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„Im Lachen öffnet sich ein Stück Himmel“

Im Lachen entspannt sich der Mensch, und es öffnet sich ein Stück Himmel. Die Erlösung, die ich im Lachen empfinde, möchte ich gerne weitergeben. (Foto: Denis Agati/ unsplash.com)

Ihnen ist gerade nicht nach Lachen zumute? Gerade in diesen Zeiten ist Humor wichtig, findet der Pfarrer und Kabarettist Hannes Schott. Mit ihm sprach idea-Reporter Karsten Huhn.

idea: Herr Schott, worüber haben Sie zuletzt gelacht?

Schott: Gerade erst vor wenigen Sekunden habe ich über mich gelacht, als ich meine Unfähigkeit erkannt habe, die Kaffeemaschine zu bedienen. Erst war es ein verstörtes Lachen und dann ein erleichtertes – als endlich der Kaffee rauskam. Am meisten kann ich tatsächlich über mich selbst lachen. Wer das kann, hat eigentlich immer etwas zu lachen – und das ist ein ganz großes Geschenk unseres Schöpfers.

idea: Wird in der Kirche genügend gelacht?

Schott: Dem Klischee nach: zu wenig. Ich selbst erlebe das aber anders. Natürlich könnte immer noch mehr gelacht werden, aber ich finde, die Kirche ist auf einem guten Weg, das Lachen zu lernen.

idea: Wie bringen Sie die Leute zum Lachen?

Schott: Ich mache jetzt seit 25 Jahren Kabarett und bin darin geschult, die Menschen zum Lachen zu bringen: durch Überraschungen, Situationskomik und Witze oder indem ich Traditionen nehme und diese so verändere, dass daraus etwas Neues entsteht.

idea: Kanzel und Komik – für viele passt das nicht zusammen.

Schott: Die Kanzel ist auch eine Bühne, und als Pfarrer bin ich immer auch ein Darsteller. Ich finde: In einer Predigt sollte immer etwas zum Lachen dabei sein. Jeder Rhetoriklehrer sagt einem doch: Peppen Sie ihre Rede mit Humor auf. Natürlich gibt es Momente, wo Humor unpassend ist, aber ich habe auch schon Beerdigungen gehalten, bei denen die Trauergemeinde gelacht hat. Wenn der Verstorbene ein begnadeter Witzeerzähler war, sollte sein Lieblingswitz am Grab nicht fehlen. Oder wenn die verstorbene Großmutter einen typischen Satz gehabt hat, mit dem sie ihre Enkel begrüßt hat, und ich zitiere diesen – dann schmunzelt die Gemeinde und sagt: Genau so war sie! Und es ist doch viel ganzheitlicher, wenn nicht nur geweint, sondern auch gelacht wird.

idea: Was mich verblüfft hat: In Ihrem Buch schreiben Sie, dass viele Pfarrer am liebsten Beerdigungen machen.

Schott: Das überrascht jeden. Aber bei Beerdigungen hat man als Pfarrer am ehesten das Gefühl, das man den Menschen wirklich hilft. Dort kann ich Sinn stiften und Trost geben. Dagegen habe ich bei Trauungen manchmal das Gefühl, dass ich nur als Zeremonienmeister gefragt bin, damit das nachher auf dem Hochzeitsvideo und den Fotos gut ausschaut. Für viele Paare ist die kirchliche Trauung am Hochzeitstag nur eine Station zwischen Standesamt, dem Taubenfliegen und der Hochzeitsband. Die Eheschließung ist eben kein Sakrament, sondern ein irdisch‘ Ding.

idea: Sie wollen die Kirche „raus aus dem toten Winkel“ führen. Wie ist sie da reingeraten?

Schott: Es ist wie beim Autofahren: Den toten Winkel sieht man nicht, aber er existiert. So ist es auch mit der Kirche: Sie existiert, aber sie wird von vielen nicht mehr gesehen. In den Medien taucht sie kaum noch auf. Wenn Pfarrer in Fernsehfilmen vorkommen, dann ist es meistens sehr platt. Dass die Kirche ein Ort ist, an dem Menschen ihren Glauben pflegen können, Trost und Halt finden, ist vielen nicht mehr bekannt.

idea: Ihre St.-Jakobus-Kirche steht doch gut sichtbar in der Nürnberger Innenstadt.

