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Für die meisten Deutschen ist Religion bedeutend für soziale Identität

Wie die Studie weiterhin zeigt, bestärken sich Religiosität und Engagement wechselseitig. „Wer in Deutschland seine religiöse Identität als äußerst wichtig ansieht, ist wesentlich häufiger gesellschaftlich engagiert (59 Prozent) als jemand, dem diese soziale Identität völlig unwichtig ist (48 Prozent)“, so der Forschungsbericht. (© S. Hofschläger/ PIXELIO)

Für die Mehrheit der Deutschen (57 Prozent) und die Hälfte der Schweizer (50 Prozent) ist ihre religiös-weltanschauliche Zugehörigkeit ein bedeutender Bestandteil ihrer sozialen Identität. Das zeigen die am 11. Dezember veröffentlichten ersten Ergebnisse der repräsentativen Bevölkerungsumfrage „KONID Survey 2019“. Sie ist Teil des deutsch-schweizerischen Forschungsverbundes „Soziale Gruppen und religiöse Identitäten in ziviler Gesellschaft (RESIC)“ unter Führung der Universitäten Leipzig und Luzern. Während demnach in den beiden volks- bzw. landeskirchlichen Traditionen des Christentums die Identifikation mit Religion eine eher geringe Rolle spielt, ist die eigene religiöse Identität speziell für Mitglieder der Freikirchen und Muslime von zentraler Bedeutung. So gaben 78 Prozent der evangelisch-freikirchlichen Christen in Deutschland (Schweiz: 93 Prozent) an, dass ihnen Religion wichtig, eher wichtig oder äußerst wichtig für ihre soziale Identität ist. Unter den landeskirchlichen Protestanten waren es hingegen nur zwei Drittel (64 Prozent/Schweiz: 42 Prozent). Auch 47 Prozent (Schweiz: 39 Prozent) der Menschen ohne Religionszugehörigkeit halten diesen Status bedeutend für die eigene soziale Identität. Die Zugehörigkeit zur Familie sowie zum Freundes- und Bekanntenkreis rangiert jedoch in beiden Ländern deutlich vor Religion.

Diskriminierung: Muslime, Freikirchler und Orthodoxe sind betroffen

Wie die Studie weiterhin zeigt, bestärken sich Religiosität und Engagement wechselseitig. „Wer in Deutschland seine religiöse Identität als äußerst wichtig ansieht, ist wesentlich häufiger gesellschaftlich engagiert (59 Prozent) als jemand, dem diese soziale Identität völlig unwichtig ist (48 Prozent)“, so der Forschungsbericht. Als problematisch erachten die Forscher hingegen religiös-dogmatische und autoritäre Einstellungsmuster, die die Haltung zur eigenen und anderen Religionen prägen. So stimmte etwa fast jeder dritte Freikirchler (32 Prozent) in Deutschland für die Aussage „Die Regeln und Werte meiner Religion haben im Konfliktfall Vorrang vor der Verfassung“ (Schweiz: 49 Prozent). Unter den landeskirchlichen Evangelisch-Reformierten war es nur etwa jeder Zehnte (11 Prozent/Schweiz 12 Prozent). Diskriminierungserfahrungen sind dem Bericht zufolge in moderater Weise ausgeprägt, treffen aber bestimmte Gruppen häufiger. So gab jeder zweite Muslim (50 Prozent) in Deutschland an, „selten“, „oft“ oder „sehr oft“ Diskriminierungen aufgrund seiner Religionszugehörigkeit erfahren zu haben (Schweiz: 56 Prozent). Auch 69 Prozent der Schweizer Mitglieder von Freikirchen sowie 48 Prozent der Orthodoxen in Deutschland berichten davon.

Projektleiter Pickel: Die lauen Christen sterben aus

Wie der Projektleiter, der Leipziger Religionssoziologe Prof. Gert Pickel, dem Portal „ZEIT online“ sagte, ist Religiosität heute nicht mehr gleich verteilt in der Bevölkerung, „sondern polarisiert sich in überzeugte Befürworter, denen sie oft sehr wichtig ist, und Menschen, denen Religion herzlich egal ist“. Die lauen Christen und Muslime hingegen stürben langsam aus. „Möglicherweise werden die kleiner werdenden Volkskirchen zukünftig wie viele Moscheegemeinden oder Freikirchen, wo die Religion für die Mitglieder in der Regel eine hohe Bedeutung für die Lebensführung besitzt“, so Pickel. An der Umfrage beteiligten sich in Deutschland und der Schweiz jeweils über 3.000 Bürger ab 16 Jahren. Das KONID-Projekt läuft über drei Jahre und wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und dem Schweizer Nationalfonds gefördert.

(BU: Wie die Studie weiterhin zeigt, bestärken sich Religiosität und Engagement wechselseitig. „Wer in Deutschland seine religiöse Identität als äußerst wichtig ansieht, ist wesentlich häufiger gesellschaftlich engagiert (59 Prozent) als jemand, dem diese soziale Identität völlig unwichtig ist (48 Prozent)“, so der Forschungsbericht. (© S. Hofschläger/ www.pixelio.de)


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