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Digitales Wohlbefinden: Jüngere beneiden Ältere um deren Jugendzeit ohne Soziale Medien

Von: nicole Datum Beitrag: 17.07.2026 Kommentare: Keine Kommentare Tags: , ,

Fast die Hälfte der 14- bis 17-Jährigen in Deutschland (47 Prozent) beneidet frühere Generationen um ihre Jugendzeit ohne Soziale Medien. Bei Mädchen liegt der Anteil mit 52 Prozent deutlich höher als bei Jungen mit 42 Prozent. Das geht aus der JIMplus-Studie 2026 (Jugend, Information, Medien) des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest (mpfs) hervor. Für die Sonderstudie zum digitalen Wohlbefinden dokumentierten zunächst 33 Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren ihren digitalen Alltag in einem Online-Tagebuch. 20 von ihnen nahmen zusätzlich an Einzelinterviews teil. Im Mai 2026 wurden anschließend 800 Jugendliche repräsentativ online befragt.

Zwischen Ablenkung und schlechtem Gewissen

72 Prozent der Befragten gaben an, dass Soziale Medien sie von den Dingen ablenken, die sie eigentlich tun sollten. 55 Prozent berichteten, dass ihnen dadurch Zeit für Erholung und Freizeitaktivitäten fehle. Als häufigste Nebenwirkung nannten 40 Prozent eine verringerte Konzentrationsfähigkeit. Zugleich bieten die Plattformen für 82 Prozent einen wichtigen Zugang zu Wissen. Rund die Hälfte der Jugendlichen gab an, sich dort verstanden zu fühlen. Die Studienautoren beschreiben die Nutzung als „ständiges Wechselspiel zwischen positiven Erlebnissen und belastenden Erfahrungen“. Besonders Mädchen (34 Prozent) erklärten deutlich öfter als Jungen (20 Prozent), sich im eigenen Körper unwohl zu fühlen. Der Aussage „Vieles auf Social Media wirkt unecht oder gestellt“ stimmte mit 80 Prozent eine große Mehrheit der Jugendlichen zu. Gleichzeitig räumten 51 Prozent ein, dass sie durch Soziale Medien den Eindruck hätten, andere führten ein besseres Leben als sie selbst. Knapp zwei Drittel (65 Prozent) sehen sich einem hohen „Vergleichsdruck“ ausgesetzt.

TikTok wird am kritischsten bewertet

Zu den wichtigsten regelmäßig genutzten Plattformen zählen YouTube, Instagram, TikTok und Snapchat. TikTok schneidet bei der Frage, wie gut die Plattform tut, mit 33 Prozent positiver Bewertungen am schlechtesten ab. Gleichzeitig steht der Dienst auf Platz zwei der Plattformen, die Jugendliche am meisten vermissen würden. Bei Mädchen rangiert TikTok sogar auf dem ersten Platz. 13 Prozent der Befragten nutzen die Plattform täglich mehr als drei Stunden. Knapp zwei Drittel der Jugendlichen hört Musik (63 Prozent) zur Ablenkung von Sorgen. Rund die Hälfte gab an, in solchen Situationen auf Gespräche mit Freunden bzw. Geschwistern (52 Prozent) oder erwachsenen Vertrauenspersonen (47 Prozent) zurückzugreifen. KI-Chatbots spielen mit zwölf Prozent bislang eine untergeordnete Rolle.

Problematische Inhalte sind Teil der Lebenswelt

Jugendliche sehen laut der Studie auch häufig problematische Inhalte in den Sozialen Medien. Dazu zählen Fake News (Falschnachrichten) (71 Prozent), extreme politische oder religiöse Inhalte (43 Prozent) sowie Hate Speech (Hassrede) (40 Prozent). Als besonders belastend empfinden Jugendliche ungewollte Nacktbilder, Mobbing, drastische Gewaltdarstellungen sowie Inhalte, die Essstörungen oder  selbstverletzendes Verhalten verharmlosen. In zehn von 13 abgefragten Kategorien problematischer Inhalte wird am häufigsten TikTok genannt. 58 Prozent der Jugendlichen reagieren, indem sie weiterscrollen, ein gutes Drittel (36 Prozent) hat sich nach eigenen Angaben an solche Inhalte gewöhnt, nur rund ein Viertel (26 Prozent) meldet sie den Plattformen.

Geteilte Meinung über Verbote

Über die Hälfte der Jugendlichen steht einem Verbot von Sozialen Medien skeptisch gegenüber. Es sei nämlich leicht umgehbar. Trotzdem sprechen sich 43 Prozent für ein Verbot bis zu einem bestimmten Alter aus. Die Mehrheit der Nutzer empfiehlt anderen, in einem höheren Alter mit der Nutzung zu beginnen, als sie es selbst getan haben. Nur neun Prozent sehen die Perspektive Jugendlicher in der Verbotsdebatte ausreichend berücksichtigt.

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