Schott: Über Nürnberg kann ich noch nicht viel sagen, weil ich erst drei Monate hier bin. Aber in meiner Zeit in Bayreuth haben sich die Medien auf Projekte wie unsere Wohnzimmergottesdienste draufgestürzt – obwohl das ja eigentlich gar nicht so spektakulär ist. Sie hatten aber von der Kirche ein Bild im toten Winkel: Kirche ist langweilig und öde, also brauchen wir darüber auch nicht groß zu berichten.

idea: In Bayreuth führten Sie auch einen Gottesdienst im Reisebus durch. Wozu ist das gut?

Schott: Zum einen wollte ich damit den Busfahrer glücklich machen, der ein sehr gläubiger Mann ist und sich das gewünscht hat. Die Fahrt war dann auch sehr schnell ausgebucht. Natürlich braucht Gott keinen Busgottesdienst, aber den Menschen hat er gutgetan. Es war ein Zeichen: Gottesdienst muss nicht unbedingt in der Kirche stattfinden, sondern kann überall sein – also auch in einem Bus. Die Wohnzimmergottesdienste hatten wir ja verlost. Wenn eine Schwimmgruppe gewonnen hätte, hätte ich den Gottesdienst auch in Badehose im Schwimmbad gefeiert.

idea: Der Publizist Alexander Kissler beklagt in seinem Buch „Die infantile Gesellschaft“, dass die Kirchen lauter Hallodri treiben, anstatt das Evangelium weiterzugeben.

Schott: Die Botschaft treibe ich ja weiter, und ich habe wie jeder andere Theologe mein Studium betrieben. Bevor ich ein neues Projekt starte, wälze ich innerlich meine theologische Bibliothek und frage mich, ob ich es verantworten kann oder ob ich dabei an die Grenzen des guten Geschmacks komme. Was vermisst Herr Kissler?

idea: Glaubensernst.

Schott: Ernst und Humor sind für mich keine Gegensätze. Ich denke, man kann spaßig und fröhlich sein und dabei ernste Dinge vermitteln.

idea: In der Fußgängerzone von Kempten haben Sie in einem Walkostüm für die Kirchenwahlen geworben.

Schott: Wenn das jetzt jeder machen würde, wäre das platt. Aber wenn es nur einer macht, ist es originell. Meine Kirche gönnt sich ihren Hofnarren, der so etwas machen kann, und andere Pfarrer decken ein anderes Spektrum ab. In meinen elf Jahren als Pfarrer habe ich bisher nur einmal erlebt, dass mein Humor grundsätzlich abgelehnt wurde. Eine ältere Dame meiner Gemeinde wollte mich nicht zu ihrem Geburtstag einladen. Sie sagte mir: Ihr Vater sei Pfarrer gewesen und ein ernster Mann. Das, was ich so mache, könne sie nicht gutheißen. Alle anderen sind aber begeistert. Die Form mag etwas verrückt sein, aber die Botschaft bleibt als frohe Botschaft erhalten.

idea: Haben Sie sich mit einer verrückten Idee schon mal in die Nesseln gesetzt?

Schott: Manchmal gibt es Ideen, die nicht aufgehen. Man denkt sich, man sei modern und innovativ und kann einen Kreis junger Menschen aufbauen – aber dann ist niemand gekommen.

idea: Der Apostel Paulus schreibt: „Wir sind Narren um Christi willen“ (1. Korintherbrief 4, 10).

Schott: Es ist tatsächlich eine Narretei zu glauben, dass da einer nach dem Tod auferstanden ist. Und es ist eine Narretei zu glauben, dass diese Welt nicht durch Zufall entstanden ist. Aber ich glaube, dass Jesus Christus auferstanden ist und dass es einen Gott gibt, der diese Welt geschaffen hat.

idea: Darf ich Ihnen meinen Lieblingswitz erzählen?

