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Wenn Führungskräfte in Versuchung geraten

Wie andere Menschen seien auch Führungskräfte „schwach, versuchbar und angefochten“. (Foto: Shalone Cason/ unsplash.com)

Christen sollten nicht auf den in die Kritik geratenen Gründer der Willow-Creek-Gemeinde in South Barrington bei Chicago, Bill Hybels, herunterschauen, sondern auf ihr eigenes Leben achtgeben. Das rät der Trainer für Gemeindeleiter, Pastor Artur Siegert (Gummersbach), in einem Interview mit der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar). Mehrere Frauen aus der Gemeinde werfen Hybels sexuelle Belästigung bzw. Übergriffe vor. Der Pastor hat alle Vorwürfe zurückgewiesen und ging im April vorzeitig in den Ruhestand. Siegert: „Mir tun die Frauen extrem leid, die unter Hybels Fehlverhalten gelitten haben – und das muss jetzt aufgearbeitet werden.“ Es sei nicht selbstverständlich, dass ein Leiter Gott in allem die Treue hält. Wie andere Menschen seien auch Führungskräfte „schwach, versuchbar und angefochten“. Dies betreffe zum Beispiel die Sexualität sowie den Umgang mit Geld und mit Macht, etwa indem man Mitarbeiter manipuliere. Für Leiter sei es wichtig, korrekturfähig zu bleiben und sich von ihren Mitarbeitern oder einem Coach kritisieren zu lassen.

König David baute „viel Mist“ – Dennoch liest man noch heute seine Psalmen

Siegert zufolge hat Hybels viel Gutes bewirkt, „ähnlich wie König David“. Auch dieser habe „viel Mist“ gebaut. Dennoch läsen Christen noch heute die Psalmen Davids. Siegert ist Chef des „K5“-Leitertrainings. Das berufsbegleitende Programm wird per Video im Internet übertragen und richtet sich an haupt- und ehrenamtliche Leiter in Kirchengemeinden. K5 steht für fünf Kompetenzbereiche: die Beziehung zu Gott, der Charakter des Leiters, Selbstkompetenz, Führungskompetenz und Fachkompetenz.

Leiter brauchen Vorbilder

Siegert zufolge brauchen Leiter Vorbilder, um gute Führungskräfte zu werden. Sie lernten am besten von anderen Leitungspersonen, grundsätzlich aber von jedem Menschen, etwa von den eigenen Kindern. Nötig seien dafür Demut und die richtige Herzenshaltung. Das „K5“-Training solle vermitteln, dass Gemeindewachstum auch in Deutschland möglich sei. Zudem lernten die Teilnehmer, wie gute Führung funktioniere und wie man dies in der eigenen Gemeinde anwende, so Siegert. Das „K5“-Leitertraining erreicht 4.500 Teilnehmer an über 100 Orten. Die Teilnehmer kommen aus Landes- und Freikirchen, der römisch-katholischen Kirche sowie aus unabhängigen Gemeinden. Das Programm erstreckt sich über einen Zeitraum von drei Jahren. In jedem Quartal gibt es eine Tagesschulung, die in Gemeinden oder Wohnzimmer übertragen wird. Zu den Referenten gehören etwa der Präses des Bundes Freier evangelischer Gemeinden (FeG), Ansgar Hörsting, der Pastor der ICF-Gemeinde in München, Tobias Teichen, der Leiter des Missionswerks Campus für Christus Schweiz, Andreas Boppart (Zürich), und der Unternehmer Sebastian Loh (Haiger).


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