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Sollten Kirchen offenes WLAN anbieten?

("Adventisten heute"-Aktuell, 24.6.2016) Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz bietet ab sofort in Kirchen einen kostenlosen WLAN-Zugang an. Das Angebot mit dem Namen "godspot" wird zunächst in rund 220 Kirchen in Berlin und Brandenburg installiert. Der Internetzugang kann in und vor den Kirchen kostenlos von jedermann genutzt werden. Ist das eine gute Idee?

PRO

Über den Namen "godspot" kann man geteilter Meinung sein, aber freies WLAN rund um den Kirchturm finde ich gut. Die Evangelische Kirche zeigt sich damit gastfrei, modern, kommunikationsfreudig und im wahrsten Sinne des Wortes international anschlussfähig. An der Gedächtniskirche mit ihren 1,3 Millionen Besuchern pro Jahr - die Hälfte aus aller Welt - werden viele dies Angebot dankbar wahrnehmen, auch viele der Passanten auf den Stufen vor der Kirche. Wir können auf der Landing Page jeweils zu unserer nächsten Andacht oder Kirchenführung einladen und weitere Informationen zur Kirche offerieren. Die Nutzerin oder der Nutzer ist aber ebenso frei, mit kirchlicher Unterstützung ganz eigene Wege ins Netz zu gehen, ohne Werbung und ohne Preisgabe persönlicher Daten. Natürlich wollen wir nicht, dass unsere Kirche damit zum Internet-Café wird, wo alle nur noch auf ihr Smartphone eintippen oder gar Filme anschauen.

Während der Gottesdienste und Andachten wird das WLAN im Kirchenraum nicht benutzbar sein. Vielleicht wird es auch Datenmengen-Begrenzungen geben. Aber warum soll nicht neben denen, die jetzt in der Stuhlreihe ihren Reiseführer studieren oder Freunden eine Ansichtskarte schreiben, auch jemand per SMS Grüße nach Hause senden, sich im Internet Informationen über unsere Kirche holen oder nächste Ziele in den Blick nehmen? Flatrate-Kunden tun dies schon jetzt - und es stört nicht wirklich. Anderen können wir als gute Gastgeber dabei helfen. Manch einer ist danach umso mehr bereit, den Kirchenraum auf sich wirken zu lassen oder dem Orgelspiel zu lauschen - und nimmt zugleich den Eindruck mit, mit seinem modernen Kommunikationsverhalten bei uns willkommen zu sein.

"(Der Autor, Martin Germer, ist Pfarrer der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirchengemeinde in Berlin.)"

KONTRA

Ich mag das Internet. Ich freue mich, wenn ich beispielsweise im Urlaub unverhofft auf einen Hotspot stoße und meine E-Mails abrufen kann. Warum nicht also auch in der Kirche? Manchen wenig vergnügungssteuerpflichtigen Gottesdienst könnte man so immerhin nahezu unbeschadet überstehen. Aber ernsthaft: Inwiefern entspricht es dem Auftrag der Kirche, Menschen den Zugang zum Internet zu ermöglichen? Geht es nicht vielmehr um den Zugang zu Gott und zum ewigen Leben? Wenn man diese Frage nicht klar beantworten kann, wird man vielleicht auch bald darüber nachdenken, ob man während der Gottesdienste die Schuhe der Besucher neu besohlt oder ihre Autos wäscht. - Obwohl: Beinhaltete ein solcher Service auch noch eine sorgfältig per Hand aufgetragene Hartwachspolitur, würde ich vielleicht auch schwach werden ...

Ich sehe aber noch einen anderen Aspekt: Die gegenwärtige Medien- und Kommunikationsflut hilft Menschen ja nun nicht unbedingt, sich zu fokussieren und einmal unabgelenkt bei sich zu sein. Gerade das ist aber unbedingt nötig, wenn man bewusst an einem Gottesdienst teilnehmen möchte. Das Hintergrundrauschen der Arbeitswoche soll bewusst zurücktreten. Der Wortschwall und die bei Licht besehen oft unnützen Wörter treten zurück, damit das Wort Gottes seine verändernde Kraft entfaltet. Statt überflüssiger Information bringt das Evangelium uns in Form. Ich schweige, damit ER reden kann. Und das Handy schweigt auch. Und mit ihm Facebook, Twitter und Co. Dabei verblassen dann auch alle Gelüste, den spärlichen Gemeindebesuch durch "Kirchentuning" zu frisieren. Denn die Kirche befriedigt nicht Erwartungen, sondern sie feiert Geheimnisse. (idea) "(Der Autor, Mathias Kürschner, ist evangelischer Hochschulseelsorger in Potsdam und Pfarrer der Apostel-Petrus-Gemeinde in Berlin-Reinickendorf.)"

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