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Thomas' Tagebuch - Tag 2: Kontrastprogramm: der Freitag

Der heutige Tag war zeitweilig ein Kontrastprogramm zu gestern. Nach dem gestrigen Bericht des Präsidenten, Ted Wilson, trug heute der Sekretär G. T. Ng seinen Bericht vor. Das Sekretariat der Generalkonferenz (GK) ist für die Missionsarbeit im engeren Sinn zuständig: für die Aussendung von Missionaren und Global-Mission-Pionieren und für die Mission in den bisher unerreichten Gebieten. Auch das Büro für die Adventmission unter seinem Leiter Gary Krause und die verschiedenen Studienzentren für die Erforschung der Lebenswelten von Muslimen, Hindus, Buddhisten und säkularen Menschen stehen unter der Aufsicht des Sekretariats.

Ein humorvoller Mitarbeiter: G. T. Ng.Er wurde am Freitag als Generalsekretär wiedergewählt. (Foto: James Bokovoy/NAD)

G. T. Ng gilt bei den GK-Mitarbeitern als sehr witzig, ANN bezeichnete ihn einmal als Hauskomödianten der Weltkirchenleitung. Er lässt auf Sitzungen schon mal Neuerungen in der Working Policy (Arbeitsrichtlinien der GK) durch ein humorvolles Anspiel vorstellen. Aber heute Vormittag gab es wenig zu lachen. Im Unterschied zu Ted Wilsons Präsentation gestern, ging es heute sehr geschäftsmäßig und nüchtern zu (es war ja auch eine Business Session). Viele Zahlen wurden präsentiert und Aktivitäten aufgezählt (siehe ANN-Meldung). Auch hier zeigte sich erneut die große Bedeutung der Mission in unserer Kirche, die meisten Aktivitäten haben irgendwie damit zu tun.

Ehrliche Zahlen

David Trim, Chefarchivar und Historiker der GK, ging nach G. T. Ng zum Sprechpult und erläuterte die Mitgliederentwicklung der Kirche in den letzten fünf Jahren. Neben einem erfreulichen Wachstum gibt es auch bedenkliche Verluste von Neugetauften in vielen Gebieten der Welt. Insgesamt gingen in den letzten fünf Jahren drei Millionen Menschen der Kirche verloren. Wegen des "Überschusses" bei den Mitgliedern hat man die Verlustrate lange nicht beachtet. Außerdem hatte eine Überprüfung der Mitgliedszahlen ergeben, dass einige Zahlen übertrieben waren und korrigiert werden mussten. ( Adventist World und Adventisten heute berichteten bereits mehrfach darüber.)


David Trim am Sprechpult

Er bringt Klarheit in die Statistiken: David Trim,der Chefarchivar und Historiker der GK. (Foto: Ansel Oliver)

David Trim nahm auch kein Blatt vor den Mund, als er über die Mitgliedersverluste sprach. Das ist ein relativ neuer Ton, bisher wurde über Mitgliedszahlen nur in einer eher euphorischen Art und Weise berichtet. Und die Zahlen bergen Sprengstoff. Bald könnte es sogar passieren, dass bei der Fortsetzung der Mitgliedszahlenüberprüfung sich unser Wachstum beinahe neutralisieren wird. Diese Prognose traf ein GK-Mitarbeiter in einem Statement. G. T. Ng räumte ein, dass wir viel zu oft auch "halbreife Früchte gepflückt" hätten, wie er sich ausdrückte.

Es gab viele Wortmeldungen zum Bericht von David Trim. Einige Delegierte gaben ihrer Betroffenheit Ausdruck und wollten künftig genauere Informationen und Analysen über Mitgliedszahlen. Insofern war diese Sitzung ein Kontrastprogramm zur gestrigen Abendveranstaltung (Bericht des Präsidenten), in der nur die Erfolge dargestellt wurden. Es tut gut zu sehen, dass nicht nur Jubelberichte verbreitet werden, sondern dass man auch die Gemeindesituation zumindest in den Geschäftssitzungen realistisch wahrnimmt.

Leider formulierten manche Delegierten ihre Fragen oder Kommentare sehr ausschweifend und völlig am Punkt vorbei. So ging viel Zeit verloren. Irgendwann wurde es zu viel und die Delegierten stimmten mehrheitlich dafür, die Diskussion zu beenden. Die Berichte von G. T. Ng und David Trim wurden fast einstimmig verabschiedet.

Holprige Wiederwahl von Ted Wilson

Der Nominierungsausschuss-Vorsitzende Homer Trecartin (Vorsteher des Nahost-Verbandes) überbringt eine Nachricht: Als GK-Präsident wird Ted Wilson vorgeschlagen, der dieses Amt seit fünf Jahren bekleidet.

