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„Das Sexleben sollte in der Ehe Priorität haben“ (Interview)

Im Werbetrailer auf scm.de macht Autor Daniel Kalupner auf sein Buch Sexlife neugierig. (Foto: https://www.youtube.com/watch?v=ypBSNixxqMw; scm-haenssler.de/sexlife.html)

Was hat sich Gott gedacht, als er Sex erfand? Über diese Frage denkt Pastor Daniel Kalupner in seinem Buch „Sex Life. Exklusiv intim“ nach.
Mit ihm sprach idea-Reporter Karsten Huhn.

idea: Herr Kalupner, was müssen junge Leute heute über Sex wissen?

Kalupner: Anatomisch wissen sie oft sehr viel. Sexualkundeunterricht haben die meisten schon an der Grundschule. Viele beziehen ihr Wissen auch aus Pornos im Internet. Dadurch findet schon in jungen Jahren eine Prägung statt. Sex hat an Wert verloren und wird häufig auf ein bisschen Spaß und Lustbefriedigung reduziert. Was viele jedoch nicht wissen, ist, wie sich Gott Sexualität gedacht hat und dass die Bibel keine verstaubten Regeln dazu bietet, sondern für uns hochrelevant ist.

idea: Welches Wissen ist das?

Kalupner: Sex ist viel mehr als Körperkontakt und Rein-Raus. Der Schlüssel für ein glückliches Liebesleben ist Intimität, also echte Herzensnähe. Dann entfaltet Sex nicht nur körperlich, sondern auch emotional und geistig seine verbindende Kraft. Zwischen Mann und Frau entfaltet sich eine Einheit, die ein Leben lang anhält. Diese Herzensnähe kann man lernen. Das ist wie in einer guten Freundschaft: Man nimmt Anteil am Leben des anderen und teilt ihm mit, was einen selbst beschäftigt.

idea: Die Realität sieht oft anders aus.

Kalupner: Das stimmt leider. Nach ein paar Monaten ist der erste Hormon-Rausch verflogen und die Kräfte des Alltags beginnen zu wirken. Arbeit, Stress und Medien rütteln an der Beziehung und hindern einen daran, sich auf den Partner wirklich einzulassen. Wenn Kinder dazu kommen, dreht sich bei vielen Paaren alles nur noch um die Kinder, und das Ehe- und Sexleben verliert an Stellenwert. Kinder kommen – aber sie gehen auch wieder. Wenn eine Ehe nur noch durch die Kinder verbunden ist, bleibt einem Paar in späteren Jahren nichts mehr. Deshalb achten meine Frau und ich darauf, dass unser Sexleben in der Ehe Priorität hat.

idea: Laut einer Studie des Kondomherstellers Durex sind 54 Prozent der Deutschen mit ihrem Sexleben unzufrieden.

Kalupner: Viele Menschen sind frustriert und hoffen, dass sie ihr Sexleben durch irgendwelche Praktiken, Techniken oder Sex-Spielzeuge aufpimpen. Kann man machen, hilft aber gar nichts, wenn Herzenshaltung und Verbundenheit nicht stimmen.

idea: Sie sind dafür, mit dem Sex bis zu Ehe zu warten. Muss das sein?

Kalupner: Viele Christen bekommen das nur als platte, fromme Regel vermittelt, ohne zu verstehen, was Gott sich dabei gedacht hat. Intimität braucht aber Exklusivität, also einen geschützten Rahmen. Nur dann kann sich Vertrautheit entfalten. Dann macht es auch Sinn, dass Sex in die Ehe gehört. Mit Exklusivität verbinden wir etwas Werthaltiges, Außergewöhnliches. In einer Gesellschaft, in der Sex billig geworden ist und er oft ohne Verpflichtungen praktiziert wird, hat er auch seine Kraft und seinen Wert verloren. Diesen Wert möchte ich den Menschen vermitteln.

idea: Viele sagen sich: Bevor ich mich an jemanden binde, muss ich doch wissen, ob wir im Bett zusammenpassen.