Schott: Sehr gerne! Aber seien Sie bitte nicht enttäuscht, wenn ich ihn schon kenne. Von den theologischen Witzen kenne ich fast alle.

idea: Sie legen die Messlatte ziemlich hoch. Also gut: Nach dem Gottesdienst kommt eine Frau auf den Pfarrer zu und sagt: „Herr Pfarrer, Sie haben so wunderbar gepredigt!“ Der Pfarrer, ganz demütig, will das Lob nicht für sich behalten und sagt: „Dann wollen wir zusammen beten und Gott dafür danken!“ Sagt die Frau: „Na, so gut war die Predigt nun auch wieder nicht.“

Schott: Den kannte ich echt noch nicht! Danke schön! Das ist ein Witz mit Niveau, über den man gut predigen kann: Wie lobt man jemanden? Und wofür danken wir Gott? Leider steht das Publikum eher auf Witze, die etwas platt sind.

idea: Was ist Ihr Lieblingswitz?

Schott: Ein Franzose, ein Engländer und ein Deutscher sitzen im Lokal. Am Nachbartisch sitzt Jesus. Der Engländer geht hin und sagt: „Jesus, ich habe so Probleme mit meinem Knie!“ Jesus legt die Hand auf, und schwups sind die Schmerzen weg. Der Engländer hüpft wie ein junges Reh zu seinen Freunden zurück. Danach geht der Franzose hin und sagt: „Jesus, ich hab so Probleme mit meinem Kreuz!“ Jesus legt die Hand auf, und schwups sind die Schmerzen weg. Der Franzose geht aufrecht zu seinen Freunden zurück. Nur der Deutsche mümmelt weiter sein Wiener Schnitzel. Nachdem Jesus mit dem Essen fertig ist, geht er rüber und fragt den Deutschen: „Mein Sohn, was kann ich für dich tun?“ Darauf der Deutsche: „Hau bloß ab, ich bin noch drei Wochen krankgeschrieben!“

idea: Haben Sie auch einen platten Witz im Angebot?

Schott: Ein Vorarbeiter geht zu seinen Holzfällern und sagt: „Morgen kommt der Papst durch den Wald. Und der Papst stellt immer zwei Fragen, die erste ist: Wie hieß die Mutter von Jesus? Da antwortet ihr: Maria! Die zweite Frage ist: Wie hieß der Vater von Jesus? Da antwortet ihr: Josef! Und damit ihr euch das alles merkt, schreibt ihr die Antworten auf eure Sägeblätter!“ Am nächsten Tag kommt der Papst durch den Wald und fragt die Holzfäller: „Wie heißt die Mutter von Jesus?“ Die Holzfäller antworteten: „Maria!“ Der Papst stellte seine zweite Frage: „Und wie hieß der Vater von Jesus?“ – „Josef“, sagten die Holzfäller. Doch der Papst stellte noch eine dritte Frage: „Und wie hießen die beiden ersten Menschen?“ Keiner der Holzfäller wusste es. Da schaute einer noch mal auf sein Sägeblatt und sagte: „Black & Decker!“

idea: Wozu ist es gut, wenn man die Gemeinde zum Lachen bringt?

Schott: Lachen verbindet, es schafft Nähe. Im Lachen entspannt sich der Mensch, und es öffnet sich ein Stück Himmel. Die Erlösung, die ich im Lachen empfinde, möchte ich gerne weitergeben.

idea: Es gibt auch blasphemische Witze. Wo ziehen Sie die Grenze?

Schott: Meine Grenze ist dort, wo Menschen oder Gott beleidigt werden. Ich denke, dass Gott viel Humor versteht, aber es gibt auch Dinge, wo der Spaß aufhört. Die Kirche ist ein Schutzraum, in dem ich niemanden durch Humor verstören will. Manche Witze, über die ich als Jugendlicher vielleicht noch gelacht habe, würde ich aus Respekt vor den Menschen nicht machen.

idea: Einen habe ich noch: Ein katholischer und ein evangelischer Geistlicher diskutieren über das Christentum. Endlich sagt der Katholik begütigend: „Wir dienen schließlich beide dem gleichen Herrn. Sie auf Ihre Weise und ich auf seine!“

Schott: Dann hab ich auch noch einen: Jesus beobachtet, wie die Steinigung einer Ehebrecherin vorbereitet wird. Er stellt sich vor die Frau und sagt: „Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.“ Da bekommt er tatsächlich einen Stein an den Hinterkopf. Jesus dreht sich um und sagt: „Mutter, du nervst.“

idea: Sie treten im bayrischen Pfarrkabarett „Das weißblaue Beffchen“ auf. Bringen Sie im Kabarett Sachen, die Sie sich in der Kirche nicht trauen?

