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Sollen Christen diese Fußball-WM boykottieren?

("Adventisten heute"-Aktuell, 6.6.2014) Die Fußball-Weltmeisterschaft ist eines der größten Sportereignisse der Welt. Doch im Gastgeberland Brasilien ist bisher noch nicht viel Freude zu spüren. Bei Demonstrationen entlädt sich die Wut vieler Bürger gegen die immensen Ausgaben für die Fußball-WM, die Korruption im Land und gegen fehlende Schulen, Krankenhäuser und soziale Einrichtungen.

PRO

Fußball ist eine schöne Sache, doch bei der WM geht es eigentlich um knallharte Geschäfte. Mindestens 6,2 Milliarden Euro wird der brasilianische Staat für den Bau neuer Stadien ausgegeben haben - darunter auch solchen wie dem Maracanã, das erst vor kurzem aufwendig renoviert und dann doch abgerissen und neu gebaut wurde - während Demonstranten vergeblich bessere Kindergärten und Schulen fordern. Hinzu kommen neue Schnellstraßen und Luxusappartements, für die 170.000 meist bettelarme Menschen zwangsumgesiedelt oder einfach vertrieben wurden. Für die fußballbegeisterten Brasilianer besonders bitter ist, dass damit eine "Elitisierung" des Fußballs einherging, denn die teuren Eintrittskarten für die neuen Stadien kann sich kaum noch einer leisten. Um den Protest dennoch gering zu halten, wurden die Antiterrorgesetze massiv verschärft, das Versammlungsrecht eingeschränkt und die Armenviertel vom Militär besetzt. Obendrauf kommen die bei solchen Großereignissen leider üblichen "Randerscheinungen" wie massive Umweltzerstörung, sklavenähnliche Beschäftigungsverhältnisse und Zwangsprostitution.
Die eigentlichen Gewinner der WM stehen damit jetzt schon fest: Neben einigen großen Bauunternehmen ist es vor allem der korrupte und undemokratische Weltfußballverband FIFA, der unter anderem für die Übertragungsrechte steuerfrei rund 3 Milliarden Euro einstreichen wird - zu denen wir in Deutschland dank unserer öffentlich-rechtlichen Sender einen Teil beitragen.
Als Christen sollte uns das nicht kaltlassen. Fußball ist zwar eine schöne Sache, die WM ist es jedoch nicht. Und leider wird sich erst dann etwas ändern, wenn die Einschaltquoten zurückgehen und damit die Werbeeinnahmen.

Der Autor, Thomas Weißenborn, ist Dozent für verschiedene theologische Fächer am Marburger Bildungs- und Studienzentrum (mbs). Seit einigen Jahren ist er auch stellvertretender Direktor.


KONTRA

Unsere Welt braucht dringend eine gesunde Politik-Leben-Balance: Es gibt Zeiten, in denen wir demonstrieren müssen, und ich habe vollstes Verständnis für die Verzweiflung der Demonstranten. Aber bei aller Ungerechtigkeit gibt es auch Zeiten, in denen wir genießen sollen - denn sonst überdrehen wir und empfinden die ganze Welt nur noch als einzigen Zynismus. "Weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit!" (Prediger 3,4). Anstatt also die Samba-Party zu verderben, sollten wir Christen an die Chancen denken, die der Fußball bietet.
Während überall in Deutschland das Fußballfieber wächst, haben wir als Christen und Kirchen eine ganz fantastische Möglichkeit, mit den Fußball-Begeisterten einen "göttlichen Doppelpass" zu spielen, denn viele Fußballstars bekennen sich öffentlich zu ihrem Glauben.
Über das größte Geheimnis des Lebens habe ich Fußballstars wie David Alaba, Jürgen Klopp, Brasiliens Kapitän David Luiz und viele andere befragt. Ihre Vorstellungen von Gott und wie sie mit ihm reden, haben mich sehr überrascht. Sie alle haben ein positives Gottesbild von einem liebenden, sehr persönlichen Gott, und sie scheuen sich nicht, dieses Bekenntnis vor Millionen von Menschen auszusprechen. Das heiß diskutierte Thema des christlichen Glaubens wird durch Sympathieträger des Fußballs wieder hoffähig. Zur WM 1994 habe ich die Aktion "Fußballparty in der Kirche" ins Leben gerufen. Damals machten 400 Gemeinden mit und luden Kirchenfremde zum gemeinsamen Fußballgucken in die Kirche ein. Heute ist das längst in jeder Stadt angekommen, weil Gemeinden verstanden haben, dass Menschen dann zum Glauben an Gott finden, wenn sie spüren, dass man sich ernsthaft für sie und ihre (Fußball-)Leidenschaft interessiert.
Der Autor, David Kadel (Wiesbaden), ist Buchautor. Er arbeitete als Berater für Profisportler in der Fußball-Bundesliga. Jetzt geht er mit seinem Fußball-WM-Kabarett "David trifft Goliath" auf Deutschland-Tour (www.davidkadel.de).

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