Kalupner: Ich sage verlobten Paaren immer: Die Zeit vor der Ehe ist so wichtig. Hier werden die Grundlagen für Kommunikation, Nähe und Vertrautheit gelegt. Auf dieser Grundlage kann Sex richtig gut werden. Wenn man jedoch den Sex zu früh in die Beziehung hineinnimmt, blockiert das einen, den anderen wirklich tief kennenzulernen. Ich nenne das „attraktive Enthaltsamkeit“. Enthaltsamkeit bedeutet nicht: „Ich bin das arme Christenopfer, alle anderen haben Spaß im Bett, nur ich nicht, weil es dummerweise diese Regel gibt.“ Die Zeit vor der Ehe ist einmalig, sie kommt so nicht wieder. In ihr kann ich lernen, mich nicht von meinem sexuellen Verlangen steuern zu lassen, sondern meinen Sextrieb zu beherrschen. Wenn ich das vor der Ehe nicht lerne, werde ich es auch in der Ehe nicht können – und die Gefahr ist groß, dass ich meine Sexualität egoistisch und selbstbefriedigend auslebe.

idea: Das Portal evangelisch.de schreibt: „Zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Sexualität gehört aber nicht zuletzt, dass man sich keinen zu großen Druck macht. Verbote bauen aber genau solch einen Druck auf, selbst wenn man sich solche Verbote selbst erteilt. Wer sich ‚aufheben‘ will, macht aus dem ‚ersten Mal‘ etwas so Großes und Heiliges, dass es kaum möglich sein wird, etwas so Schönes und Gottgewolltes wie den gemeinsamen Sex zu genießen.“

Kalupner: Dahinter steckt die Vorstellung von einem Gott, der einem den Spaß verbietet. Beim Gebot „Du sollst den Sabbat heiligen“ versteht jeder sofort, dass es nicht gut ist durchzuarbeiten, sondern auch mal einen Ruhetag einzulegen. Dieses Gebot dient zu einem gesunden Leben. So sind alle Gebote Gottes zu verstehen. Sie sind keine Verbote, mit denen Gott uns plagen und strafen will, sondern sie sollen uns dienen. Das Prinzip, dass Sex in die Ehe gehört, dient dazu, eine intime, exklusive Sexualität zu entwickeln. Wenn man es so versteht, ist man auch motiviert, den Weg der Enthaltsamkeit zu gehen.

idea: Ich vermute: In Ihrer Gemeinde hält sich nur eine Minderheit an diese Empfehlung.

Kalupner: Das kann ich natürlich nicht kontrollieren. Wir haben viele junge, unverheiratete Leute in unserer Gemeinde, und ich weiß von vielen, dass sie enthaltsam leben. Ich weiß auch von Leuten, die früher anders gelebt haben und jetzt ihr Denken verändert haben. Und ich kenne Paare, die schon zusammengelebt haben und jetzt verheiratet sind. Jeder hat also seinen Weg. Als Kirche kommunizieren wir keine Verbote, sondern versuchen, eine motivierende Perspektive aufzuzeigen. Übrigens gehe ich nicht davon aus, dass der Sex in der Hochzeitsnacht der bombastischste ist, den man je haben wird. Ein ausgefülltes Sexleben entwickelt sich über die Jahre.

idea: Sie halten Predigtserien über Liebe, Sex und Zärtlichkeit. Gibt es keine wichtigeren Themen?

Kalupner: Sex ist kein Heilsthema. Natürlich ist der Weg zur Erlösung, die Bedeutung von Kreuz und Auferstehung Jesu grundlegend – und darüber predigen wir auch. Zu einer gesunden Lehre gehört aber Ausgewogenheit. Das berücksichtigen wir in unserer Jahresplanung, indem wir sowohl alt- als auch neutestamentliche Themen, theologische und lebensstilorientierte Themen berücksichtigen. Dazu gehören auch der Umgang mit Sex, Geld und Beziehungen. Sex sollte keinen zu großen Stellenwert bekommen, andererseits sind wir alle sexuelle Wesen – und deshalb ist es wichtig, dass wir darüber sprechen.

idea: Im Buch der Sprüche 5,3–4 warnt König Salomo vor dem Ehebruch: „Die Lippen der fremden Frau sind süß wie Honigseim, und ihre Kehle ist glatter als Öl, hernach aber ist sie bitter wie Wermut und scharf wie ein zweischneidiges Schwert.“ Dabei war Salomo selbst ein Casanova. Wie passt das zusammen?

Kalupner: Salomo hatte viel Weisheit, aber im Lauf seines Lebens ist das immer mehr gekippt, und sein Reichtum hat seinen Charakter verändert. Salomo hat die göttliche Weisheit letztlich selber nicht gelebt.

idea: Sexuell geht es in der Bibel drunter und drüber: Lots Töchter schlafen mit ihrem Vater (1. Mose 19), David begeht Ehebruch mit Batseba (2. Samuel 11) und Amnon vergewaltigt seine Halbschwester Tamar (2. Samuel 13).

