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Warum ich den Weihnachtsrummel liebe (Kommentar)

("Adventisten heute"-Aktuell, 09.12.2016) Viele Christen schimpfen in der Adventszeit über den beginnenden Weihnachtsrummel. Ich nicht! Ich kenne ganz anderes aus Afrika. In der kargen Steppe Nigerias, in der ich groß geworden bin, war die Vorweihnachtszeit ein Potpourri geballter Lachmomente: der Papagei, der wüste Ausdrücke von sich gab, statt uns den Text von "Stille Nacht" nachzusprechen, den wir ihm beigebracht hatten. Die alte Schallplatte, deren Nadel bei "du grünst nicht nur zur Sommerzeit" immer hängen blieb, und das Wettrennen, wer am schnellsten springen konnte, um sie wieder anzustupsen. Wir spielten die drei Könige unter dem sternenklaren afrikanischen Himmel, wünschten, es wäre das ganze Jahr über Weihnachten, rissen bescheidene Päckchen auf, als ob sie ein Lottogewinn wären: ein Stück Seife, ein Buch, ein Stift, eine Zahnbürste. Bis heute glänzen meine Augen, wenn ein Paket kommt, auch wenn es die Staubsaugerbeutel sind, die ich bestellt habe. Ich kann von den Düften, Lichtern und Klängen von Weihnachten nicht genug bekommen.

"O du fröhliche" auf der Krebsstation

Einmal gab es ein Weihnachtsfest, an dem die Lachmomente vorbei waren. Zu den Klängen von "O du fröhliche" auf der Krebsstation bekam unsere Mutter das ärztliche "Aus-und-vorbei". Unser Kind, das erst Ende Februar kommen sollte, kam Mitte Dezember. Heiligabend im Pendeln zwischen Sterbebett und Brutkasten. Neue Weihnachtsbilder trieben durch meinen Kopf: der Gott, der sein Zelt auf der Schattenseite des Lebens aufschlägt. Die Futterkrippe, wie sie wirklich aussah, bevor wir die Kuhfladen entsorgt, das Kind verniedlicht und auf Postkartengröße reduziert haben. Ein wütender Herodes, Flucht, Terror in den Kinderstuben Bethlehems, heulende Mütter. Golgatha warf seinen finsteren Schatten voraus. Der Retter der Welt auf zwei Balken aufgespießt: Balken, die wir seitdem geschliffen, mit Gold verkleidet und mit Kerzen geschmückt haben, von denen wir die Blutspuren beseitigt hatten. Es ist der unaufhaltsame Versuch, heute mehr denn je, diesen "peinlichen" Gott mit allen Mitteln zu verharmlosen, ihn appetitlich, "gechillt", postmodern und hoffähig zu machen.

Aus "ich soll" ist "ich will" geworden

Die Botschaft mit ihren Ecken und Kanten will aber nicht alt werden. Mitten im Weihnachtsrummel höre ich den Ruf Jesu zur Nachfolge. Kompromisslos, eindringlich. Gehorsam, nicht als Zwang, sondern als Befreiung vom Zwang eines Lebens in eigener Regie. "Kyrie Eleison" als erleichterte Kapitulation. Heiligkeit, nicht als blutleere Rechthaberei, sondern als fröhlich gelebte Verkündigung, als Dank an den Gott, der die Liebe meines Lebens geworden ist. Aus "ich soll" ist "ich will" geworden. Wer ihn liebt, hält seine Gebote (Johannes 14,21), sieht ihn mit Freuden an und kann sich nicht sattsehen. Mitten in der Hektik lässt wahres Weihnachten grüßen. In diesem Sinne: eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit. (idea)

"Die Autorin, Nicola Vollkommer, gebürtige Engländerin, Buchautorin ("Leben am reich gedeckten Tisch") und Referentin, ist Mutter von vier erwachsenen Kindern, Pastorenfrau und Lehrerin an der Freien Evangelischen Schule Reutlingen."

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