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Empörung über AfD-Post mit Gottesbezug

Dem „Sonntagstrend“ des Meinungsforschungsinstituts Emnid zufolge würde die AfD im Osten aktuell 23 Prozent der Stimmen bekommen. (Foto: Timo Klostermeier/ pixelio.de)

Der Facebook-Post eines regionalen AfD-Verbandes stößt deutschlandweit auf Kritik. Zum Ostersonntag hatte der AfD-Kreisverband Saalekreis (Merseburg) ein Bild mit einer Plastik des auferstandenen Christus veröffentlicht. Er trägt das Kreuz im Arm und hebt die rechte Hand zum Segenszeichen. Der Schriftzug darüber lautet: „Gott will es! AfD stärkste Partei im Osten“. Des Weiteren wird ein Jesuswort aus dem Johannesevangelium (12,46) zitiert. Der Kreisverband schrieb dazu: „Keine Amtskirche und keine verstaubte Kleriker, tragen das Wort Gottes nach außen. Nur die Zeichen sind es, welche davon zeugen, was Gott will: AfD stärkste Partei im Osten!“ Hintergrund für den Post ist eine aktuelle Umfrage, derzufolge die AfD im Osten die stärkste Kraft noch vor der CDU wäre.

Der Politikwissenschaftler und katholische Publizist Andreas Püttmann (Bonn) äußerte sich auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea empört. Die gewählte Darstellung sei „ein geradezu obszöner Missbrauch des Namens und Wortes Gottes“. So erinnere er „an die ,Deutschen Christen‘ und ihr schändliches Abgleiten in religiös verbrämte nationalistisch-rassistische und menschenfeindliche Ideologie“ zur Zeit des Nationalsozialismus. In historischer Perspektive könne die Formulierung „Gott will es!“ zudem als verkappter Aufruf zum Kreuzzug gegen die Muslime verstanden werden.

Zum Hintergrund: „Gott will es“ sollen Christen gerufen haben, als Papst Urban II. (1035–1095) im Jahr 1095 zum Kreuzzug in Richtung Jerusalem aufrief. Die Stadt befand sich damals seit über 450 Jahren unter muslimischer Herrschaft. Püttmann appellierte gegenüber idea an die Kirchen, „sich gegen solche Pathologie der Religion zu verwahren“ und das zweite Gebot („Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen“) zu verteidigen.

Kreisverbandsvorsitzender entschuldigt sich für „unangemessene Grafik“

Auch innerhalb der AfD sorgt der Post für Debatten. Der kirchenpolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Volker Münz (Berlin), sagte gegenüber idea, er könne ihn „nicht gutheißen“. Ein leitendes Mitglied des Kreisverbandes bezeichnete die Darstellung gegenüber idea als blasmphemische Grenzüberschreitung, über die man nicht einfach hinwegsehen dürfe. Der Vorsitzende des AfD-Kreisverbandes, Hans-Thomas Tillschneider, sagte idea, dass die Botschaft sich durch eine plakative Verkürzung auszeichne: „Wir bedauern, wenn die Botschaft in Verbindung mit dem Bild von Gläubigen als Verballhornung des Glaubens verstanden wurde.“ Prinzipiell könne man aus „gläubiger Perspektive“ aber festhalten, dass alles, was geschehe, von Gott bewirkt sei oder zumindest zugelassen werde. Insofern sei es „plausibel, ja fast trivial, Gott historische Umbrüche, wie sie sich im Aufstieg der AfD andeuten, zuzuschreiben“. Die Aussage sei aber nicht als Behauptung zu verstehen, „die AfD wäre in besonderer Weise durch Gott erwählt oder gar so etwas wie Gottes Partei“, so Tillschneider: „Das wäre in der Tat blasphemisch.“ Er habe sich gegenüber Münz für die „unangemessene Grafik“ aus seinem Kreisverband entschuldigt. Gelöscht hat der Kreisverband den Post bislang aber nicht.
Dem „Sonntagstrend“ des Meinungsforschungsinstituts Emnid zufolge würde die AfD im Osten aktuell 23 Prozent der Stimmen bekommen. Dahinter folgen CDU (22 Prozent), die Linke (18 Prozent), die SPD (14 Prozent) und die Grünen (12 Prozent). Im Vergleich dazu erreicht die AfD im Westen mit 11 Prozent nur Platz vier hinter CDU (29 Prozent), Grünen (20 Prozent) und SPD (19 Prozent).


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