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"Ich bete für Uli Hoeneß"

("Adventisten heute"-Aktuell, 21.3.2014) Wegen Steuerbetrugs muss der bisherige Präsident des FC Bayern München, Uli Hoeneß, drei Jahre und sechs Monate ins Gefängnis. Wie es ihm dort gehen wird, können wohl nur wenige so gut nachvollziehen wie Josef Müller. Er saß wegen Millionenbetrugs fünfeinhalb Jahre in Haft - und begann dort ein neues Leben als Christ. Ein Beitrag von Matthias Pankau.
Josef Müller und Uli Hoeneß kennen sich. In München trafen sie sich immer wieder im ebenso traditionsreichen wie angesagten "Bogenhauser Hof". Wie Hoeneß gehörte auch Müller zur Schickeria der Isar-Metropole. Bei ihm legten viele der "oberen Zehntausend" ihr Geld an. Sie ahnten nicht, dass der seit einem Unfall querschnittgelähmte Steuerberater einen Großteil davon an der Börse verzockte. Dafür wurde er 2005 zu knapp fünfeinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Die meiste Zeit verbrachte er in der Justizvollzugsanstalt Landsberg, wo auch Uli Hoeneß seine Haft verbüßen wird.

Der Statusverlust war schlimm

Am schlimmsten war die erste Nacht, erzählt Müller. "In dem Moment, in dem die Zellentür hinter einem zufällt, ist man ganz allein auf sich gestellt. Da war ich am tiefsten Punkt angekommen." Dass die Tür innen keine Klinke hatte, bereitete Müller zusätzlich Panik: "Ich dachte: Was ist, wenn es jetzt brennt und die mich vergessen?" Hinzu kam der Statusverlust. Ähnlich wie Hoeneß ist auch er ein "Alphatier" gewesen, so Müller. "Und je mehr man es gewöhnt war, die Zügel in der Hand zu haben, desto schlimmer ist es, wenn man plötzlich machtlos ist und einem vorgeschrieben wird, wann man duschen darf oder Hofgang hat."

"Ich war mein eigener Gott geworden"

Trotzdem war seine Verurteilung richtig, sagt er; ebenso wie die von Uli Hoeneß jetzt. "Das viele Geld und die Zockerei an der Börse hatten mich süchtig gemacht und mir das Gewissen vernebelt. Ich fühlte mich unangreifbar und war zu meinem eigenen Gott geworden. Ich dachte: Was kann mir die Justiz?" Das habe er im Gefängnis verstanden. Dort begann Müller, sich intensiv mit der neutestamentlichen Botschaft von Gnade und Vergebung auseinanderzusetzen. Er beschloss, ein neues Leben mit Jesus anzufangen. Als dann an einem Sonntagmorgen im Anstaltsgottesdienst ein Lichtstrahl durchs Fenster schien, den niemand außer ihm sah, verstand er das als Bestätigung Gottes.

Am 10. August 2010 wurde Müller aus der Haft entlassen. Er lebt heute in Fürstenfeldbruck und gehört zum freikirchlichen Christus Zentrum Olching. Daneben engagiert er sich im "Gebetshaus" in Augsburg, einer überkonfessionellen Einrichtung von Christen, die rund um die Uhr für die Stadt und die Region beten. Außerdem hält er Vorträge über den zerstörerischen Zusammenhang von Geld und Gier. Wie er davon frei wurde, hat er aufgeschrieben in dem Buch "Ziemlich bester Schurke" (Brunnen Verlag Basel). Ein Exemplar möchte er demnächst Uli Hoeneß schenken - "persönlich, wenn der ganze Medienrummel vorbei ist", sagt er. Vielleicht rege es ihn zum Nachdenken an. Und noch etwas soll der langjährige FC-Bayern-Präsident wissen: "Ich bete für ihn." (idea)

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