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Studie der Uni Leipzig: Familien kommen, wenn der Gottesdienst passt

Von: nicole Datum Beitrag: 23.01.2026 Kommentare: Keine Kommentare Tags: , , , ,

Gottesdienste in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens (EVLKS) erreichen besonders dann viele Familien, wenn sie gezielt auf deren Bedürfnisse zugeschnitten sind oder Familienmitglieder aktiv mitwirken. Das ist das zentrale Ergebnis einer empirischen Studie, die ein Forschungsteam der Universität Leipzig unter Leitung von Professor Alexander Deeg im Auftrag der Landeskirche durchgeführt hat. Für die Erhebung wurden mehr als 24.000 evangelische Haushalte mit Kindern angeschrieben, von denen 2.101 Familien teilnahmen.

Gemeinsam zum Gottesdienst

Demnach besuchen Familien den Gottesdienst deutlich häufiger gemeinsam mit ihren Kindern als allein. Während 27 Prozent der befragten Familien wöchentlich oder mehrmals monatlich zum Gottesdienst gehen, sind es 68 Prozent, die mindestens mehrmals im Jahr oder jährlich teilnehmen. Familiengottesdienste steigern demnach die Teilnahme erheblich: 75 Prozent der gelegentlichen Gottesdienstbesucher bevorzugen familienfreundliche Formate. Hauptanlässe für den Kirchgang sind Weihnachten (92 Prozent), familiäre Ereignisse wie Taufe oder Konfirmation (85 Prozent) sowie Familiengottesdienste (71 Prozent).

Größtes Hindernis: Langeweile der Kinder

Als Hauptgrund gegen den Gottesdienstbesuch nennen 58 Prozent: „Unsere/meine Kinder finden Gottesdienste langweilig.“ 49 Prozent geben an, dass Gottesdienste nicht in ihren Familienalltag passen, etwa wegen Termindichte am Wochenende. Auch die Uhrzeit stellt für viele ein Problem dar: 42 Prozent der  Befragten wünschen sich flexiblere Zeiten, bevorzugen aber weiterhin den Sonntagvormittag. Weitere Gründe wie negative Erfahrungen mit der Kirche (12 Prozent), fehlende Religiosität (9 Prozent) oder das Gefühl, nicht willkommen zu sein (4 Prozent), spielen eine untergeordnete Rolle. Die Studie betont, dass die Hürden vor allem in der konkreten Gestaltung und Passgenauigkeit der Gottesdienste liegen – nicht in einer grundsätzlichen Ablehnung von Religion oder Kirche.

Mitwirkung bindet Familien

Der stärkste Faktor für die Gottesdienstteilnahme von Familien ist die Möglichkeit zur aktiven Mitwirkung: 91 Prozent der Befragten stimmen zu, dass die Übernahme einer Aufgabe durch ein Familienmitglied die Wahrscheinlichkeit des Kirchgangs erhöht. Bei der Bewertung einzelner gottesdienstlicher Elemente zeigt sich eine klare Prioritätensetzung. Für Familien zählen vor allem Musik (95 Prozent), Segen (94 Prozent), Gebet (93 Prozent) sowie gemeinsamer Gesang (90 Prozent) zu den wichtigsten Bestandteilen eines Gottesdienstes. Musikalische Vielfalt spielt dabei eine große Rolle: 80 Prozent wünschen sich moderne Lieder, 66 Prozent den Einsatz verschiedener Instrumente. Gleichzeitig wird traditionelles Liedgut von 52 Prozent der Befragten geschätzt.

Predigt und Bekenntnis wichtig

Die Predigt erreicht aus familiärer Perspektive eine Zustimmung von 78 Prozent, aus persönlicher Perspektive sogar von 92 Prozent. Auffallend hoch fällt auch die Zustimmung zum Glaubensbekenntnis aus, das 75 Prozent der Familien als wichtig einschätzen. Demgegenüber spielt das Abendmahl mit 51 Prozent eine geringere Rolle als erwartet. Anspiele (47 Prozent) und Bewegungslieder (34 Prozent) finden vergleichsweise weniger Zustimmung. Stille ist vor allem für Erwachsene von Bedeutung: 60 Prozent bewerten sie persönlich als wichtig, während dies in der familiären Perspektive nur 31 Prozent angeben.

Keine weiten Wege

Die bevorzugte Gottesdienstzeit ist laut Studie 10 Uhr. Für 79 Prozent der Befragten ist es wichtig, keine weiten Wege für den Gottesdienstbesuch in Kauf nehmen zu müssen. Die vielfach geäußerte Vermutung, dass Familien in größerem Umfang zu freikirchlichen Gemeinden abwandern, bestätigt die Studie nicht: 90 Prozent der Familien besuchen Gottesdienste in der landeskirchlichen Gemeinde am Wohnort. Lediglich vier Prozent nehmen regelmäßig freikirchliche Angebote wahr. Zugleich zeigt sich eine gewisse Offenheit für regionale Gottesdienstangebote jenseits der eigenen Gemeinde. Digitale Gottesdienste spielen für Familien in Sachsen eine untergeordnete Rolle. 74 Prozent nutzen keine digitalen Formate. Sie sind laut Studie keine Alternative zu Präsenzgottesdiensten, sondern nur eine Ergänzung.

Familien als System im Blick behalten

Die Studie unterstreicht die Bedeutung, Familien als sozialen Zusammenhang gezielt zu erreichen und ihre Bedürfnisse ernst zu nehmen. Investitionen in familienfreundliche Gottesdienste zahlen sich demnach langfristig aus, da die religiöse Sozialisation in der Kindheit die spätere Kirchenbindung entscheidend prägt. Die Autoren empfehlen, Mitwirkungsmöglichkeiten auszubauen, die musikalische Vielfalt zu fördern, die Verständlichkeit der Gottesdienste sicherzustellen und die Zusammenarbeit zwischen Gottesdienst, Kirchenmusik und Gemeindepädagogik weiter zu intensivieren.

Höchste Gottesdienstbeteiligung in Sachsen

Zwischen fünf und sieben Prozent der sonn- und feiertäglichen Gottesdienste werden den Angaben zufolge landeskirchenweit als Familiengottesdienste gefeiert. Im bundesweiten Vergleich nimmt die EVLKS eine Sonderrolle ein: Während im EKD-Durchschnitt 2023 rund 2,4 Prozent der Kirchenmitglieder sonntags einen Gottesdienst besuchten, lag der entsprechende Wert in Sachsen bei 5,7 Prozent – der höchste aller Landeskirchen. Mit deutlichem Abstand folgen die Evangelische Landeskirche Anhalts (3,7 Prozent) sowie die Evangelische Landeskirche in Württemberg (3,4 Prozent). Besonders ausgeprägt ist laut der Studie der Kirchgang in den erzgebirgischen Kirchenbezirken der EVLKS, etwa in Marienberg und Annaberg-Buchholz.

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