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"Norwegen verlor seine Unschuld" - ein Kommentar von Jan Paulsen

("Adventisten heute"-Aktuell, 5.8.2011) Die sinnlosen Taten der Gewalt und des Terrors, die Norwegen am 22. Juli erschütterten - hervorgerufen durch die irregeleitete, verwirrte aber dennoch eindeutig indoktrinierte Denkweise eines Einzelnen -, haben in dieser friedlichen Nation mit fast fünf Millionen Einwohnern ein seit dem Ende des zweiten Weltkriegs nie dagewesenes Trauma verursacht.
Die Bombe, die am Vormittag in der Nähe des Regierungsviertels explodierte, war schon schlimm genug. Sie riss mehrere Menschen in den Tod, die in den betroffenen Gebäuden arbeiteten oder zufällig dort vorbeikamen, und verursachte beträchtlichen Sachschaden. Ich hielt mich an diesem Tag im Großraum Oslo auf. Es gibt Momente des Schocks und des Schmerzes, bei denen es einem die Sprache verschlägt und in denen man nur weinen und mitleiden kann. Dies war ein solcher Moment.
Die Nachrichten, die tröpfchenweise in den darauffolgenden zwei bis drei Stunden die Öffentlichkeit erreichten, steigerten das Maß der Erschütterung und des Entsetzens auf eine in Norwegen nie gekannte Weise. Der Wahnsinnige, der gerade seinen Terroranschlag in Oslo ausgeführt hatte, tötete zahlreiche Jugendliche bei einem Amoklauf auf einer kleinen See-Insel, die eine halbe Autostunde von Oslo entfernt liegt. Diese Jugendlichen waren gewissermaßen auf der Insel "gefangen". Es gab keine Versteckmöglichkeiten und keine Chance, von dort wegzukommen, außer durch Schwimmen. Sogar im Wasser wurden sie von den Gewehrkugeln des Attentäters getroffen. Die Tat offenbarte äußerste Brutalität; absolute Gnadenlosigkeit und war eine Perversion grundlegender Menschlichkeit.
In den Stunden und Tagen nach diesem schrecklichen Ereignis, wurde vieles gesagt, das lange in Erinnerung bleiben wird, einschließlich der ergreifenden Anmerkung einer der überlebenden Jugendlichen: "Wenn so viel Böses von einer Person ausgehen kann, sollten wir bedenken, wie viel Gutes durch eine Gemeinschaft getan werden kann, die in Fürsorge und gegenseitiger Unterstützung vereint ist."
Norwegen besitzt eine sehr offene Gesellschaft, die Einwanderer - besonders aus Asien und Afrika - gut integriert hat. Dieser Wert ist ein Teil dessen, was der Schütze mit seinem verdrehten Gedankengut zunichtemachen wollte. Aber die norwegische Nation fühlt sich verpflichtet, ihre grundlegenden Werte der Freiheit, Offenheit und Integrationsbereitschaft nicht abzuschwächen oder gar aufzugeben.
Extremismus gebiert Gewalt. Die Wortwahl und die Sprache der Wut gebären Gewalt. Sie zerstört das Leben; gegenseitige Annahme trägt es. Während Norwegen dies erkannt hat, verlor es doch seine Unschuld. Aber dieses Land hat sich selbst versprochen, offen und aufnahmebereit zu bleiben, während es an einer sichereren Zukunft arbeitet.
Jede religiöse Gemeinschaft, ob christlich oder nicht, muss die Bestandteile des Extremismus in ihren eigenen Reihen diskreditieren, bevor diese Elemente ihr zerstörerisches Potenzial entfalten können.
Gemeinsam mit vielen Anderen zeigen Adventisten auf der ganzen Welt den Tausenden Familien und Freunden der Opfer ihr Mitgefühl, bieten Unterstützung an und beten für sie, während diese mit ihrem schrecklichen Verlust klarkommen müssen.




Der gebürtige Norweger Jan Paulsen war von 1999 bis Mitte 2010 Präsident der Weltkirchenleitung der Siebenten-Tags-Adventisten.


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