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Junkermann: Auf das Leben als Gabe Gottes zurückbesinnen

("Adventisten heute"-Aktuell, 20.2.2015) Eine Rückbesinnung auf das Leben als Gabe Gottes wünscht sich die Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Ilse Junkermann (Magdeburg). Sie befürchte, dass das Streben nach Selbstbestimmung den Wert der Menschenwürde ersetzen könnte, sagte sie bei einer Veranstaltung unter dem Thema "Zum Umgang mit dem Wunsch nach Suizidhilfe" in Magdeburg. Viele Menschen wünschten sich einen schnellen Tod: "Aber wir wissen nicht, wie der Tod subjektiv erlebt wird, wie lange eine Sekunde im Sterben ist." Ihre Lebens- und Seelsorgeerfahrung habe sie gelehrt, dass Sterben so individuell sei wie das Leben, sagte Junkermann. Wichtig sei, dass Sterbende nicht allein gelassen würden.

Mediziner: Sterben ohne Leiden gibt es ebenso wenig wie Geburt ohne Leiden

Der Leiter des Zentrums für Palliativmedizin am Evangelischen Krankenhaus Herne, Wolf Diemer, sagte, niemand müsse heute mehr unter stärksten Qualen "elend zugrunde gehen". Dank palliativmedizinischer Begleitung könne man die Schmerzen heute gut eindämmen. Allerdings gebe es ein Sterben ohne Leiden ebenso wenig wie eine Geburt ohne Leiden, fügte er hinzu. Diemer ist auch Mitglied der Arbeitsgemeinschaft "Ethik am Lebensende" der Akademie für Ethik in der Medizin.
Nach seinen Worten sollte Suizidbeihilfe immer die letzte Möglichkeit sein: "Ich als Palliativmediziner sage: Suizidhilfe keine ärztliche Aufgabe." Einer Allensbach-Umfrage zufolge könnten sich aber 37 Prozent der Ärzte unter bestimmten Bedingungen vorstellen, Schwerstkranken beim Suizid zu helfen. Derzeit gebe es in Deutschland etwa 10.000 Suizide pro Jahr und rund 100.000 Suizid-Versuche.

"Wir haben keinen massiven Handlungsbedarf"

Der Strafrechtler Prof. Hans Lilie von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg warnte davor, die gegenwärtige Regelung zu ändern: "Wir haben keinen massiven Handlungsbedarf. Das sollten wir uns auch nicht von Regierung einreden lassen." Beihilfe zum Suizid ist bisher in Deutschland kein Straftatbestand.
Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) und die Mehrheit der CDU/CSU-Bundestagsfraktion fordern ein Verbot der organisierten Hilfe zur Selbsttöttung, etwa durch Sterbehilfevereine. Nicht unter das Verbot fallen sollen Angehörige und Ärzte, die im Einzelfall einem Patienten ein Medikament zu dessen Suizid zur Verfügung stellen. Eine Gruppe um den Bundestagsvizepräsidenten Hintze und den SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach will einen streng regulierten "ärztlich assistierten Suizid" ermöglichen.

Jurist: "Unerträgliches Leiden ist oft nur für die Umwelt unerträglich"

Nach Lilies Worten ist "unerträgliches Leiden oft nur für die Umwelt unerträglich". Wer solle definieren, was für einen schwerstkranken oder sterbenden Menschen erträglich ist und was nicht. Lilie: "Wo kommt eine Gesellschaft hin, die Suizidhilfe zu etwas Selbstverständlichem macht?" Allerdings wünsche er sich, dass die Debatte um Sterbehilfe in Deutschland enttabuisiert werde. Gegenwärtig zwinge die Rechtsprechung Mediziner zum Teil zu unmenschlichen Handlungen, nur damit der Arzt am Ende straffrei ausgeht. Als Christ könne er ohne Weiteres sagen: "Meine Zeit steht in Deinen Händen", bekannte Lilie. (idea)

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