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Predigtstreit: Parlament bezieht Stellung gegen Pastor

("Adventisten heute"-Aktuell, 20.2.2015) Das ist in Deutschland wohl einmalig: Ein Landesparlament wendet sich in einem Beschluss gegen die Predigt eines Pastors. Die Bremische Bürgerschaft stimmte am 18. Februar mehrheitlich einer Entschließung der Partei "Die Linke" zu. Darin heißt es: "Die Bremische Bürgerschaft begrüßt die Distanzierung der Bremischen Evangelischen Kirche und der Beschäftigten gegen die aufwiegelnde und herabwürdigende von Pastor Olaf Latzel. Die Äußerungen in der Predigt vom 18. Januar 2015 sind absolut indiskutabel und dürfen nicht ohne Konsequenzen bleiben."

Gegen den "Reliquiendreck und -kult" in der katholischen Kirche

Latzel - Pastor der St.-Martini-Kirche - hatte sich darin unter anderem gegen das gemeinsame Gebet von Christen und Muslimen gewandt: "Das ist Sünde, und das darf nicht sein. Davon müssen wir uns reinigen." Zur Frage, ob Christen mitmachen müssten, wenn Muslime sie einladen "zu ihrem Zuckerfest und all diesem Blödsinn", sagte Latzel: "Nein, da müssen wir ganz sauber bleiben." Er mahnte Christen auch, keine Buddha-Statue - "so einen alten, fetten Herrn" - in ihren Häusern aufzustellen: "Das ist Götzendienst." Außerdem wandte er sich gegen den "Reliquiendreck und -kult" in der katholischen Kirche. Vertreter aus Politik, Kirche und Medien warfen ihm daraufhin vor, Hass zu predigen. Latzel entschuldigte sich inzwischen für einige Formulierungen. Die Staatsanwaltschaft Bremen prüft, ob sie ein Ermittlungsverfahren wegen Volksverhetzung gegen den Pastor einleitet.

CDU-Fraktion: Politik soll sich nicht in Innerkirchliches einmischen

Unterstützt wurde die Entschließung der Linkspartei von den Fraktionen der SPD und Bündnis 90/Die Grünen. Die CDU-Abgeordneten stimmten dagegen. Die Unionsfraktion teile zwar die Kritik an Latzels Äußerungen, sei aber der Ansicht, dass sich die Politik nicht in eine innerkirchliche Angelegenheit einzumischen habe, sagte Pressesprecherin Rebekka Grupe auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea, In dem Beschluss heißt es weiter: "Bremen wehrt sich gegen Hetzpredigten, gleich welcher Konfession." Das Parlament distanziere sich von allen Versuchen, "unter dem Deckmantel von Predigt und Schriftauslegung Hass gegen Anders- und Nichtgläubige zu verbreiten". (idea)


Kommentar von Pastor Ulrich Rüß (Hamburg)

Ein deutsches Parlament übt Predigtzensur


Das Landesparlament des kleinsten Bundeslandes, die Bremische Bürgerschaft, beschließt die Distanzierung von fragwürdigen Formulierungen eines Pastors in einer Predigt gegen Religionsvermischung, für die er sich bereits öffentlich entschuldigt hat - allerdings nicht für den Inhalt seiner Verkündigung! -, und fordert Konsequenzen. Das ist einmalig in der Parlamentsgeschichte. Handelt es sich bei der Abstimmung über die Predigt um eine lächerliche, parlamentarische Provinzposse der politisch-moralisch Korrekten? Nein, mit Spaß hat das nichts zu tun! Dieser Vorgang ist eine nicht hinzunehmende Übergriffigkeit der Politik bzw. der Bremischen Bürgerschaft. Sie spielt sich zum Zensor über Predigten auf, als führte sie die Predigtaufsicht.

Bei muslimischen Hasspredigern gab es keine Abstimmungen

Wo kommen wir hin, wenn Parlamente Predigten begutachten und Sanktionen fordern? Das geht sie schlichtweg gar nichts an. Übergriffigkeiten dieser Art kennt man eher bei Diktaturen. Außerdem sucht man vergeblich vergleichbare parlamentarische Einlassungen bei islamischen Predigern, die Hass und zum Teil Gewalt predigen. Übrigens fragt man sich bei der Vehemenz der Distanzierungen der Bremischen Evangelischen Kirche und der Bürgerschaft von Latzel: Wie steht es in unserer Demokratie um Meinungsfreiheit und eine lebendige Streit- und Debattenkultur? Hier sind Korrekturen und Konsequenzen einzufordern! Dann erlebten wir weniger Provinzposse und Übergriffigkeit. (idea)

Pastor Ulrich Rüß ist Vorsitzender der Konferenz Bekennender Gemeinschaften in den evangelischen Kirchen Deutschlands.


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