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Wortkunst für Jesus – Poetry Slam als Ausdrucksform des Glaubens

„Ich probierte es einfach aus und bemerkte, dass es für mich ein Weg ist, meine Erfahrungen mit Gott und den Menschen zu verarbeiten. Gleichzeitig wurde es zu einer Art Sprachrohr, durch das ich Jesus Christus und den Glauben an ihn verbreiten kann.“ (Foto: Johannes Roth/ unsplash.com)

Dichterwettstreite riefen bereits im Mittelalter Begeisterung hervor. Heute sind sie gerade bei jungen Menschen wieder angesagt und werden modern als „Poetry Slams“ bezeichnet. Die Texte behandeln dabei Schulprobleme oder WG-Alltag ebenso wie die Frage nach dem Sinn des Lebens. Die 23-jährige Laura spricht auf ihrem Poetry-Kanal „redeemed“ (erlöst) offen über Jesus und ihren Glauben und erreicht damit viele Interessierte. idea-Redakteurin Lydia Schubert stellt sie im vierten Teil der Serie „Jung, gläubig, digital“ vor.

Den YouTube-Kanal der 23-jährigen Laura zu finden ist nicht schwer: Wer in der Suchleiste die Wortkombination „Poetry Slam“ und „christlich“ eingibt, bekommt ihn bereits in den ersten Treffern angezeigt. Die Videos, zwischen drei und sechs Minuten lang, sind mit ruhiger Musik unterlegt. Von Identität, über Schönheit bis Liebe behandeln die darin vorgetragenen Texte Themen, die junge Menschen bewegen. Beim genauen Zuhören werden jedoch schnell Erinnerungen an die alttestamentlichen Psalmen wach. Denn wie bereits König David im Alten Testament verarbeitet Laura Dank und Begeisterung über Gottes Handeln in ihren poetischen Versen – ebenso ihre Zweifel oder Fragen.

Poetische Texte als Sprachrohr für den Glauben

Wie die junge Frau erzählt, wurde sie selbst in ihrer Teenagerzeit sehr durch Christen in den Sozialen Medien geprägt und motiviert. „Da ich weiß, dass vieles der Lebenswelten Jugendlicher sich in Medien und Sozialen Netzwerken abspielt, ist es perfekt, genau dort anzusetzen und die Chance der Reichweite und Vernetzung zu nutzen, um das Evangelium weiterzutragen.“ Zum „Slammen“ kam die junge Frau eher zufällig. „Ich probierte es einfach aus und bemerkte, dass es für mich ein Weg ist, meine Erfahrungen mit Gott und den Menschen zu verarbeiten. Gleichzeitig wurde es zu einer Art Sprachrohr, durch das ich Jesus Christus und den Glauben an ihn verbreiten kann“, erzählt sie.

Von Selbstannahme bis Glaubensalltag

Seit Laura 2015 ihren ersten eigenen Poetry Slam hochlud, haben die Klickzahlen eine enorme Entwicklung hingelegt. Ihr bislang erfolgreichstes Video, „nicht perfekt“, wurde beispielsweise mehr als 224.000 Mal angesehen. Darin redet die junge Frau ungeschönt über Selbstzweifel und Selbstannahme. In dem rund 150.000 Mal geklickten Clip „Wenn Gott ‚Nein’ sagt“ wiederum steht die Frage nach dem Sinn des Leids im Vordergrund. Auf die Zeilen „Und in der Suche nach dem Sinn vom Leid bin ich schnell versucht, meine Faust zu erheben und den Schöpfer meines Lebens verzagend anzuklagen“ folgt „Und Gott handelt nicht willkürlich, er plant alles ausführlich zu unserem Besten, und formt aus unseren menschlichen Resten neues Leben, um uns eine Hoffnung und Zukunft zu geben“. In ihren Texten nimmt sie auch zu den Themen Evangelium, Glaubensalltag sowie Kirche Stellung und will damit anregen, Dinge zu hinterfragen: „Die Art und Weise, Poetry Slams zu schreiben, ist dabei sehr frei und offen, sodass sich ein Text beispielsweise nicht reimen muss, aber kann.“

