Menü
Sie sind hier:

Musik und Mission im Nordosten

Von: nicole Datum Beitrag: 19.12.2025 Kommentare: Keine Kommentare Tags: , , ,

Wo viele Kirchenbänke leer bleiben, soll Musik neue Begegnungen schaffen. Dieser Aufgabe dient die Ottomusikschule in Vorpommern. IDEA-Redakteur Daniel Scholaster stellt sie vor.

Wenn Stefan Zeitz über die Orgel als „Königin der Instrumente“ spricht, hört man die Begeisterung in seiner Stimme. Über 350 Orgeln befinden sich im Pommerschen Evangelischen Kirchenkreis der Nordkirche. Seit 2006 steht der nun 60-Jährige in Vorpommern im kirchlichen Dienst – als mittlerweile übergemeindlicher Kantor und Orgelsachverständiger. Bei rund 150 Orgeln hat Zeitz die Kirchengemeinden dabei begleitet, orgelbauliche Arbeiten zu beauftragen und durchzuführen. Ca. 100 weitere Orgeln hat er erfasst. Für ihn ist jede Orgel mehr als nur Technik: „Sie ist Stimme, Geschichte und Glaubenszeugnis zugleich.“ Doch Zeitz belässt es nicht bei der Bewahrung alter Klänge. Gemeinsam mit seiner Frau Angela – sie ist Musikpädagogin, -therapeutin und Flötistin – sucht er nach neuen Wegen, wie Musik in einer weitgehend säkularisierten Region Menschen erreichen kann. Ihr gemeinsames Projekt ist die Ottomusikschule.

Vom „Apostel der Pommern“ inspiriert

Bevor das Ehepaar im Jahr 2006 nach Vorpommern zog, wirkte es am Christlichen Gästezentrum Schönblick in Schwäbisch Gmünd. Dort gehörten Stefan und Angela Zeitz 2001 zu den Mitgründern der ersten christlichen Gemeindemusikschule des deutschen Pietismus. Ihr Grundgedanke: Musik sollte nicht nur gelehrt, sondern als Teil gelebten Glaubens vermittelt werden. Nach mehreren Jahren in Pommern entstand der Wunsch, dieses Konzept für den Nordosten Deutschlands zu übernehmen. Inspiriert vom „Apostel der Pommern“, Bischof Otto von Bamberg (um 1060–1139), mündeten die Aktivitäten 2023 in die Gründung der Ottomusikschule in Greifswald. Otto hatte sich im 12. Jh. dafür eingesetzt, dass nach der Taufe einer großen Zahl von Menschen in Pommern das Evangelium alle Lebensbereiche prägte – ein Ansatz, der dem Ehepaar heute als Vorbild dient.

„Orgel spielen(d) lernen“ ist beliebt

Stefan und Angela Zeitz betreuen die Ottomusikschule momentan neben ihren Anstellungen im Wesentlichen ehrenamtlich. Sie verstehen sich nicht als Konkurrenz zu bestehenden Musikschulen, sondern als Ergänzung. Ihr Ziel: Musik soll Brücken schlagen – zwischen Generationen, Menschen mit und ohne kirchlichen Bezug, zwischen Tradition und Gegenwart. Im Mittelpunkt der Arbeit stehen Seminare und derzeit kleinere Projekte, die Musik zugänglich machen sollen. Dazu gehören Tischharfenkurse, die es auch Anfängern und Menschen mit Behinderung ermöglichen, aktiv zu musizieren. Ebenso beliebt ist das Format „Orgel spielen(d) lernen“ für Jung bis Alt: Hier bekommen schon Kinder direkten Kontakt zum Instrument – sie sitzen auf der Orgelbank, dürfen mit Registern und auf Tasten spielen und so die Klänge auf sich wirken lassen.

Bloß nicht resignieren

Im „Otto Chor“ werden traditionelle Kirchenmusik und modernes geistliches Liedgut gesungen. Für Stefan Zeitz ist beides Ausdruck derselben Haltung: „mit Musik in Gottes Nähe zu kommen“. Dass der Glaube in Vorpommern heute oft nur in kleinen Gruppen gelebt wird, ist für den Kantor kein Grund zur Resignation. In manchen Dörfern und Kleinstädten sitzen sonntags manchmal weniger als fünf Menschen im Gottesdienst; hinzu kommen der Pfarrer und die Musiker. „Aber wenn diese wenigen erfahren, gesehen, verstanden und angenommen zu sein, kann daraus etwas wachsen“, so Zeitz.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert