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Kongress der Adventisten zu alternativen Formen der Sexualität

("Adventisten heute"-Aktuell, 28.3.2014) Vom 17. bis 21. März diskutierten im Convention Center in Kapstadt (Südafrika) rund 350 adventistische Kirchenleiter, Pastoren, Rektoren, Mediziner, Psychologen, Sozialwissenschaftler, Personalchefs, Juristen und Menschenrechtsexperten aus der ganzen Welt an einem Kongress Fragen um Homosexualität und andere alternative Formen der Sexualität. Der Kongress der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten stand unter dem Titel "Zum Bilde Gottes: Bibel. Sexualität. Gesellschaft".

Für das Thema sensibilisieren

Die Veranstaltung wollte nach Angaben der Organisatoren leitenden Verantwortlichen und weiteren Schlüsselpersonen der Weltkirche ein Forum bieten, sich über alternative Formen der Sexualität zu informieren, darüber zu diskutieren und für die damit im Zusammenhang stehenden Fragen sensibilisieren. Damit sollten die Teilnehmenden befähigt werden, den Herausforderungen besser begegnen zu können, mit denen sich die Kirche in diesem Problemkreis in den Ortsgemeinden aber auch in ihren Institutionen weltweit konfrontiert sieht.
Da die Kirche in diesem Themenbereich meistens mit Menschen gleichgeschlechtlicher Orientierung konfrontiert wird, wurde am Kongress vorwiegend über Homosexualität gesprochen. Es wurden aber auch Fragen bezüglich der Geschlechtsumwandlung, Transgender und Bisexualität diskutiert beziehungsweise der ganze Themenkomplex, der als LGBT bezeichnet wird. (Die englische Abkürzung bedeutet laut Wikipedia: "Lesbian, Gay, Bisexual und Trans, also Lesben, Schwule, Bisexuelle und Trans, für Transgender bzw. Transsexualität.")
Pastor Pardon Mwansa, einer der neun Vizepräsidenten der adventistischen Weltkirchenleitung und Konferenzorganisator bezeichnete den Kongress über Sexualität als "eine Wasserscheide" für die innerkirchliche Diskussion schwieriger sozialer und religiöser Themen. Bezüglich Homosexualität habe die Kirche bereits früher eine Stellungnahme verabschiedet, so Mwansa. Als Kirche gehe es darum, klar zu sagen, wie sie die entsprechenden biblischen Texte verstehe. Laut den Organisatoren habe am Kongress keine Absicht bestanden, die bestehende Position der Kirche zu Homosexualität neu zu formulieren, wonach sexuelle Beziehungen nur in einer heterosexuellen Ehe, zwischen einem Mann und einer Frau, gelebt werden sollen.

Geschlechterfrage und die Bibel

Dr. Kwabena Donkor, Theologe und stellvertretender Direktor des Biblical Research Instituts (BRI), Michigan (USA), referierte über hermeneutische Fragen. Traditionelle und zeitgenössische Auslegungen der Bibeltexte gingen von unterschiedlichen Prämissen aus. So verstehe die traditionelle Auslegung die Bibel als Norm. Das Mann- und Frausein werde als "zum Bilde Gottes"-Geschaffensein verstanden sowie als klare Absicht des Schöpfers. Für zeitgenössische Ausleger bestehe oft ein großer Bedeutungsunterschied zwischen dem, was ein Text damals bedeutete, und dem, was er heute meine.
Dr. Ekkehardt Mueller, Vizedirektor des Biblical Research Instituts (BRI), präsentierte sein Verständnis der Bibeltexte, die sich auf Homosexualität beziehen, und hielt fest, dass die eigentliche Frage darin bestehe, wie das Wesen, die Autorität und die Auslegung der Bibel verstanden werde. Adventisten sollten homosexuelles Verhalten nicht stillschweigend dulden, aber bereit sein, gleichgeschlechtlich orientierten Personen helfend zur Seite zu stehen.