Applaus brandet auf. Doch ein Delegierter aus Nordamerika bittet, den Vorschlag zurückzuziehen. Auch dafür gibt es etwas Applaus. GK-Vizepräsident Pardon Mwansa, der Sitzungsleiter, weist darauf hin, dass man schwerwiegende Gründe vorbringen muss, um einen Vorschlag zu verhindern. Ein weiterer Delegierter aus Nordamerika stellt einen offiziellen Antrag, den Vorschlag abzulehnen. Pardon Mwansa bringt den Antragsteller mit dem Vorsitzenden und Sekretär des Nominierungsausschusses zusammen, damit er ihnen seine Einwände vortragen kann. Wenn diese Einwände schwerwiegend sind oder im Ausschuss selbst noch nicht berücksichtigt wurden, soll der Ausschussvorsitzende dem Antrag stattgeben. Dann müsste der Nominierungsausschuss noch einmal zusammentreten. Das ist aber offenbar nicht der Fall, deshalb wird der Antrag vom Nominierungsausschuss-Vorstand abgelehnt.

Ein anderer Delegierter aus Nordamerika beantragt erneut, dass der Antrag zurückverwiesen wird. Er besteht auf dem gleichen Recht nach der Geschäftsordnung wie sein Vorredner. Die Prozedur würde sich wiederholen. Pardon Mwansa schwankt, ob er die Delegierten über dieses Ansinnen abstimmen lassen soll, was nach der Geschäftsordnung möglich wäre. Schließlich gibt er ihm das Recht und erneut folgt ein Gespräch mit den Leitern des Nominierungsausschusses. Auch diesmal lehnen sie den Antrag ab. Weitere Delegierte bringen Einwände vor, stellen aber keine Anträge im Sinne der Geschäftsordnung.

 

Abstimmung mit gelben Stimmkarten

Weil das elektronische Abstimmungssystem nicht fehlerfrei arbeitet,mussten die Wahlen mit Stimmkarten durchgeführt werden. (Foto: Rohann/NAD)

Eine Delegierte aus Nordamerika stellt einen Antrag auf geheime Abstimmung. Unglücklicherweise arbeitet die elektronische Abstimmung fehlerhaft, so dass sie derzeit nicht zur Verfügung steht. Daher müsste mit Stimmzetteln geheim abgestimmt werden. Nach der Gemeindeordnung muss eine Gemeindewahl geheim vonstattengehen, wenn nur ein stimmberechtigtes Gemeindeglied das beantragt. In der GK-Geschäftsordnung ist das anders. Dort dürfen die Delegierten darüber befinden, ob einem Antrag auf geheime Abstimmung gefolgt wird. So befragt Pardon Mwansa die versammelten Delegierten. Resultat: Es gibt zwar eine Mehrheit gegen den Antrag für geheime Abstimmung, aber eine starke Minderheit, die dafür ist. Nun soll also offen über die Wahl des GK-Präsidenten abgestimmt werden. Pardon bittet, dabei auf Beifallsäußerungen zu verzichten. Ergebnis: Ted Wilson wird gewählt, allerdings gibt es eine deutlich sichtbare Zahl an Gegenstimmen (grob geschätzt 15 Prozent [Update 5.7.2015], überwiegend aus Nordamerika). Später sickert aus dem Ernennungsausschuss durch, dass auch dort die Vorbehalte gegen ihn besonders aus Nordamerika kamen.

 

Ehepaar Wilson

Das Ehepaar Nancy und Ted Wilson nach der Wiederwahl von Ted Wilsonals Präsident der Weltkirche. (Foto: James Bokovoy/NAD)

Als Ted Wilson mit seiner Frau die Bühne betritt, gibt es stehenden Applaus. Er nimmt die Wahl an und spricht noch ein paar Worte. Drei Dinge seien ihm wichtig: Hingabe an Christus, Treue gegenüber dem Wort Gottes, starkes Engagement der Gemeindeglieder in allen Bereichen.


Schatzmeister Prestol Puesan

Juan Prestol-Puesán, der neu gewählte Schatzmeister (Foto vom 13.10.2014),wurde in der Dominikanischen Republik geboren. (Foto: Ansel Oliver/ANN)


Am Nachmittag werden die beiden anderen Positionen im Vorstand der GK besetzt: Als Sekretär wurde G. T. Ng wiedergewählt, als neuer Schatzmeister für den in den Ruhestand getretenen (und sehr beliebten) Robert Lemon wurde sein Stellvertreter Juan Prestol-PuesÃḂn gewählt.

Mission in den Städten: zwei Beispiele

Zum Sabbatanfang gibt es traditionell ein vielfältiges Programm aus Musikdarbietungen, Berichten und Zeugnissen. So auch diesmal. In einem Video wird ein Einblick in die Evangelisationskampagne in Simbabwe gegeben, von der Adventist World in der Augustausgabe berichten wird. Auch über die große kostenlose Klinik in San Antonio, die im Vorfeld der GK-Vollversammlung den Einwohnern diverse medizinische Dienstleistungen angeboten hat. Sie wurde kombiniert mit diversen evangelistischen Aktivitäten. Ergebnis: eine neue Adventgemeinde, über 500 Taufen. Mark Finley, der später predigen wird, führt den Erfolg auf eine neue Empfänglichkeit für die biblische Botschaft zurück.