Schott: Wir treten auch in Kirchen auf – das Programm ist dasselbe. Und unsere Zuhörer haben ein großes Herz. Der biedere Christ, der mit verschränkten Armen in der ersten Reihe sitzt, um sich zu ärgern, ist die totale Ausnahme.

idea: Ist eine Predigt ohne Humor vergeblich?

Schott: Sie ist nicht langweilig und auch nicht schlecht. Auch bei mir gibt es manche Predigten ohne Humor, weil mir nichts Passendes eingefallen ist oder es nicht zum Thema passen würde. Manchmal ist eine Predigt einfach eine Ansammlung guter Gedanken. Dann muss es nicht unbedingt lustig sein. Hauptsache, die Predigt ist geistreich und begeisternd und verkündet das Evangelium!

idea: Viele Pfarrer sind in der Sakristei noch zu Scherzen aufgelegt. Sobald sie in der Kirche stehen, ist Schluss mit lustig.

Schott: Ich glaube, das ändert sich gerade. Die Generation der 30-jährigen Pfarrer ist von YouTube geprägt, von schnelleren Schnitten und Pointen. Da schlackern selbst mir die Ohren! Die Predigt bleibt lebendig, und ich bin sehr gespannt, wo die Reise hingeht.

idea: Vielleicht droht ja Gefahr von der anderen Seite: Künftig werden Pfarrer jeden Kalauer mitnehmen, dem sie begegnen.

Schott: Die Gefahr besteht nicht. Pfarrer erleben in ihrem Beruf viel Leid – das erdet. Das Hallodrihafte wird zugunsten von Seriosität zurückgestellt.

idea: In Ihrem Buch geben Sie einen ungewöhnlichen Schlussrat: Scheuen Sie sich nicht davor, sich umgemeinden zu lassen – zur Not auch in die römisch-katholische Kirche.

Schott: Ganz ehrlich: Kein Pfarrer kann alle Menschen bedienen. Er wird die einen glücklich machen, und andere können mit ihm wenig anfangen. Mir ist es doch lieber, wenn jemand im großen Haus des Christentums in einem anderen Zimmer, also einer anderen Konfession, sein Heil findet, als dass er aus einer Kirchengemeinde, mit der er nichts anfangen kann, austritt. Dann gönne ich meinem katholischen Kollegen doch ein Schäfchen mehr.

idea: Dazu fällt mir ein Witz ein: Frau Meier ist schon über 80 und zeit ihres Lebens evangelisch. Eines Tages erscheint sie bei ihrem Pfarrer und sagt: „Ich möchte katholisch werden!“ Der Pfarrer ist verwirrt: „Aber Frau Meier – warum denn das?“ „Nun“, sagt Frau Meier, „ich bin schon alt, mein Leben geht zu Ende, und da hab‘ ich mir gedacht: Besser einer von denen stirbt, als einer von uns!“

Schott: Dann verrate ich Ihnen noch meinen Geheimfavoriten: Papst Benedikt XVI. und sein Privatsekretär Gänswein spazieren durch den Vatikanischen Garten. Fragt der Papst: „Wo haben Sie immer Ihre guten Ideen für die Predigt her?“ – „Aus der Sauna“, sagt Gänswein. – Sagt der Papst: „Oh, da komme ich mal mit.“ – Sagt Gänswein: „Aber heute ist gemischte Sauna!“ – Sagt der Papst: „Ach, das macht doch nichts. Die paar Evangelischen!“

idea: Vielen Dank für das Gespräch!

Hannes Schott (40) ist seit 2010 als evangelischer Pfarrer tätig, zunächst in seiner Heimatstadt Bayreuth, inzwischen in Nürnberg. Daneben tritt er für das Pfarrerkabarett „Das weißblaue Beffchen“ auf. Schott ist verheiratet.


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