Kalupner: Das alles entspricht sicher nicht den Vorstellungen Gottes. Diese üblen Geschichten sind Folgen des Sündenfalls. Die Bibel zeigt aber auch das Kontrastprogramm: Mann und Frau kommen in einem Bund zusammen, sollen ein Fleisch sein, leidenschaftlich, erotisch und romantisch sein – und das bis an ihr Lebensende.

idea: Die Bibel verwendet teilweise eine sehr deftige Sprache, wenn es um Sex geht. So heißt es beim Propheten Hesekiel 23,20: „Wieder packte sie die Gier nach ihren früheren Liebhabern, deren Glied so groß wie das eines Esels war und deren Samenerguss so mächtig wie der von einem Hengst“ (NeÜ).

Kalupner: Man sieht, dass Gott kein Blatt vor den Mund nimmt. Sexualität ist bei ihm kein Tabuthema. Er hat uns mit Sexualität geschaffen, und es ist ihm wichtig, dass wir das richtige Verständnis dafür gewinnen. Um das zu illustrieren, habe ich in einer Predigt ein Video gezeigt: Eine Tochter hat ihrem Vater zum Geburtstag ein iPad geschenkt. Sie fragt ihn in der Küche beim Gemüseschnippeln: „Wie kommst du mit dem neuen iPad zurecht?“ „Gut“, sagt der Vater. Dann sieht man, wie er sein iPad als Gemüsebrett verwendet und es anschließend in die Geschirrspülmaschine stellt. Die Tochter ist fassungslos. Manchmal denke ich, dass Gott genauso auf unseren Umgang mit Sexualität schaut: „Mensch, Leute, ich habe euch eine so kraftvolle, geniale Sexualität geschenkt, und ihr habt sie total pervertiert.“

idea: Viele Christen stehen vor einer ganz anderen Frage: Sie wünschen sich einen Partner, finden aber keinen.

Kalupner: Das ist ein Riesenthema! Auch in unserer Gemeinde haben wir viele Singles. Ich empfehle immer: Nutzt eure Zeit als Single und investiert in eure Persönlichkeit! Werdet attraktive Menschen, die anderen etwas zu geben haben. Nicht attraktiv ist es, wenn man mit einem großen inneren Mangel herumläuft und nach einem anderen Menschen sucht, der mir diesen Mangel stillt. Mit dieser unreifen Haltung gehen leider viele in Beziehungen rein. Wichtig ist, dass ich mit meinem Charakter, meinen Werten gegründet bin und etwas zu verschenken habe. Es gibt aber keinen Standardprozess, mit dem ich automatisch meinen Traumpartner finde.

idea: Die schnellste Möglichkeit, jemanden kennenzulernen, sind Dating-Apps wie Tinder. Mit einem Wisch kann man das Foto potenzieller Partner bewerten. Wenn beiden Nutzern das Foto des anderen gefällt, kann man Nachrichten austauschen. Für Christen empfehlenswert?

Kalupner: Tinder empfehle ich nicht. Bei dieser App geht es für viele Nutzer nur um schnellen Sex. Ich denke, seriöse Dating-Plattformen sind schon okay. Ich kenne einige Christen, die auf diese Weise ihren Partner gefunden haben

idea: Was empfehlen Sie, wenn man sich in einen Partner verliebt hat, der kein Christ ist?

Kalupner: Man muss sich bewusst sein, dass das einen hohen Preis hat. Für einen Christen ist der Glaube die wichtigste Grundlage des Lebens. Das kann ich mit einem nichtchristlichen Partner nicht teilen, und es wird zwangsläufig zu Konflikten führen, zum Beispiel bei der Kindererziehung oder der Zeitgestaltung. Ich rate nicht dazu, jemanden in der Hoffnung zu heiraten, dass er irgendwann schon noch Christ werde.

idea: Ein anderes heikles Thema ist Selbstbefriedigung. In Ihrem Buch haben Sie diese ausgeklammert.

Kalupner: Darüber spreche ich eher in der 1:1-Seelsorge. Wir leben in einer Zeit, in der die Phase von Geschlechtsreife bis zur Heirat sehr lang sein kann. Heute heiratet man nicht mehr wie in biblischen Zeiten mit 16, sondern oft erst mit 30 Jahren. Es ist eine Riesenherausforderung, so lange sexuell nicht aktiv zu sein. Meine persönliche Haltung: Selbstbefriedigung an sich ist kein Drama. Zum Problem wird es, wenn Selbstbefriedigung einen in Richtung Pornografie zieht. Wer Pornografie konsumiert, dessen Sexualität wird davon geprägt. Man lernt eine ichbezogene Sexualität, und es verankert sich ein pornografischer Blick auf Frauen: Frauen sind dafür da, mich zu befriedigen. Deshalb halte ich Selbstbefriedigung für heikel. Ich würde sie nicht verteufeln, aber auch nicht gerade dazu ermutigen.

idea: Pornosucht nimmt auch unter Christen zu. Wie kann man ihr entgehen?

