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Dramatische Lage in Haiti: Hilfswerke und Missionare berichten

Der strahlend blaue Himmel und die Wolken über der Landschaft von Pignon, Haiti. (Foto: © Yinan Chen - www.goodfreephotos.com (gallery, image), Public Domain, Wikicommons)

Der Karibikstaat Haiti versinkt in Chaos und Anarchie. Die Bandenkriminalität eskaliert. Nach Schätzungen kontrollieren Banden rund 80 Prozent der Hauptstadt Port-au-Prince. Sie haben die Regierung unter Führung von Ministerpräsident Ariel Henry zum Rücktritt gezwungen. Auch Kirchen und ihre Mitglieder sind von der Gewalt betroffen. Davon berichtet unter anderen der Präsident der Evangelisch-Baptistischen Mission von Süd-Haiti (MEBSH), Lusson Napoleon. In einem Mail an das christliche Hilfswerk Coworkers (Stuttgart) schildert er die dramatische Lage.

Polizei und Streitkräfte seien nicht in der Lage, die Gewalt zu stoppen. Überall gebe es Tote, angezündete Polizeistationen, geplünderte Geschäfte, Kirchen und Schulen. „Haiti ist eine Nation auf den Knien“, so der Baptist, der zum Gebet für sein Land aufruft. In Port-au-Prince seien Kirchen geschlossen oder niedergebrannt. Die Mehrheit der Christen bleibe aus Angst, von Geschossen getroffen zu werden, zu Hause. Coworkers zufolge befindet sich aktuell kein Mitarbeiter des Werkes in Haiti. Für ausländische Missionare gebe es derzeit keine Möglichkeit der Ausreise, da der Internationale Flughafen geschlossen sei. Die Lebensmission Haiti teilte mit, dass ein deutscher Mitarbeiter mit zwei Volontärinnen auf dem Landweg ausgereist sei. Das Hilfswerk mit 50 einheimischen Mitarbeitern engagiert sich vor allem mit Bildungsprojekten in und um die Stadt Gonaïves im Norden des Landes. Immer wieder seien einzelne Schützlinge von Gewalt betroffen gewesen, aber von Entführungen und schlimmeren Situationen verschont geblieben, so das Hilfswerk.

Missionarin: Vor unserer Haustür errichteten Banden Barrikaden

Die Missionarin Monika Kettler, die mit ihrem Mann Emanuel ein Kinderheim und eine Schule in Gressier nahe Port-au-Prince leitet, berichtete, dass an der Nationalstraße vor ihrer Haustür wiederholt Banden Barrikaden errichtet hätten. Immer wieder seien Schüsse zu hören gewesen. Eine Mitarbeiterin sei eine Woche lang in ihrem Haus gefangen gewesen, weil die Polizei in ihrer Nachbarschaft eine vorrückende Bande zurückgedrängt habe. Das Ehepaar Kettler versucht derzeit nach eigenen Angaben, im Süden des Landes an der Grenze zur Dominikanischen Republik eine sichere Unterkunft zu finden: „Sollte dies nicht möglich sein, werden wir über die dominikanische Grenze Haiti verlassen und von dort die Entwicklung im Land beobachten.“

Misereor: Banden verfügen über mehr Waffen als die Polizei

Das katholische Hilfswerk Misereor (Aachen) teilte mit, dass aufgrund der Bandengewalt immer mehr Menschen innerhalb des Landes auf der Flucht seien. Die Banden verfügten über mehr Macht und Waffen als die Polizei, so die Länderreferentin für Haiti bei Misereor, Barbara Albrecht. Sie wies ferner auf die katastrophale Versorgungslage hin: „Nach Zahlen der Vereinten Nationen hat der Hunger ein Rekordniveau erreicht. 4,9 Millionen Menschen, also die Hälfte der Bevölkerung, sind von mangelnder Versorgung mit Nahrungsmitteln betroffen.“ Albrecht zufolge befindet sich Haiti in einer Krise, die bisher einzigartig sei.


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