzip

Mindestens genauso wichtig wie die Qualität ist ihm aber auch die Gerechtigkeit. Während einer Reise durch Indonesien besuchte Sihombing dafür Kaffeebauern und ihre Plantagen. Die oft vorherrschenden Bedingungen – das Preisdiktat der Händler auf Kosten der Kleinbauern – möchte er nicht akzeptieren. Stattdessen setzt er auf das „Zwei-Könige-Prinzip“, zurückgehend auf die biblische Geschichte der alttestamentlichen Könige Salomo und Hiram (1. Könige 5,15–32). „Sowohl Kunde als auch Kaffeebauer sind bei uns ‚König’”, erklärt er. „Der Kunde schätzt qualitativ hochwertigen Kaffee als Genussmittel und damit die Arbeit und Hingabe des Kaffeebauern sowie die Kaffeepflanze selbst. Der Bauer im Gegenzug weiß um den Genuss und die Freude, die sein Kaffee bereiten kann, und  versteht und respektiert deshalb die Wünsche seines Kunden. Darum hat er auch eine gesunde Wertachtung für seinen Kaffee, dessen Umwelt und Anbau sowie seine eigene Arbeit.“ Dafür arbeitet Sihombing mit der Kooperation „Asnikom“ zusammen, der bereits 447 Kleinbauern im indonesischen Bezirk Ostmanggarai angehören. Es macht ihn traurig, wenn er auf Messen oder Reisen feststellt, wie einige große Unternehmen die Kleinbauern bis heute ausbeuten und ihre Produkte im Internet dann als fair und nachhaltig bewerben. „Die indonesischen Produzenten haben keine Plattform, um auf das Unrecht hinzuweisen. Ich möchte hier in Europa eine Stimme für sie sein.“

Zweite Filiale in Dresden

Erst vor kurzem konnte der 38-Jährige eine zweite Filiale in der Dresdener Neustadt eröffnen. „Taste and see that God is good!“ (Schmecket und sehet wie freundlich der Herr ist) steht an einem Plakat an der Theke. Der Laden ist immer montags und samstags geöffnet, 50 Cent pro verkaufter Tasse gehen an das sozial-diakonische Projekt „Stoffwechsel“. Auch seinen Kaffee über Kooperationspartner in weitere Städte Deutschlands zu bringen, kann sich der Indonesier vorstellen. Gemeinsam mit seiner Frau möchte er als Christ erkennbar sein, pflegt Kontakte zu Gemeindemitgliedern wie Konfessionslosen. Von September bis Dezember stellt das Paar seinen Laden jeden Dienstagabend für den Alpha-Kurs der evangelischen Kirchengemeinde zur Verfügung. „Wir wollen Beziehungen herstellen und Menschen ermutigen, sich dorthin senden zu lassen, wo niemand hinschaut oder hin will“, hält Sihombing fest, was dem Paar wichtig ist. „Das ist eines der Hauptanliegen unserer KAFFEEkostBAR: Wertschätzen, was in den Augen der Menschen verachtet ist oder falsch bewertet wird.“

Christen und Kaffee

Am 1. Oktober ist Welttag des Kaffees. Auch Kirchgemeinden erkannten schon früh den gemeinschaftsstiftenden Effekt des Getränks. So wird er bei Straßenmissionseinsätzen gereicht oder nach dem Gottesdienst beim traditionellen „Kirchenkaffee“. Mittlerweile gibt es außerdem etwa 100 christliche Cafés, die als Brückenbauer auch kirchenferne Menschen erreichen, indem die Besucher durch praktizierte Gastfreundschaft von der Liebe Gottes erfahren. Dass das auch in außergewöhnlicher Kulisse funktioniert, zeigen etwa das Schwebebahnbistro des CVJM in Wuppertal oder die „Cafédrale“ in Hannoversch Münden, als Gebets- und Gasthaus unter einem Dach.


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