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Das "Netzwerk Gottes" im Bundestag


("Adventisten heute"-Aktuell, 22.6.2012) Sie gilt als deutsches Pendant zum "Nationalen Gebetsfrühstück" in den USA: die "Internationale Berliner Begegnung". Rund 350 Politiker, Diplomaten und Führungskräfte aus über 40 Nationen nahmen am 17. Treffen vom 14. bis 16. Juni teil. Sie sprachen über ihren Glauben, Martin Luther und Wege aus der Weltfinanzkrise. Ein Bericht von Matthias Pankau.

Das Thema der diesjährigen "Berliner Begegnung" hätte kaum passender sein können wie das Wort Jesu: "Was nützte es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?" Denn Europa versucht mit allen Mitteln, die Folgen der Finanz- und Schuldenkrise und die jahrelange Misswirtschaft einiger Mitgliedsländer in den Griff zu bekommen. Bei allem Aktionismus besteht die Gefahr, dass die geistliche Dimension aus dem Blick gerät - obwohl sie doch gerade jetzt so wichtig wäre.

Merkel: Wenn der Ordnungsrahmen fehlt

Bundeskanzlerin Angela Merkel schrieb dazu in einem Grußwort, das Wort Jesu aus dem Markusevangelium (8,36) gewinne im 21. Jahrhundert "eine völlig neue Dimension". Die internationale Finanzkrise habe deutlich vor Augen geführt, "was geschehen kann, wenn es an einem Freiheit und Verantwortung verbindenden Ordnungsrahmen mangelt". Auf der Jagd nach dem schnellen Geld seien "Risiken völlig ausgeblendet" worden. Politisches und wirtschaftliches Handeln aus christlichem Glauben heraus stelle hingegen den Menschen mit seiner Würde in den Mittelpunkt jeglichen Handelns. "Deshalb begrüße ich es, dass die Internationale Berliner Begegnung über Ländergrenzen hinweg den Austausch über gemeinsame Werte und Überzeugungen fördert."

Der wichtigste Raum im Reichstag

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) betonte, dass es nur wenige Verfassungen in der Welt gebe, die wie die deutsche die doppelte Verantwortung vor Gott und den Menschen formulierten. Das eine dürfe nicht ohne das andere gedacht werden. Der "wichtigste, wenn auch kleinste Raum im Reichstagsgebäude" sei deshalb auch der Andachtsraum, der sich auf der Ebene des Plenarsaals befindet. Lammert: "Diesen Raum gäbe es nicht, wenn es nicht das Selbstverständnis der Verantwortung vor Gott und den Menschen gäbe." Egal, zu welcher Tageszeit er den Andachtsraum aufsuche, es sei immer jemand dort, erzählte Lammert. Vielen helfe die Besinnung und Einkehr vor Gott, Wesentliches von Unwesentlichem zu trennen.

Tanzt Europa ums Goldene Kalb?

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) plädierte nachdrücklich für eine Rückbesinnung Europas auf seine christlichen Wurzeln. Die gegenwärtige Situation erinnere ihn an den in der Bibel beschriebenen Tanz um das Goldene Kalb: "Es scheint, als seien uns die Bewertungen durch Ratingagenturen wichtiger als die Werte des Alten und Neuen Testaments." Zwar sei die Stabilität des Euro wichtig, aber die Bedeutung Europas dürfe nicht auf die Wirtschaft reduziert werden. Über Jahrhunderte sei Europa von christlichen Werten geprägt worden. Davon dürfe man sich nicht verabschieden.

Furcht vor dem Missionsauftrag?

Der Staatssekretär im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Hans-Jürgen Beerfeltz (FDP), kritisierte, dass sich die Kirchen immer mehr aus der Gesellschaft zurückzögen. Er habe den Eindruck, dass sich manche Gemeinden regelrecht "vor dem Missionsauftrag fürchten". Der müsse aber Kern ihres Auftrags bleiben. Ein Großteil der Gesellschaft lechze geradezu nach Sinnangeboten. Dieses Feld dürften die Kirchen nicht kampflos der Esoterik überlassen.

Christen am stärksten verfolgt

Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, sagte, dass ihn die Verfolgung bedrängter Religionsgruppen in aller Welt besonders bewege. Christen seien die am stärksten verfolgte religiöse Gruppe weltweit und hätten Solidarität und Unterstützung verdient. So wie Muslime in Deutschland selbstverständlich Moscheen errichten dürften, erwarte er, "dass Christen auch in muslimisch geprägten Ländern Kirchen bauen dürfen". Auch die Kirchenbeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion, Kerstin Griese, erklärte, die weltweit zunehmende Christenverfolgung beunruhige sie sehr. Christen sollten sich daher für Religionsfreiheit in aller Welt einsetzen.

Wenn wir die Welt verändern wollen ...

Der frühere Gouverneur des US-Bundesstaats South Carolina, David Beasley, ermutigte dazu, sich an der Lehre Jesu zu orientieren und Gott sowie den Nächsten wie sich selbst zu lieben. Zwar sei die Welt heute reicher und technisch vernetzter als je zuvor, gleichzeitig seien aber so viele Menschen einsam und verzweifelt wie nie zuvor: "Wenn wir ein Land verändern wollen, müssen wir den Namen Jesu erheben." In seinen Augen bietet die Lehre Jesu ein großes Potenzial, die Welt friedlicher und besser zu machen.