 

Jamaicas Senator mit Frau und John Graz

Floyd Morris ist Senatspräsident auf Jamaica. Links seine Frau,rechts John Graz, Leiter für öffentliche Angelegenheitenund Religiöse Freiheit der GK. (Foto: Rohann/NAD)


Der blinde Senatspräsident Floyd Morris aus Jamaica (ein Adventist) spricht ein umjubeltes Grußwort mit etwa folgendem Inhalt: Eines Tages wird es keine Blinden mehr geben. Dann gibt es weder reich noch arm, noch gebildet oder ungebildet, dann sind wir alle gleich in Christus.

Mitreißend: die Predigt von Mark Finley

Diese Energie, diese Begeisterung: Trotz seines mittlerweile fortgeschrittenen Alters ist der langgediente Evangelist Mark Finley ein Verkündiger voller Tatendrang. Meistens spricht er frei.


Mark Finley

Es war nicht zu übersehen/überhören:Mark Finleys Herz schlägt für Evangelisation! (Foto: Rohann/NAD)

Warum Evangelisation? Das fragte er zu Beginn seiner Freitagabendpredigt. Er lieferte zwei Begründungen. Erstens: Gott möchte, dass alle Menschen gerettet werden. Der Heilige Geist berührt schon die Herzen der Menschen, bevor wir sie erreicht haben. Die Welt ist verloren und braucht die Erlösung durch Christus. Zwar kann Gott auch Menschen erretten, die nichts von Christus wissen, aber der Auftrag der Gemeinde bedeutet dennoch, sein Evangelium zu verkündigen, damit die Menschen eine weitere Chance haben, gerettet zu werden - allerdings ist das nicht unbedingt ihre einzige, denn Gott ist souverän, er entscheidet, wer gerettet wird. Damit widersprach Mark Finley indirekt jenen Stimmen in unserer Kirche, die behaupten, die Verantwortung für die Errettung der Menschen liege bei uns und hänge von unserer Missionsintensität ab.

Der zweite Grund für Evangelisation: Sie verändert uns, macht uns geistlicher, gottgefälliger, sie fördert unser geistliches Wachstum. Wir werden dabei gesegnet, nicht nur die Empfänger der Botschaft. Er zitierte Ellen White, die schrieb: "Die größte Kraft, dem Bösen zu widerstehen, gewinnt man durch selbstlosen Dienst." Nicht durch Gebet und Bibelstudium - das hätten die Pharisäer auch getan und Jesus trotzdem ans Kreuz gebracht.
Entscheidend sei der Heilige Geist: Ohne ihn würden alle Strategien und Pläne wirkungslos bleiben. Er wird aber nur dann ausgegossen werden, wenn die Gemeinde aktiv Zeugnis gibt und sich um die verlorenen Menschen kümmert. Andernfalls bräuchten wir ihn nicht, wozu auch? Ganz gleich, wie unterschiedlich wir denken, wir sollten zusammen beten und arbeiten. Auch die Jünger Jesu waren sehr unterschiedlich. Solange wir uns nur um uns selbst kümmerten, seien wir sehr eingeschränkt. Evangelisation werde uns verändern und vereinen, so Mark Finley.

Gott habe viel Grund, über unsere Welt zu weinen. Aber es gebe etwas, was Gott Freude macht: "wenn verlorene Menschen zu Gott finden", sagte er abschließend. Und als Beispiel dafür ließen sich anschließend zehn Menschen taufen (darunter ein Ehepaar), die jeweils kurz vorgestellt wurden. Interessanterweise gab es kein Taufbekenntnis oder eine Zustimmung zu Tauffragen. Jede Taufe wurde mit tosendem Applaus bedacht.

 

Ehepaar wird getauft

Alle zehn Täuflinge entschieden sich während den kürzlich stattgefundenen Evangelisationenin San Antonio für Jesus Christus und die Aufnahme in die weltweite Familieder Siebenten-Tags-Adventisten. (Foto: Rohann/NAD)


Freitagabende bei Generalkonferenzen sind oft geistliche Höhepunkte. Und auch diesmal sind die Menschen sichtlich bewegt. Mit Mark Finley hat jemand gesprochen, der seine Botschaft lebt.

Der Sabbat hat begonnen, Gottes Ruhetag. Wir gehen zum Hotel und begegnen dabei zahlreichen Menschen, die ausgelassen einen anderen Feiertag bejubeln: Den amerikanischen Unabhängigkeitstag, der morgen, am 4. Juli, begangen wird.

Thomas Lobitz, Advent-Verlag Lüneburg.

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