Mann oder Frau: keine kulturellen Konstrukte

In den drei Andachten zu jedem Tag des Kongresses sprach Pastor John Nixon, Professor für Religion und Spiritualität an der Southern Adventist Universität, Tennessee (USA), über das Wesen der menschlichen Sexualität und sagte, dass die Schöpfungsgeschichte für deren Verständnis konstitutierend sei. Das Alleinsein von Adam, wie es in der Schöpfungsgeschichte beschrieben werde, sei nicht soziologisch gemeint, da Adam mit Gott Kontakt gehabt habe, sondern dieses Alleinsein sei ontologisch zu verstehen. In dieser sich gegenseitig ergänzenden Unterschiedlichkeit von Mann und Frau sei der Mensch zum Bilde Gottes geschaffen und damit ganz. Dies sei ein ontologisches Prinzip: Entweder Mann oder Frau. Mann oder Frau seien keine kulturellen Konstrukte. In der Ehe habe Gott die menschliche Sexualität zur Freude und Vertiefung der Beziehung zwischen Mann und Frau als auch als Mittel zur Fortpflanzung gestiftet, so Nixon. Außerhalb der Ehe diene der Verzicht auf Sexualität dazu, andere Menschen nicht als Objekt zu behandeln, auch wenn sie sich selbst dazu machten.

Rechtliche Fragen

In der Podiumsdiskussion zu rechtlichen und Personalfragen wurde ein großer Unterschied in der Gesetzeslage zwischen Ländern im Norden und jenen des Südens offensichtlich. Als Beispiele wurden Schweden und Uganda erwähnt. Pastoren müssten die Gesetze ihres Landes gut kennen, um angepasst reagieren zu können, wenn zum Beispiel ein gleichgeschlechtliches Paar von ihnen getraut werden wolle, sagte Karnik Doukmetzian, Anwalt der Weltkirchenleitung, Maryland (USA). Ein Gewissensvorbehalt des Pastors könne nicht in allen Ländern geltend gemacht werden, in denen der Pastor bei der Trauung gleichzeitig als Zivilstandsbeamte fungiere. Die Verweigerung der Trauung könne als Diskriminierung ausgelegt werden. In 26 Ländern seien Gesetze gegen geschlechtliche Verunglimpfungen unter dem Begriff "hate crime" (Verbrechen aus Hass) in Kraft, so Doukmetzian. Religiöse Aussagen, welche die Homosexualität als negativ darstellten, könnten in einigen Ländern eingeklagt und verurteilt werden. Das könne sich auch auf den Gebrauch von Bibeltexten beziehen.

Gründe für gleichgeschlechtliche Orientierung

Es herrsche keine Übereinstimmung unter den Fachleuten der amerikanischen Psychologischen Gesellschaft (APA), weshalb Personen eine andere sexuelle Orientierung entwickelten, sagte der Psychologe Dr. Peter Swanson, Professor an der Andrews University, Michigan (USA).
Es gäbe kein klares Modell, das erklären könne, weshalb einige Menschen gleichgeschlechtlich orientiert seien, stellte auch Dr. Peter Landless fest, Direktor der Gesundheitsabteilung der adventistischen Weltkirchenleitung, Maryland (USA). "Es handelt sich um ein komplexes Zusammenspiel von genetischen und Umweltfaktoren", so der Arzt.
Konservative Kirchen stuften Homosexualität als das Ergebnis einer Wahl ein und machten damit die Betroffenen dafür verantwortlich, sagte Dr. Curtis Fox, Professor für Beratung und Familienwissenschaften an der Loma Linda Universität, Kalifornien (USA), der sich von dieser Sichtweise klar distanzierte. Die gleichgeschlechtliche Orientierung entwickle sich nach und nach, und ohne dass eindeutige Gründe für deren Entwicklung auszumachen seien, so Fox.

Homosexualität: keine psychische Störung

Sogenannte Reorientierungstherapien, bei denen die Zuneigung zum eigenen Geschlecht abnehmen oder verschwinden, oder eine Veränderung der homosexuellen in eine heterosexuelle Orientierung stattfinden soll, seien sehr selten erfolgreich und könnten langfristig gesehen schädlich sein, erläuterten Dr. Curtis Fox und Dr. Peter Swanson übereinstimmend. Teilweise zeigten sich nach solchen Veränderungstherapien psychologische Probleme, die behandelt werden müssten. Homosexualität sei keine psychische Störung, so Swanson.
Auf eine Frage aus dem Publikum, wie er gegenüber einer gleichgeschlechtlich orientierten Person reagieren würde, die aktiv daran arbeite, ihre Orientierung zu ändern, aber scheitere, sagte Dr. Swanson, dass er ihre Beharrlichkeit würdigen, sie aber auch fragen würde, ob ihre Ziele unrealistisch oder unerreichbar seien. Wichtig sei zudem, dass diese Person in Liebe von einem Kreis von christlichen Freunden und Familienmitgliedern getragen und unterstützt werde.

