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Willow-Creek-Leitungskongress: Christen befassen sich mit dem Problem des Sexismus

Mit Blick auf die Krise, die Willow Creek 2018 zu überstehen hatte, erklärte er, dass sie ein Auftrag sei, „jetzt erst recht in eine gute Leitung zu investieren“ und gemeinsam „auf Augenhöhe und in gegenseitiger Wertschätzung“ mit den Menschen unterwegs zu sein. (Foto: Screenshot willowcreek.de)

In Karlsruhe hat am 27. Februar der dreitägige Willow-Creek-Leitungskongress begonnen. Daran nehmen rund 10.500 Christen teil, davon 7.500 in der Messehalle der dm-arena. Etwa 3.000 weitere sehen Live-Übertragungen auf Großbildleinwänden an 13 Orten. Ein gutes Drittel der Teilnehmer (34 Prozent) gehören zu evangelischen Landeskirchen, die anderen kommen größtenteils aus Freikirchen. Die frühere Leiterin der Heilsarmee in Los Angeles, Danielle Strickland, sprach auf dem Treffen über das Problem des Sexismus. Die „#MeToo-Debatte“ habe offengelegt, dass viele Frauen unter Missbrauchserfahrungen litten. 2017 hatte die US-Schauspielerin Alyssa Milano Frauen dazu aufgerufen, unter dem Motto „MeToo“ in sozialen Medien ihre Erfahrungen mit sexuellen Übergriffen, Missbrauch und Diskriminierung zu teilen. Wie Strickland sagte, wird schätzungsweise jede dritte Frau mindestens einmal in ihrem Leben missbraucht. Dieses Problem sei durch die Debatte erst richtig offengelegt worden: „Die Wunde, die jetzt aufgedeckt wurde, ist eine der tiefsten in der Geschichte der Menschheit.“ Davon sei auch die Kirche betroffen. Es sei „ein Problem, in dem wir mittendrin stecken“. Strickland zufolge darf das Verhältnis von Männern und Frauen nicht von gegenseitiger Angst geprägt sein. Allerdings trage der zunehmende Konsum von Pornografie – inzwischen auch vermehrt unter jungen Mädchen verbreitet – dazu bei. Pornografie zeige ein Bild von Männern, die Frauen unterdrückten, und ein Bild von Frauen, die unterdrückt würden. Deshalb müsse man die Pornosucht bekämpfen.

„Männer, schaut auf Jesus!“

Strickland rief Männer auf, sich an Jesus Christus zu orientieren, auch wegen seiner vorbildlichen Haltung gegenüber Frauen. Er sei der einzige perfekte Mann. Strickland: „Nehmt euch nicht andere Männer zum Vorbild, sondern schaut auf Jesus.“ Der Vorstandsvorsitzende von Willow Creek Deutschland, Pastor Ulrich Eggers (Cuxhaven), nahm Bezug auf Stricklands Vortrag. Es sei naiv zu denken, dass Sexismus in christlichen Gemeinden nicht vorkomme. Jedoch sollten auch nicht alle Männer unter Generalverdacht gestellt werden. Vielmehr gelte es, in den Gemeinden Strukturen zu schaffen, die es Frauen ermöglichten, sich zu engagieren. Mit Blick auf die Krise, die Willow Creek 2018 zu überstehen hatte, erklärte er, dass sie ein Auftrag sei, „jetzt erst recht in eine gute Leitung zu investieren“ und gemeinsam „auf Augenhöhe und in gegenseitiger Wertschätzung“ mit den Menschen unterwegs zu sein. Zum Hintergrund: Gegen den Gründer und langjährigen Leiter der Willow-Creek-Gemeinde, Bill Hybels, hatte es 2018 Vorwürfe wegen sexuellen Fehlverhaltens gegeben. Eine Reihe von Frauen hatten ihm vorgeworfen, sie sexuell belästigt zu haben. Hybels wies damals alle Vorwürfe zurück und trat im April 2018 vorzeitig in den Ruhestand. Ein von der Gemeinde eingesetztes Untersuchungsgremium kam 2019 jedoch zu dem Ergebnis, dass die erhobenen Vorwürfe glaubwürdig seien.

Gute Leitungskräfte sind keine Perfektionisten

In einem weiteren Vortrag vertrat der Gründer und Leitende Pastor der evangelikalen „Life.Church“, Craig Groeschel (Edmond/US-Bundesstaat Oklahoma), die Ansicht, dass gute Leitungskräfte keine Perfektionisten sind und ihre Grenzen kennen. Es gebe einen bestimmten Punkt, an dem es sich nicht  mehr lohne, noch mehr Energie und Zeit in eine Sache zu investieren. Denn der zusätzliche Nutzen sei dann nur noch gering. Stattdessen sollten „Leiter hier eine Trendumkehr einleiten“, indem sie nur bis zu dem Punkt Energie in ein Projekt investierten, bei dem noch ein spürbarer zusätzlicher Ertrag zu erreichen sei. Auf diese Weise werde Kraft und Zeit für anderes frei. Er selbst habe als Leitender Pastor die Erfahrung machen müssen, dass es ihm nicht möglich sei, die inzwischen 34 Standorte seiner Gemeinde alle regelmäßig zu besuchen. Deshalb würden Predigt und Lehre heute bei „Life.Church“ über das Internet verbreitet, um alle Standorte optimal zu versorgen. So könne er einen Teil seiner Reisen vermeiden und gleichzeitig mehr Menschen erreichen. Mit Blick auf Leiter, die mit den eigenen Begrenzungen haderten, erklärte Groeschel: „Sag mir nicht, was du nicht kannst oder hast! Sondern sage mir, was dir auf dem Herzen liegt und wozu du berufen bist!“

Attraktiv für Kirchenferne

Die 1975 gegründete Willow-Creek-Gemeinde erreicht heute etwa 19.000 Besucher pro Woche. Die Gemeinde ist wegen ihrer Attraktivität für kirchenferne Menschen international bekanntgeworden. Nach ihrem Vorbild arbeiten weltweit etwa 10.000 Gemeinden, die zum internationalen Willow-Creek-Netzwerk in der „Willow Creek Association“ zählen. Dieser Zusammenschluss hat sich inzwischen umbenannt in Global Leadership Network (Weltweites Führungsnetzwerk).


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