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Besonders heilige Heilige? (Kommentar)

("Adventisten heute"-Aktuell, 9.5.2014) Die katholische Welt hat seit dem 27. April 2014 zwei neue Heilige: die Päpste Johannes XXIII. und Johannes Paul II. Rund eine Million Menschen waren auf dem Petersplatz in Rom versammelt, als der jetzige Papst Franziskus im Beisein seines Vorgängers Papst Benedikt XVI. die Kanonisierungsformel verlas. Johannes XXIII. ist durch die Einberufung des Zweiten Vatikanischen Konzils und seinen Einsatz für die Erneuerung der Kirche hervorgetreten, bei Johannes Paul II. zählen die unzähligen völkerverbindenden Auslandsreisen und sein tapferes Leiden und Sterben zu den Höhepunkten seines Pontifikats.
Am Rande dieses Ereignisses fragen sich Nichtkatholiken, welche Bedeutung diese Heiligsprechungen für römisch-katholische Gläubige haben. Konkret bedeutet es, dass der gebürtige Pole Karol Wojtila und der Italiener Giuseppe Roncalli ab sofort von allen Katholiken weltweit verehrt und angerufen werden können. Bisher war den beiden Päpsten als Seliggesprochene nach den Regeln der Kirche nur lokale Verehrung zugeteilt. Sie gelten nun allen Kirchenmitgliedern weltweit als Vorbilder.Kardinal Joseph Ratzinger erklärte in einem Gespräch mit dem Journalisten Peter Seewald schon vor seinem Pontifikat als Benedikt XVI., "dass die großen Heiligen lebendig geblieben" sind. "Diese große Familie ist da, und sie wahrzunehmen heißt, dass ich umsorgt und geliebt bin." Er musste zwar zugeben, dass es vielleicht kindlich und einfältig erscheint, wenn man sich an Heilige wendet, "aber es spiegelt etwas von dem Urvertrauen wider, das einem geschenkt wird, wenn man weiß, es gibt Geschwister in der anderen Welt. Sie sind nahe, sie können mir helfen, und ich darf sie voller Vertrauen herbeirufen." (1)
In der Dogmatischen Konstitution Lumen Gentium vom 21.11.1964 heißt es unter dem Stichpunkt Die Fürbitte der Heiligen: "Denn dadurch, dass die, die im Himmel sind, inniger mit Christus vereint werden, festigen sie die ganze Kirche stärker in der Heiligkeit ... hören sie nicht auf ... beim Vater für uns Fürbitte einzulegen, indem sie die Verdienste darbringen, die sie durch den einen Mittler zwischen Gott und den Menschen, Jesus Christus, auf Erden erworben haben ... Daher findet durch ihre brüderliche Sorge unsere Schwachheit reichste Hilfe." (2)
Ergänzend muss noch gesagt werden, dass nur solche Personen heiliggesprochen werden, von denen nach der Seligsprechung Wunder nachgewiesen werden können. Das erklärt auch die jahrelangen Untersuchungskommissionen, die die Dokumente sichten und alle Wunderhinweise überprüfen. Eine Heiligsprechung besagt dann, dass die Kirche es für bewiesen hält, dass die betreffende Person eine außergewöhnlich Enge Beziehung zu Gott hatte - und auch über den Tod hinaus hat.
An dieser Stelle werden adventistische Bibelleser darauf hinweisen, dass "die Toten nichts wissen ... sie haben kein Teil mehr auf der Welt an allem, was unter der Sonne geschieht" (Pred 9, 5.6). Die Bibel beschreibt den Zustand zwischen dem irdischen und dem ewigen Leben bei Gott an etlichen Stellen als Schlaf (z. B. Dan 12,2; Mt 9,24; 1 Kor 15,20; 1Ths 4,13). "Lazarus schläft", so beschreibt Jesus den Zustand seines toten Freundes, "aber ich gehe hin, ihn aufzuwecken" (Joh 11,11).
Bibellesern wird auch auffallen, dass die Bezeichnung "Heilige" in der Bibel anders verwendet wird. Heilige sind Menschen, die von Gott angenommen sind, die zu Gott gehören und die sich auf seine Seite gestellt haben. Die Bibel kennt keine besonders heiligen Heilige, die ihre Verdienste auf Erden für uns vor Gott einsetzen können. Solche deutlichen Unterschiede im Glaubensverständnis zur Römisch-katholischen Kirche dürfen nicht übergangen werden. Dabei sollen die menschlichen Verdienste der beiden verstorbenen Päpste durchaus gewürdigt bleiben.
Paulus schreibt den Korintherbrief "an die Geheiligten in Christus Jesus" (1 Kor 1,2) und der Inhalt zeigt, mit welchen Querelen die Korinther zu tun hatten. Gott nimmt uns durch Vergebung an - und nennt uns heilig, weil wir unermesslich wertvoll für ihn sind. Aber dann arbeitet er an uns, sodass unser Leben seinem heiligen Wesen ähnlicher werden kann. "Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig, der Herr, euer Gott." (1 Petr 1,15.16)

Günther Machel und Johannes Naether, jeweils Vorsitzende der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Süd- bzw. Norddeutschland. (Dieser Kommentar erscheint in der Juni-Ausgabe der Zeitschrift "Adventisten heute".)


(1) Gott und die Welt , Deutsche Verlags-Anstalt, München, S. 48.
(2) Karl Rahner, Herbert Vorgrimler (Hg.), Kleines Konzilskompendium , Freiburg 2008, S. 183.

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