Regel Nr. 1: Erzwingen hilft gar nichts

Laura wuchs katholisch geprägt auf, gehört heute aber einer freikirchlichen Gemeinde im Raum Paderborn an. Neben ihren Projekten auf YouTube und Instagram leitet sie einen Mädchenhauskreis. Wenn es darum geht, Texte zu schrieben, die so ehrlich und tiefgründig sind – und dann noch so gut klingen, hat die angehende Schulsozialarbeiterin vor allem eines gelernt: Erzwingen hilft gar nichts. „Wenn Gott mir nicht ein Thema auf mein Herz legt und ich mich damit auseinandersetze, werden die Texte nur starr und nichtssagend“, so ihre Erfahrung. So kann es auch mal passieren, dass ein Beitrag immer Stück für Stück und über mehrere Monate hinweg geschrieben wird. Ein anderer wiederum gelingt direkt beim ersten Versuch. Wenn die junge Frau mit jeder Zeile und jedem Reim zufrieden ist, nehme sie den Poetry Slam bei sich zu Hause auf und überlege sich dann Ideen für die Videosequenzen. „Mir ist immer wichtig, dass sie den Text begleiten, jedoch nicht übertrumpfen.“ Insgesamt rechnet sie für den gesamten Arbeitsablauf mit Aufnahme und Schnitt um die sieben Stunden ein. Wer sich die Videos schließlich anschauen wird, hat sie dann nicht mehr in der Hand. „Für mich persönlich hat das einen gewissen Reiz, weil ich immer zu Gott sage: ‚Gott, wenn du dieses Video nutzen möchtest, dann tu es; und wenn nicht, dann ist das auch okay’“, so die Slammerin.

Video bewegte Religionskurs zum Glauben

Über private Nachrichten erhält sie von den Zuschauern viel Feedback – und das hauptsächlich positiv. „Viele Menschen hinterfragen durch die Poetry Slams ihren Glauben und lernen neue Dinge über Jesus. Sie schöpfen daraus Kraft, nehmen aber auch Ermahnungen ernst, selbst wenn das bedeutet, dass sie ihr eigenes Gottesbild revidieren müssen“, so ihre Erfahrung. Viele Christen spiegeln ihr zudem, dass sie froh darüber sind, wenn Laura Themen anspricht, die in ihrer lokalen Verkündigung nicht explizit behandelt werden – wie etwa der Kampf mit sexuellen Sünden, Lieblosigkeit unter Christen oder auch Gehorsam und Glauben in schwierigen Zeiten. Ihr bewegendstes Feedback war jedoch, als ein Mädchen sich aufgrund eines Videos zu Jesus bekehren wollte. Ebenso im Gedächtnis blieb ihr die Nachricht einer Lehrerin: „Meine Religionsgruppe hat Gott nie ernst genommen. Es war eben ein Fach in der Schule. Doch nachdem ich deine Videos abgespielt habe, haben einige angefangen zu glauben – an Gott, an Jesus, an den Beschützer, an die Hoffnung.“ Wie Laura sagt, bestätigen ihr solche Rückmeldungen, dass Jesus Auftrag aus dem Matthäusevangelium – „macht zu Jüngern“ und „lehrt sie alles halten, was ich euch befohlen habe“ – auch heute noch die wichtigste Aufgabe der Christen ist.

Hatern mit Wertschätzung begegnen

Natürlich bleiben auch negative Kommentare, die enttäuschen oder verletzen, nicht aus. Lauras Wunsch ist es, den Personen dahinter trotzdem mit absoluter Wertschätzung zu begegnen: „Das kläre ich dann immer erst mit Jesus, bis ich Vergebung und keine Bitterkeit mehr in meinem Herzen habe, und erst dann antworte ich.“ Davon abgesehen ist der Austausch mit ihren mittlerweile mehr als 17.600 Zuschauern für Laura sehr wichtig. „Manchmal glaube ich, dass diese ‚persönliche, seelsorgerische Nacharbeit‘ viel wichtiger ist, als das eigentliche ‚Slammen‘.“

Serie: Christen in den Sozialen Medien – Jung, gläubig, digital
Unsere Gesellschaft wird immer digitaler, fast jeder Deutsche ist heutzutage im Internet unterwegs. An erster Stelle stehen dabei für viele die Sozialen Netzwerke wie Facebook, YouTube oder Instagram. Gerade für junge Christen bieten sie darum eine ideale Plattform, um Menschen mit der Frohen Botschaft zu erreichen und mit ihnen in Kontakt zu treten. Ob Bibelkunde per YouTube-Clip oder geistliche Impulse als Podcast – in einer Serie stellt idea sechs Vertreter und ihre Projekte vor.


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