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Evangelischer Verband: Der Sonntag gehört den Menschen

Von: nicole Datum Beitrag: 10.07.2026 Kommentare: Keine Kommentare Tags: , , , , ,

Der Evangelische Verband Kirche-Wirtschaft-Arbeitswelt (KWA, Hannover) hat sich gegen eine erneute Infragestellung des Sonntagsschutzes ausgesprochen. Hintergrund ist die Ankündigung der deutschen Bundesregierung, die Öffnungszeiten für Bäckereien und Konditoreien an Sonntagen zum 1. Januar 2027 auf bis zu acht Stunden zu verlängern. Sie hatte eine Diskussion über die generelle Ausweitung der Sonntagsöffnungen im Einzelhandel neu entfacht. Wie der KWA am 8. Juli in einer Pressemitteilung erklärte, greife die regelmäßig wiederkehrende Debatte zu kurz, weil sie den Sonntag auf einen Wirtschaftsfaktor reduziere und seinen Wert für das gesellschaftliche Zusammenleben verkenne. „Der freie Sonntag schafft genau diesen Raum – und deshalb ist er auch heute unverzichtbar“, erklärte die Verbandsvorsitzende Gudrun Nolte. Aus ihrer Sicht besteht kein Gegensatz zwischen Wirtschaft und Sonntagsschutz. Eine leistungsfähige Wirtschaft brauche Menschen, die gesund blieben, Zeit für ihre Familien hätten und sich ehrenamtlich engagieren könnten. Gemeinsame freie Zeit sei deshalb kein Luxus, sondern eine Voraussetzung für gesellschaftlichen Zusammenhalt. „Der Sonntagsschutz muss sich nicht immer wieder neu rechtfertigen. Wer ihn infrage stellt, muss erklären, warum gemeinsame freie Zeit künftig weniger schützenswert sein soll“, betonte Nolte. Der KWA ist nach eigenen Angaben eine Stimme der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), die sich im gesellschaftspolitischen Diskurs für gute Arbeit und soziale Gerechtigkeit einsetzt. Er fördert den Dialog zwischen Kirche, Wirtschaft und Arbeitswelt und engagiert sich für eine nachhaltige und am Menschen orientierte Wirtschaftsordnung. Zudem ist er Mitglied der „Allianz für den freien Sonntag“, in der sich Gewerkschaften, Kirchen und weitere gesellschaftliche Organisationen für den Erhalt des verfassungsrechtlich geschützten Ruhetages einsetzen.

Politik und Wirtschaft fordern Flexibilisierung

Der Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses im Bundestag, Christian von Stetten (CDU), hatte generell dafür plädiert, Sonntagsarbeits- und -öffnungszeiten großzügig auszuweiten. Der FDP-Vorsitzende Wolfgang Kubicki forderte eine Freigabe der Ladenöffnungszeiten an Sonntagen. Auch Handelsverbände sowie der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher (Berlin), sprachen sich für eine Flexibilisierung aus. Der Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer (aeu) lehnt dagegen eine generelle Ausweitung der Sonntagsöffnungen im Einzelhandel ab. Der aeu-Vorsitzende Friedhelm Wachs (Leipzig) sagte gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA: „Der Sonntag ist kein wirtschaftlich zu füllender Leerraum, sondern ein gesellschaftlicher Freiraum. Für uns Christen ist es der 7. Tag und meist Tag des Gottesdienstes. Wer ihn zum normalen Einkaufstag macht, verliert am Ende mehr, als der Handel gewinnen kann.“ Die Herausforderungen des stationären Einzelhandels ließen sich nicht durch längere Ladenöffnungszeiten, sondern durch attraktive Innenstädte und gute Erreichbarkeit lösen. Ähnlich äußerte sich der Bund Katholischer Unternehmer (BKU) in einer Stellungnahme für IDEA: „Der Sonntag als Ruhetag Gottes und des Menschen ist nicht nur für die Erholung, sondern auch als Kulturgut besonders schützenswert.“

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