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Starke Männer musizierten für schwache Frauen

("Adventisten heute"-Aktuell, 9.5.2014) Am Sonntag, den 4. Mai 2014, fand eine in mehrerlei Hinsicht außergewöhnliche Veranstaltung im "Estrel Convention Center" in Berlin-Neukölln statt: Das Stabsmusikkorps der Bundeswehr musizierte ohne Gage zugunsten genitalverstümmelter Frauen und zum ersten Mal überhaupt für ein Krankenhaus. Europas größtes Kongresszentrum im Estrel Hotel bot dafür einen würdigen Rahmen.
Knapp 700 Gäste lauschten dem Konzert des 110 Musiker umfassenden symphonischen Blasorchesters, das sonst vor allem im Rahmen des protokollarischen Ehrendienstes Staatsgäste z. B. des Bundespräsidenten oder der Bundeskanzlerin aus aller Welt empfängt. Dennoch gehören auch Auftritte für karitative Zwecke zu den besonderen Anliegen des Stabsmusikkorps der Bundeswehr.Das Programm des Konzerts wurde speziell für diesen besonderen Anlass zusammengestellt, wie Dirigent Oberstleutnant Walter Ratzek eingangs erwähnte. So wurden unter seiner Leitung sowie unter Leitung des stellvertretenden Dirigenten des Stabsmusikkorps der Bundeswehr, Hauptmann Tobias Wunderle, von klassischen Werken über eindrucksvolle Militärmusik bis hin zu bekannten Musical-Highlights verschiedene Epochen und Musikstile berücksichtigt. Darüber hinaus verliehen die portugiesische Sopranistin Leonor Amaral und Olaf Ott, Solo-Posaunist der Berliner Philharmoniker, dem Konzert durch Ihre Auftritte zusätzliche große musikalische Momente.
Nach einer kurzen Begrüßung und Einführung durch Bernd Quoß, Geschäftsführer des Krankenhauses Waldfriede und Vorsitzender des Fördervereins Krankenhaus Waldfriede e. V. sprach der Berliner Senator für Justiz und Verbraucherschutz, Thomas Heilmann, ein kurzes Grußwort, in dem er auch herzliche Grüße der Schirmherrin des Konzerts, Bundesverteidungsministerin Ursula von der Leyen, übermittelte, die sich aufgrund der Ukraine-Krise entschuldigen musste. Darüber hinaus konnten zahlreiche Politiker und prominente Persönlichkeiten wie zahlreiche Mitglieder des Bundestages, die bekannte Filmregisseurin Sherry Horman ("Wüstenblume") und der ehemalige Militärberater des Bundeskanzleramtes zu diesem Konzert begrüßt werden. Auch nahmen die Vorsitzenden der deutschen Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten, Günther Machel und Johannes Naether, sowie Gabriel Maurer als Vertreter der Intereuropäischen Division teil.
Das Konzert begann es mit der berühmten Ouvertüre "1812" von Peter Tschaikowski. Über einen Marsch von Wassili Agapkin ging es mit dem "Konzert für Soloposaune und Blasorchester", einem längeren Musikstück in drei Sätzen dessen dritter Satz mit einer "sinfonischen" Samba endet, in die Pause.
Unmittelbar nach der Pause wurde die Veranstaltung mit einer bewegenden Rede fortgesetzt. Evelyn Brenda, ehrenamtliche Mitarbeiterin der adventistischen Hilfsorganisation ADRA und selbst nur knapp dem Schicksal der Genitalverstümmelung entgangen, sowie Dr. Cornelia Strunz, Oberärztin und ärztliche Koordinatorin des "Desert Flower Centers" Waldfriede, berichteten über ihre praktische Arbeit und die Erfahrung von Frauen, die von Genitalverstümmelung betroffen waren.
Die gebürtige Kenianerin Evelyn Brenda konnte von dem hohen Verbreitungsgrad der weiblichen Genitalverstümmelung in Afrika und den kulturellen Ansichten und Zwängen, die hinter diesem Problem stehen, erzählen. So könne ein Mädchen dort "erst heiraten, wenn es beschnitten ist". Diese Vorstellung sei in den Köpfen der Menschen fest verankert. Zudem machte sie klar, dass weibliche Genitalverstümmelung nicht nur ein afrikanisches Problem ist sondern diese auch in westlichen Staaten, so auch in Deutschland, praktiziert wird. Trotz geltender Gesetze werden auch hier Frauen und junge Mädchen beschnitten.
Oberärztin Dr. Cornelia Strunz berichtete über Ihre Erfahrungen mit den betroffenen Frauen, die zu ihr in die Sprechstunde kommen. Gerade ihre Begegnung mit der ersten Patientin hat bei ihr einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Sie traf im September 2013 auf ein verschüchtertes junges Mädchen, zu dem sie erst ein Vertrauensverhältnis aufbauen musste und mit dem die Kommunikation anfangs sehr schwierig war.
Musikalisch fortgeführt wurde der zweite Teil des Konzertes mit einem Marsch nach Motiven der Oper "Die Hugenotten", auf den modernere Stücke wie der American Folk Opera in drei Akten "Pogy & Bess" und eine Komposition von Philip Sparke, "The Bandwagon", folgten. Einen würdigen Abschluss des Konzerts bildete der fröhliche und schwungvolle Auftritt von Sopranistin Leonor Amaral, die eine Auswahl von Highlights aus bekannten Musicals wie "Phantom der Oper", "Starlight Express" und "Mamma Mia" präsentierte. Zum Schluss wurde noch die deutsche Nationalhymne gespielt und gesungen.
Rund um das Konzert konnten die Gäste sich umfassend über das Thema weibliche Genitalverstümmelung informieren. So standen im Foyer des Convention Centers 16 Informationstafeln bereit, auf denen durch Grafiken, Interviews, Zeitungsausschnitten und Texten auch über die Eröffnung und Arbeit des Desert Flower Centers Waldfriede sowie über Hintergründe, Verbreitung und Formen der weiblichen Genitalverstümmelung berichtet wurde. Auch das ärztliche Team des "Desert Flower Centers" um Dr. Roland Scherer und Dr. Cornelia Strunz stand für weiterführende Fragen gern Rede und Antwort.
Der Erlös dieses Benefizkonzertes kommt dem "Desert Flower Center" Waldfriede über den Förderverein Krankenhaus Waldfriede e. V. zu 100 Prozent zugute. Mit dem Geld sollen weitere Operationen von betroffenen und nicht in Deutschland krankenversicherten Frauen finanziert werden.
Das im Jahr 2013 eröffnete "Desert Flower Center" Waldfriede unter der Leitung des international anerkannten Proktologen Dr. Roland Scherer konzentriert sich neben wiederherstellenden Operationen der entfernten Klitoris und Schamlippen auf Narben, Fisteln und Inkontinenz - allesamt Folgen der grausamen Prozedur, an denen die betroffenen Frauen oft ihr Leben lang leiden. OPbegleitend werden die Patientinnen psychosozial betreut. (Martin Herziger)



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