Kalupner: Pornos stillen ein emotionales Verlangen. Dahinter steckt oft eine unbestätigte Männlichkeit. Es reicht nicht, einmal dafür zu beten, und dann ist alles wieder gut. Man muss sich die Wurzeln anschauen: Wie ist meine Identität als Mann? Der Sexualtrieb ist ein ähnlich starker Trieb wie der nach Nahrung. Ich empfehle deshalb, sich mal in Fasten zu üben. Mit Fasten lerne ich, mich zu kontrollieren und zu beherrschen. Ich fresse nicht alles in mich rein, worauf ich gerade Lust habe, sondern übe bewusst Verzicht. Wenn ich lerne, meinen Nahrungstrieb zu steuern, schaffe ich es auch besser, meinen Sextrieb zu steuern.

idea: „Der einzige Weg, eine Versuchung loszuwerden, ist, ihr nachzugeben“, schrieb der irische Dramatiker Oscar Wilde.

Kalupner: Wer so lebt, wird von seinem Verlangen beherrscht. Beim Essen führt das zur Fettsucht, und man macht den Körper kaputt. Und mit einer ungezügelten Sexualität zerstört man seine Fähigkeit zur Intimität. Deshalb empfehle ich nicht, einfach alle Triebe auszuleben. Im Gegenteil: Eine unbeherrschte Sexualität kann im Extremfall zu sexueller Gewalt und Ausbeutung anderer Menschen führen.

idea: Sie haben bisher vor allem aus der Sicht von Männern gesprochen. Welchen Rat geben Sie Ihren Töchtern?

Kalupner: Wie Männer sehnen sich Frauen danach, geliebt zu sein. Es ist die Aufgabe von Vätern, ihren Töchtern diese Liebe weiterzugeben. Wir leben in einer Gesellschaft, in der das vielen Vätern schwerfällt. Viele Männer sind ohne Vater aufgewachsen – früher wegen der Kriege, heute wegen der vielen Scheidungen. Deshalb haben viele Männer nicht gelernt, wie sie ihren Kindern Wertschätzung und Bestätigung zeigen. Für Jungen wie Mädchen ist es aber wichtig, dies von ihren Vätern zu hören. Eine junge Frau, die gelernt hat, dass sie wertvoll ist, weiß: „Ich gebe mich nicht billig her. Nicht jeder Junge kann mich einfach haben.“ Viele Mädchen versuchen aber, die mangelnde väterliche Liebe durch Sex zu kompensieren. Es fühlt sich für einen Moment gut an, begehrt zu werden, am Ende werden Mädchen aber oft ausgenutzt. Deshalb rate ich Frauen dazu, ihre Würde zu schützen und klare Grenzen zu setzen.

idea: Im Brief an die Epheser 5,25 fordert der Apostel Paulus: „Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch Christus die Gemeinde geliebt hat“. Das ist im Grunde ein nicht erfüllbarer Befehl.

Kalupner: Das stimmt, aber es gibt uns die richtige Orientierung. Jesus Christus sagt von sich, dass er nicht gekommen sei, „um sich dienen zu lassen, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele“ (Markus 10,45). Dieser Haltung sollen wir nacheifern. Meine Frau ist nicht dafür da, um meinen Mangel zu stillen, sondern ich bin dafür da, dass sie aufblüht. Für unsere Sexualität hat das folgende Konsequenz: Wenn meine Frau spürt, dass ich sie glücklich machen will, lässt sie sich auch gerne von mir führen – und auch verführen. Häufig denken Männer: „Wenn meine Frau keine Lust auf Sex hat, dann haben wir auch keinen Sex.“ Sie fragen dann: „Hey, Schatz, hast du Lust auf Sex?“ Die Aufgabe von Männern wäre es aber, Lust zu wecken. Das gelingt aber nur, wenn eine Vertrauensbasis da ist. Wenn die Frau den Eindruck hat, dass der Mann sie eigentlich nur zur Selbstbefriedigung will, wird sie sich nicht dazu benutzen lassen. Wenn die Frau jedoch spürt, dass der Mann sie um ihrer selbst willen will, kommt es auch zu häufigerem Sex.

idea: Vielen Dank für das Gespräch!

 

Daniel Kalupner (42) studierte Sozialpädagogik und gründete mit seiner Frau im Sommer 2000 in Nürnberg die erste deutsche ICF-Gemeinde. Sie sind verheiratet und haben vier Kinder.

Foto: Im Werbetrailer auf scm.de macht Autor Daniel Kalupner auf sein Buch Sexlife neugierig. (Foto: https://www.youtube.com/watch?v=ypBSNixxqMw; scm-haenssler.de/sexlife.html)


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