Die Soldaten in der Bundeswehr schätzen die Präsenz der Militärseelsorge nahezu einhellig. Das geht aus einer in Berlin vorgestellten wissenschaftlichen Studie im Auftrag der Evangelischen Militärseelsorge hervor. Grundlage sind die Antworten von 7.400 Soldaten, von denen sich über die Hälfte einer Kirche verbunden fühlen. 91 Prozent der Befragten begrüßen die Anwesenheit von Militärgeistlichen vor Ort. Für die Präsenz in Einsätzen liegt die Zustimmung sogar bei 95 Prozent. Über vier Fünftel (84 Prozent) der Soldaten, die Seelsorge in Anspruch genommen haben, würden dies nach eigenen Angaben wieder tun und das Angebot weiterempfehlen. Für 95 Prozent der Befragten ist dabei die absolute Verschwiegenheit der Geistlichen von zentraler Bedeutung. Gottesdienste und Andachten erreichen fast zwei Drittel (63 Prozent) der Soldaten. Sie seien damit „keine Nischenprodukte“, sondern eine „zentrale Kontaktfläche“ selbst für jene, die privat kaum Berührungspunkte mit der Kirche hätten, so Militärbischof Bernhard Felmberg (Berlin). Nach seinen Worten ist die Seelsorge essenziell für die Resilienz der Truppe. „Wir sind der Faktor, der Halt gibt, wenn es ernst wird.“
Für geplante Aufstockung der Bundeswehr fehlen 44 Stellen für Geistliche
Felmberg zufolge kommen derzeit 104 evangelische Militärgeistliche auf 184.000 Soldaten. Angesichts der geplanten Aufstockung der Bundeswehr auf 260.000 Kräfte müsste der Personalbestand rein rechnerisch auf rund 148 Geistliche steigen. Felmberg: „Das bedeutet: Uns fehlen perspektivisch über 44 Planstellen, wenn wir das Versorgungsniveau auch nur halten wollen.“ Andernfalls drohe eine Verdünnung der Betreuung genau dann, wenn sie am dringendsten gebraucht werde. Die Studie trägt den Titel „Was kann und was leistet Militärseelsorge?“ Dazu haben das Sozialwissenschaftliche Institut der EKD und das Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr zusammengearbeitet.
