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Pro und Kontra: Buß- und Bettag wieder als Feiertag einführen?

("Adventisten heute"-Aktuell, 18.11.2016) Der Buß- und Bettag (16. November 2016) soll nach Auffassung des EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm wieder ein gesetzlicher Feiertag werden. Der arbeitsfreie Tag wurde 1995 - außer in Sachsen - gestrichen, um die Mehrbelastung der Arbeitgeber durch die neue Pflegeversicherung auszugleichen. Doch ist die Einführung des Feiertages in ganz Deutschland sinnvoll?

PRO



Der Buß- und Bettag ist nicht nur ein Tag eines jeden Einzelnen zur inneren Einkehr und Besinnung. Wir brauchen als Gesellschaft gemeinsame Gedenktage des Innehaltens und der inneren Sammlung. Seit frühster Zeit wissen die Menschen um diese Notwendigkeit: Gemeinsame Bußzeiten waren schon in der Antike bekannt, im antiken Rom wurden "feriae piaculares" gefeiert, um Not und Krieg abzuwenden. Gerade in der heutigen Zeit, die immer schnelllebiger und rastloser für uns wird, braucht es Impulse, die zum Innehalten und Ruhefinden führen. Hier sehe ich uns Christen in der Verantwortung, abseits des Alltagsgeschehens den Raum für Muße und Selbstbesinnung in einer gesellschaftlichen Diskussion einzufordern. In der Broschüre "Bewusst christlich" des Evangelischen Arbeitskreises der CSU erklären wir die christlichen Feiertage. Leider ist das inzwischen notwendig. Dort haben wir zum Buß- und Bettag geschrieben: "Angesichts von Notständen und Gefahren wird die ganze Bevölkerung zu Umkehr und Gebet aufgerufen. Es geht bei diesem Tag nicht um die Buße für begangene Vergehen im Sinne von bestraft werden, sondern um eine Buße im Sinne der Reue und damit verbunden eine Umkehr und Gesinnungsänderung zu Gott hin. Auch gesellschaftliche und politische Entwicklungen gehören mit zu dieser Gesinnungsänderung und sollen an diesem Tag vergegenwärtigt werden." Solch ein Tag der Selbstbesinnung und auch der Vergewisserung tut not. Mein Ziel ist deswegen, den Buß- und Bettag wieder als gesetzlichen Feiertag in ganz Deutschland zu begehen. Damit setzen wir ein starkes Signal für das Angebot christlicher Werte als gesellschaftliche Reflexionsbasis. Wir geben den Menschen die Möglichkeit zur Entschleunigung in einer Zeit, in der sich viele nur noch als Getriebene des Alltags verstehen.

"Der Autor, Christian Schmidt (Berlin/Fürth), ist Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft sowie Landesvorsitzender des Evangelischen Arbeitskreises der CSU und stellvertretender Parteivorsitzender der CSU."

KONTRA



Wenn man jahrelang in der Kultusministerkonferenz vor allem von Bayern vorgehalten bekam, dass sich die Bundesebene in Bildungsfragen gefälligst zurückhalten solle, ist man bass erstaunt, wenn sich ein bayerischer Bundesminister wie Schmidt derart in Länderkompetenzen einmischt. Die Festlegung der Feiertage durch die Bundesländer ist in einem Land, in dem es katholisch bzw. evangelisch geprägte Regionen gibt, durchaus sinnvoll. Auch deswegen gibt es ja die Kulturhoheit der Länder. So absurd sie heute in Bildungsfragen ist, so berechtigt ist sie in Bezug auf die Feiertage. Soll denn auch der katholische Fronleichnams- oder Allerheiligentag bundesweit als Feiertag begangen werden? Natürlich würden wir alle gern auch die Feiertage der anderen mitfeiern. Mitfeiern? Nein, nur blaumachen. Aber Feiertage sollte man doch feiern und nicht nur frei machen! Der preußisch-evangelische Buß- und Bettag wurde durch Reichsgesetz vom 27. Februar 1934 für 1.000 Jahre in ganz Deutschland festgelegt, aber schon während des 2. Weltkrieges von Adolf Hitler auf einen Sonntag gelegt (und damit gestrichen). idea e.V. Evangelische Nachrichtenagentur Pressedienst vom 15. November 2016 Nr. 277 Die Nachrichten sind ständig aktualisiert abzurufen unter: www.idea-pressedienst.de Seite 12 von 12 Die westdeutschen Bundesländer (nur Bayern nicht!) erklärten ihn dann, als die 1.000 Jahre schon - Gott und den Amerikanern sei Dank - 1945 zu Ende waren, wieder zum Feiertag. Für viele wäre heute ein Buß- und Bettag ein Ärgernis, denn sie wollen weder büßen noch beten. Sie würden deshalb da nur blaumachen. Viel sinnvoller scheint mir nach der ersten bundesweiten Feier am 31. Oktober 2017 (500 Jahre Reformation) festzulegen, dass es um diese Zeit überall einen Feiertag geben soll. Die Länder legen fest, ob es der Reformationstag oder einen Tag später Allerheiligen sein soll. Die gestiegene Arbeitsproduktivität, seitdem der Buß- und Bettag für die Pflegeversicherung abgeschafft worden ist, könnte dafür genug Polster geschaffen haben. "Der Autor, Steffen Reiche, ist Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Nikolassee in Berlin. Er gehörte zu den Mitbegründern der Sozialdemokratischen Partei der DDR. Von 1994 bis 2004 war er Minister im Bundesland Brandenburg." (idea)

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