Adventisten mit gleichgeschlechtlicher Orientierung

Am zweiten Tag des viertägigen Kongresses haben drei Adventisten aus den USA, die große Teile ihres Erwachsenenlebens in schwulen oder lesbischen Beziehungen verbracht hatten, das Plenum an ihren Erfahrungen teilhaben lassen. Wayne Blakely beschrieb, wie ihm der Glaube an Jesus Christus helfe, seiner gleichgeschlechtlichen Orientierung nicht mehr nachzugeben, und wie er sein Leben nach biblischen Prinzipien ausrichte. Virna Santos erzählte, dass sie nach vielen Jahren etwas für Männer zu empfinden beginne, und Ron Woolsey sagte, dass er verheiratet sei, eine Familie habe und als Pastor der Kirche arbeite.
Es wurde von einigen Referenten und Fragestellern aus dem Plenum bemängelt, dass keine homosexuellen Adventisten zum Kongress eingeladen worden seien, die in gleichgeschlechtlichen Beziehungen lebten.

Die adventistische Kirche und homosexuelle Mitglieder

Die gleichgeschlechtliche Orientierung stuften sie nicht als Sünde ein, sondern das Verhalten, hielten viele Referenten übereinstimmend fest. Die Kirche müsse ihre Identität bewahren. Es gehöre aber ebenso zu den Aufgaben der Kirche, sich der Schwulen und Lesben anzunehmen und sie zu betreuen. Die Diskussionsteilnehmer hätten auch einen wachsenden Bedarf festgestellt, sich Jugendlicher und junger Erwachsener anzunehmen, die mit Fragen ihrer sexuellen Identität kämpften, berichtete Adventist News Network.
Homosexuell orientierte Personen, die nicht sexuell aktiv seien, könnten getauft und Mitglieder der Gemeinde sowie in alle Ämter der Kirche gewählt werden, sagte Brett Townend, Präsident der regionalen Kirchenleitung im Norden Australiens.
Dr. Peter Landless, Direktor der Gesundheitsabteilung der adventistischen Weltkirchenleitung, Maryland (USA), forderte in seinem Referat mehr Mitgefühl für Menschen mit homosexueller Orientierung.
Onaolapo Ajibade, Geschäftsführer der überregionalen Kirchenleitung der Adventisten in West-Zentral Afrika, Abidjan (Elfenbeinküste), sagte: "Solange es keine bekannten Gründe für Homosexualität gibt, gibt es auch keine ‚Heilung‘. In der Zwischenzeit ist es an uns, christlich zu handeln", so Ajibade. "Da wir die Ursache nicht kennen, müssen wir verständnisvoll und mitfühlend handeln."
Auf die Frage, wie der Umgang der Kirche mit ihren homosexuellen Mitgliedern aussehe, antwortete Peter Swanson, Professor für Seelsorge an der Andrews Universität, Michigan (USA): "Wir verdrängen Homosexuelle in den Hintergrund. Es ist für sie nicht sicher, sich uns anzuvertrauen."
"Wir müssen ihnen zuhören, wenn sie uns über ihren Kampf und ihre Schmerzen erzählen", sagte Pastor Ted Wilson, Präsident der Weltkirchenleitung, in seinem Einführungsreferat zum Kongress bezüglich des Umgangs mit homosexuell orientierten Kirchenmitgliedern. "Wir sollten nicht aus falschem Stolz annehmen, dass ihre Fehler in den Augen des Himmels schlimmer sind als jene, die wir selbst gemacht haben", sagte er. Der Präsident der Weltkirchenleitung nahm an allen Veranstaltungen des Kongresses teil.
Die 1976 gegründete, private Organisation "Seventh-day Adventist Kinship International", die eine soziale und spirituelle Gemeinschaft für LGBT's sein wolle, habe 2000 Mitglieder, sagte Ella Simmons, eine der neun Vizepräsidenten der Weltkirchenleitung, Maryland (USA), im Schlussreferat des Kongresses. Kinship kümmere sich um deren Anliegen, merkte Ella Simmons kritisch an und deutete an, dass die Kirche nicht ihre Theologie in dieser Frage ändern müsste, sich aber vermehrt aktiv um Adventisten mit gleichgeschlechtlicher Orientierung und deren Sorgen und Nöte kümmern sollte. (APD)


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