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Baptistenpastor und Evangelist Billy Graham gestorben

Billy Graham trifft 2010 den früheren US-Präsidenten Barack Obama. (Foto: The White House from Washington, DC)

Billy Graham, der einflussreichste Evangelist des 20. Jahrhunderts, starb am 21. Februar in seinem Haus in Montreat, North Carolina/USA, im Alter von 99 Jahren, wie pro Christliches Medienmagazin berichtete. Millionen Menschen besuchten seine Evangelisationen rund um den Erdball, er führte Gespräche und betete mit insgesamt zwölf amerikanischen Präsidenten.
«Mein Großvater hat sein ganzes Leben darin investiert, das Evangelium zu teilen, und heute hat er die Gelegenheit, diese Hoffnung selbst zu erfassen», heißt es im Statement seines Enkels, Will Graham, gegenüber dem Online-Magazin The Christian Post, als er dessen Tod bekannt gab. Der Baptistenpastor Billy Graham hatte sich im Jahr 2000 weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und litt zuletzt an Parkinson und Krebs. Seine Frau Ruth, mit der er fünf Kinder hat und seit 1943 verheiratet war, starb 2007.

Ein einzigartiger Lebensweg

Laut pro wurde Graham am 7. November 1918 geboren und begann seinen Dienst 1939. Nach seiner Ordination graduiert er am «Wheaton College» in Illinois und heiratet 1943 seine Frau Ruth Bell. Graham engagierte sich in «Youth for Christ», gründete aber schon wenige Jahre später, 1950, seine eigene evangelistische Organisation, die «Billy Graham Evangelistic Association» (BGEA), die heute von einem seiner Söhne, Franklin Graham, geleitet wird. Die BGEA produziert Filme, ein Radio- und Fernsehprogramm und veröffentlicht eine Zeitungskolumne sowie das Magazin Decision (Entscheidung). Seit 1957 gab Graham die Zeitschrift Christianity Today heraus. Er selbst hat rund 30 Bücher geschrieben, unter anderem das 1977 erschienene Werk «How to be born again» (Wie man wiedergeboren wird), das mit der größten Erstauflage der Geschichte (800.000 Exemplare) gedruckt wurde und seine Memoiren «Just as I am» (So wie ich bin), die 1998 auch in deutscher Sprache im Brunnen-Verlag erschienen sind. Zuletzt brachte der Hänssler-Verlag 2007 «Jedes Leben – eine Reise» heraus, ein Buch, in dem Graham Menschen jeden Alters Rat darüber gibt, wie sie ihr Leben konsequent mit Gott führen können.

Auch in Deutschland war Graham aktiv und unter anderem am Aufbau der Evangelisationsveranstaltung ProChrist in den 90er-Jahren beteiligt. Seine populärste Massenevangelisation war die «Euro ’70». Diese Veranstaltung in der Dortmunder Westfalenhalle wurde in viele Großstädte Deutschlands live übertragen. 1993 predigte er bei ProChrist in Essen.

«Das Gewissen Amerikas»

Graham sprach offen über Fehler, die er während seines Dienstes gemacht habe, berichtet pro. So räumte er etwa ein, zeitweise das Königreich Gottes mit der amerikanischen Lebensart verwechselt zu haben. Graham hat bis zu seinem Tod auch deshalb nichts von seiner Popularität eingebüßt, weil sein Dienst weit über den eines Predigers und Evangelisten hinausging. Im Laufe der Jahre war er seelsorgerischer Berater verschiedener US-Präsidenten, unter anderem von Richard Nixon, der einst gesagt haben soll, Graham kenne mehr internationale Persönlichkeiten als er selbst. John Connally, ehemaliger Gouverneur von Texas, bezeichnete Graham einst als «das Gewissen Amerikas». «Keine andere Persönlichkeit dieses Jahrhunderts, lebend oder tot, hat so intime Gespräche mit Machthabern und Berühmtheiten unserer Zeit geführt», schreibt David Aikman, früherer Korrespondent des Time Magazine, in seinem Buch «Great Souls» und zählt Treffen mit Winston Churchill, Michail Gorbatschow oder Papst Johannes Paul II. auf. Der 43. US-Präsident George W. Bush sagte einst, Graham habe ihm geholfen, die Alkoholsucht zu überwinden – ohne Graham wäre er nicht Präsident geworden.

Graham begründete «Neue Evangelikale Bewegung»

Zeit seines Lebens hat Graham sich für die Ökumene eingesetzt. 1990 sagte er gegenüber Aikman: «Ich habe festgestellt, dass Gott seine Menschen an allen möglichen Orten und in allen möglichen Kirchen und Gruppen hat. Ich habe viele Leute in der katholischen Kirche, Geistliche wie Laien, getroffen, die ich für wiedergeborene Christen halte. Sie mögen andere theologische Ansichten als ich vertreten, aber ich glaube, sie sind Teil der Gemeinde Jesu. Also erachte ich sie als Brüder und Schwestern.» So gilt Graham heute nicht nur als Begründer der «Neuen Evangelikalen Bewegung», sondern auch als einer der Geistlichen, die sich gegen ein antikatholisches Dogma stellen und die Geschwisterlichkeit aller Christen weltweit betonen.

Allein die Auflistung der Preise und Ehrungen, die Graham im Laufe seines Lebens erhielt, könnte fast ein weiteres Buch füllen. So erhielt er etwa den «Ronald Reagan Presidential Foundation Freedom Award» im Jahr 2000, mit dem sein Engagement für den Frieden gewürdigt wurde, 1996 erhielt er die Goldmedaille des amerikanischen Kongresses, eine der höchsten zivilen Auszeichnungen in den USA, und 1982 den «Templeton Foundation Prize» für Verdienste im Bereich der Religion. 1966 wurde er mit dem «Big Brother Award» für seinen Einsatz in der Kinderwohlfahrt geehrt. Aikman schreibt, der einzige große internationale Preis, den Graham bisher nicht erhalten habe, sei der Friedensnobelpreis.

Der Prediger hinterlässt fünf Kinder, 19 Enkel und zahlreiche Urenkel. Einst sagte Graham: «Ich freue mich immer mehr darauf, wenn ich wieder mit meiner Frau vereint im Himmel bin und keiner von uns jemals wieder physische Schmerzen durch das Altern oder durch Krankheiten erleben muss.» Dass es ihn trotz seiner körperlichen Einschränkungen bis ins hohe Alter auf die Kanzel zog, bewies er eindrücklich im Jahr 2005. In New York sprach er bei einer Großveranstaltung vor 242.000 Zuhörern. Es war die letzte seiner Großevangelisationen, durch die er im Laufe seines Lebens weltweit bekannt geworden war.

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