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Papst: Es muss mehr Raum für Gewissensentscheidungen geben

("Adventisten heute"-Aktuell, 15.4.2016) Papst Franziskus hat eine Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften mit der Ehe von Mann und Frau ausgeschlossen. Das geht aus seinem Schreiben "Amoris laetitia - Über die Liebe in der Familie" hervor. In dem am 8. April veröffentlichten Text hat das katholische Kirchenoberhaupt seine Schlussfolgerungen aus zwei Bischofssynoden der vergangenen beiden Jahre zusammengefasst. Die Kirche müsse zwar die große Vielfalt familiärer Situationen anerkennen, die einen gewissen Halt bieten könnten: "Doch die eheähnlichen Gemeinschaften oder die Partnerschaften zwischen Personen gleichen Geschlechts ... können nicht einfach mit der Ehe gleichgestellt werden."

Der Papst betonte, dass jeder Mensch in seiner Würde geachtet werden müsse. Die Bischofssynode von 2015 habe aber festgehalten, dass zwischen homosexuellen Lebensgemeinschaften und dem Plan Gottes für Ehe und Familie keine Analogien hergestellt werden könnten. Laut Franziskus dürfen Christen nicht darauf verzichten, sich zugunsten der Ehe zu äußern. Der Papst mahnt aber auch eine "heilsame Selbstkritik" an. Die Kirche habe die Bedeutung der Fortpflanzung für die Ehe überbetont und ein übertriebenes theologisches Ideal von ihr vertreten.

Moralische Gesetze nicht als Felsblöcke auf Menschen werfen

Eine grundsätzliche Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Eucharistie lehnt der Papst weiter ab. Er plädiert aber dafür, sie im Einzelfall gewissenhaft zu prüfen. Es müsse mehr Raum für Gewissensentscheidungen geben. Die Seelsorger sollten moralische Gesetze aber nicht so anwenden, "als seien es Felsblöcke, die man auf das Leben von Menschen wirft". Der Papst hebt hervor, dass alle Gläubigen in die kirchliche Gemeinschaft eingegliedert werden sollten: "Niemand darf auf ewig verurteilt werden, denn das ist nicht die Logik des Evangeliums!"

Gender-Ideologie: "Verfallen wir nicht der Sünde!"

Der Papst beschäftigt sich ferner mit der Gender-Ideologie. Sie leugne, so Franziskus, die Unterschiede von Mann und Frau und stelle eine Gesellschaft ohne Geschlechterdifferenz in Aussicht. Es sei beunruhigend, dass versucht werde, solche Ideologien als einzige Denkweise durchzusetzen. Man dürfe sie nicht akzeptieren: "Verfallen wir nicht der Sünde, den Schöpfer ersetzen zu wollen! Wir sind Geschöpfe, wir sind nicht allmächtig."

Catholica-Referent: Ball der Verantwortung liegt nun bei den Gläubigen

Beim Catholica-Referenten des Konfessionskundlichen Instituts des Evangelischen Bundes, Martin Bräuer (Bensheim/Südhessen), stößt das Schreiben auf Wohlwollen. Wie er gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea sagte, vermeidet der Papst lehramtliche Festlegungen. Neu sei, dass Franziskus den "Ball der Verantwortung" stärker in Richtung der Laien, Priester und Bischöfe spiele. Ein zentraler Satz des Papstes in dem Dokument sei, dass er zu einer "verantwortungsvollen persönlichen und pastoralen Unterscheidung der je spezifischen Fälle" ermutige.

Auch sei positiv zu werten, dass Franziskus das Gewissen des Einzelnen klarer hervorhebe und jeden Christen damit stärker in die Verantwortung nehme. Bräuer: "Auch wenn sich lehrmäßig nichts ändert: Durch die Betonung der Barmherzigkeit sind in der Seelsorge neue Freiräume eröffnet worden - beispielsweise beim Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen." Das bedeute aber auch, dass die katholische Kirche künftig vielfältiger werde. Bischöfe in Afrika könnten nun zu anderen Ergebnissen kommen als in Deutschland.

Laut Bräuer finden sich in dem Text zudem "evangelische Formulierungen". So betone der Papst, dass Christen Gottes Vergebung unentgeltlich empfangen und nicht aufgrund ihrer Verdienste gerechtfertigt werden. Bräuer bedauerte, dass die Frage der konfessionsverschiedenen Ehen kaum eine Rolle spiele: "Wir haben gehofft, dass er das Thema genauer und stärker formuliert. Dies wird viele konfessionsverschiedene Ehepaare enttäuschen."

Deutsche Synodenteilnehmer: Eine herzliche Einladung zu Ehe und Familie

Die drei deutschen Synodenteilnehmer - Reinhard Kardinal Marx (München), Erzbischof Heiner Koch (Berlin) und Bischof Franz-Josef Bode (Osnabrück) - sehen in dem Schreiben eine "herzliche, gleichermaßen tiefgehende wie lebenspraktische Einladung zur Lebensform von Ehe und Familie, die ihre Inspiration aus den Quellen des christlichen Glaubens erfährt".

Laut dem Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan, Pater Bernd Hagenkord, war vor allem die Frage, ob wiederverheiratete Geschiedene zur Kommunion zugelassen werden, im Vorfeld stark diskutiert worden. Wer darauf eine konkrete Antwort wolle, werde von dem Papier enttäuscht sein, weil der Papst keine Entscheidung getroffen habe. Laut Franziskus müsse "Rom" hier nicht in allen Dingen entscheiden. Zudem habe der Papst betont, dass es nicht eine Regel für alle geben könne. Das bedeute, dass jedes Paar und jedes Bistum entscheiden müsse, was im Blick auf die Lehre Jesu und auf die konkrete Situation das Richtige sei. Der Papst wolle alle Gläubigen in bedingungsloser Barmherzigkeit integrieren. (idea)

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