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Können Christen "Ich bin Charlie" rufen?

("Adventisten heute"-Aktuell, 12.1.2015) Können sich Christen mit den Karikaturisten und Redakteuren des französischen Satire-Magazins "Charlie Hebdo" identifizieren, die am 7. Januar in Paris von islamistischen Terroristen kaltblütig ermordet wurden? Diese Frage wird von evangelikalen Publizisten unterschiedlich beantwortet.

Recht auf freie Meinungsäußerung missbraucht

In einer Stellungnahme des Bibelbundes mit der Überschrift "Ich bin nicht Charlie Hebdo" heißt es, dass die getöteten Journalisten "rücksichtslose, zynische Spötter, die besonders gerne über alles herzogen was mit Religion zu tun hat", gewesen seien. Sie hätten das Recht auf freie Meinungsäußerung missbraucht. Dies ändere allerdings nichts an der Verurteilung des brutalen Anschlags auf die Redaktion. Eine Beteiligung an der Solidaritäts-Aktion "Ich bin Charlie" lehnt der Bibelbund ab.

Gegen Ungleichbehandlung

Die atheistischen Initiatoren würden mit zweierlei Maß messen. Als Islamisten im Sommer 2009 zwei christliche Schülerinnen der Bibelschule Brake im Jemen ermordeten, habe niemand zu einer Solidaritäts-Kundgebung aufgerufen. Stattdessen hätten Medienvertreter die Getöteten öffentlich diffamiert. Sie hätten ihnen unterstellt, die muslimischen Terroristen provoziert zu haben. "Gegen diese Ungleichbehandlung wendet sich der Bibelbund", heißt es in der vom Vorsitzenden, des evangelischen Theologen Michael Kotsch (Bad Meinberg), unterzeichneten Erklärung des Bibelbundes. Den Medien wirft die evangelikale Organisation vor, die religiösen Hintergründe des Attentats ideologisch zu verzerren.

"Religion des Friedens"?

Die meisten Berichte leugneten einen direkten Zusammenhang zwischen der Gewalttat und dem Islam. Dabei seien die mutmaßlichen Täter bekennende Muslime, die gegen ein Magazin vorgingen, das den Islam verspottete. Während des Überfalls hätten sie islamische Parolen geschrien. Einige Kommentatoren hätten die Ansicht geäußert, die Attentäter hätten ihre Tat nicht aufgrund von religiösen Gründen verübt, sondern weil ihnen die Politik keine ausreichende Chance gegeben habe. Sie hätten eine schlechte Ausbildung, keine gesellschaftliche Anerkennung und wenig Geld. Eine solche Behauptung nehme den Selbstanspruch der Attentäter nicht genügend ernst, sondern entmündige sie. Zudem sei es falsch, wenn atheistische Journalisten den Islam als eine "Religion des Friedens" darstellten. Wenn Islamisten jedes Jahr weltweit zehntausende von Menschen grausam ermordeten, sei es unsinnig, den Islam als "Religion des Friedens" zu bezeichnen.

Solidarisch mit dem Recht auf Leben

Dagegen befürwortet ein Redakteur des Christlichen Medienmagazins pro, Nicolai Franz (Wetzlar), den Slogan "Ich bin Charlie". Damit solidarisiere er sich nicht mit Spott und Schmähungen von Religionen, sondern mit Menschen und deren Recht auf Leben und freie Meinungsäußerung. "Wer für Charlie Hebdo Partei ergreift, muss nicht deren Beleidigungen gut finden. Aber er signalisiert gegenüber den Feinden der freien Welt: Wer die Meinungsfreiheit angreift, greift auch meine Überzeugungen an", so Franz. Die Verteidigung der Meinungsfreiheit sei der radikale Gegenentwurf zur islamistischen Lynchjustiz. Sie sei auch "die einzige Option, die wir haben, wenn wir dauerhaft friedlich zusammenleben wollen. Gerade Christen, die um die Verfolgung ihrer Geschwister in aller Welt wissen, sollten sich dafür einsetzen." (idea)
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