Beifall für eine evangelistische Predigt

Von "dem Menschen Jesus" und dessen "revolutionärer Lehre" war viel die Rede. Wohltuend konkret und gänzlich unverwechselbar war die Geschichte von Verleger Friedrich Hänssler (Holzgerlingen), in der er diesmal in die Rolle des Hauptmannes unterm Kreuz schlüpfte und aus dessen Sicht die Gute Nachricht neu erzählte. Hänsslers Beitrag glich an vielen Stellen einer evangelistischen Predigt: In Alltag, Kultur und Politik sei "Jesus Christus der Herr", bekannte er freimütig und erhielt dafür kräftigen Beifall.

Porsche-Betriebsrat: Von den Folgen einer Bekehrung

Die emotionalste Ansprache hielt ein Mann aus der Wirtschaft: Uwe Hück, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender und Betriebsratsvorsitzender bei Porsche. Offen, ehrlich und ganz ohne Erfolgsdünkel berichtete er davon, wie er ohne Eltern im Kinderheim aufwuchs. "Damals habe ich nicht verstanden, warum Gott das zulässt", bekannte er. So habe er zu Gott gesagt: "Wenn es dich geben sollte, dann mach mich groß und stark, dass ich verhindern kann, dass andere Kinder so etwas erleben müssen." Gott scheint dieses Gebet erhört zu haben - seit 1985 arbeitet Hück beim Sportwagenhersteller und sitzt seit einigen Jahren im Aufsichtsrat. Doch seine Herkunft und sein Versprechen Gott gegenüber vergaß er nicht. Aus dem letzten Kinderheim, in dem er war, adoptierte er zwei Kinder. Auch sonst kümmert sich der gelernte Autolackierer neben seinem Beruf um Kinder und Jugendliche, besucht unter anderem regelmäßig Hauptschulen und versucht den Schülern klarzumachen, dass sie "nicht dumm und wertlos" sind, sondern "Diamanten, die nur poliert werden müssen". Vom Reformator Martin Luther (1483-1546) habe er gelernt, dass Menschen bei Gott eine zweite Chance bekommen: "Luther hat mir einen gnädigen und verzeihenden Gott vor Augen gemalt."

Wer prügelt, wird ausgeschlossen

Und das will Hück an junge Menschen weitergeben. So trainiert der 107 Kilogramm schwere durchtrainierte Hüne - der vor seiner Karriere bei Porsche zweimal Europameister im Thaiboxen war - seit Jahren Jugendliche in Pforzheim und versucht ihnen so zugleich Selbstachtung und Disziplin beizubringen - stets nach dem Motto "Fordern und Fördern". "Wer Mist baut, etwa auf der Straße eine Prügelei anfängt, wird einige Wochen vom Training ausgeschlossen. Aber dann darf er wiederkommen", so Hück, der einen bleibenden Eindruck hinterließ, wie den Pausengesprächen zu entnehmen war.

Bundestag: 32 Tage ohne Unterbrechung gebetet

Bereits zum 17. Mal fand die Internationale Berliner Begegnung statt. Seit 1996 laden dazu jedes Jahr Mitglieder des Deutschen Bundestages in die Hauptstadt ein. Sie treffen sich während der Sitzungswochen jeden Freitag zu einem kleinen Gebetsfrühstück. Dazu kommen regelmäßig 20 bis 30 Abgeordnete aus allen Fraktionen und mit unterschiedlichem geistlichen Hintergrund zusammen. Jedes Treffen endet mit einem gemeinsam gesprochenen Vaterunser. "Das Gebetsfrühstückstreffen ist so etwas wie das Netzwerk Gottes im Deutschen Bundestag", pflegt der FDP-Bundestagsabgeordnete Patrick Meinhardt zu sagen, der die Treffen gemeinsam mit Dietmar Nietan (SPD) und Anette Hübinger (CDU) verantwortet. "Es ist eine Zeit für Gott, aus der man gestärkt für den Alltag wieder herausgeht."Im Großen wie im Kleinen hat die ursprünglich aus den USA stammende Gebetsfrühstücksbewegung inzwischen Schule gemacht. Es gibt sie inzwischen in mehr als 180 Staaten - und in vielen Ländern hat sie sich zu einem wichtigen Faktor für das politische Miteinander entwickelt. Nach Deutschland geholt haben die Idee der frühere baden-württembergische Landtagsabgeordnete Rudolf Decker und Hänssler. Das war 1979. Mittlerweile gibt es Frühstückstreffen in acht deutschen Landtagen. Im Bundestag existiert das Gebetsfrühstück übrigens seit genau 30 Jahren, was Meinhardt dazu bewegte, einmal zusammenzurechnen, wie oft sich Parlamentarier seitdem zum gemeinsamen Gebet getroffen hätten: Insgesamt haben sie 780 Stunden - "oder: 32 Tage ohne Unterbrechung" - miteinander gebetet. (idea)

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