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Unterschiedliche Sichtweisen zur Frauenordination

("Adventisten heute"-Aktuell, 26.7.2013) An der Sitzung der Studienkommission zur Theologie der Ordination (Theology of Ordination Study Committee, TOSC) der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Linthicum Heights, Maryland/USA, seien nach der Verabschiedung einer Erklärung zum adventistischen Verständnis der Ordinationstheologie unterschiedlichste Positionen zur Ordination von Frauen zum Pastorendienst vorgetragen worden, teilte Adventist News Network (ANN) mit. Befürwortern und Gegnern sei gleich viel Zeit zur Verfügung gestanden, um sowohl ihr Verständnis der Bibel in dieser Frage als auch der Aussagen von Ellen White, Mitbegründerin der Kirche, darzulegen.
"Wir sind jetzt am Punkt angelangt, an dem beide Seiten alle Fakten und Befunde dargelegt haben, die für beide Positionen gefunden wurden", sagte Artur Stele, TOSC-Vorsitzender und einer der neun Vizepräsidenten der Weltkirchenleitung (Generalkonferenz), zum Abschluss der vom 24. - 26. Juli dauernden Sitzung.

Gemeinsame Basis oder zwei unterschiedliche Berichte?

Als Nächstes gehe es um die Klärung der Frage, ob die Studienkommission eine gemeinsame Basis in der Ordinationsfrage finden könne, so Pastor Stele. Sei dies nicht der Fall, müssten zwei unterschiedliche Berichte verfasst sowie entsprechende Lösungsvorschläge unterbreitet werden. Als Vorsitzender sei er für die offene, freundschaftliche Atmosphäre dankbar, in der beide Seiten Respekt für die Gegenposition gezeigt hätten.
Unter den 17 Dokumenten, welche in der dreitägigen Sitzung vorgestellt wurden, befinde sich laut ANN ein historischer Überblick bezüglich Theorie und Praxis bei der Frauenordination in der adventistischen Kirche, der von David Trim, Archivar der Weltkirche, vorgetragen worden sei.

Pro: Ji?í Moskala

In einer Ausarbeitung über hermeneutische Prinzipien, halte Ji?í Moskala, neu ernannter Dekan des adventistischen Theologischen Seminars der Andrews University (Berrien Springs, Michigan/USA) fest, dass es keine Aussage in der Bibel gebe, die anordne: "Ordiniert Frauen zum Dienst!" Es gebe aber auch keine Aussage, die fordere: "Ordiniert Frauen nicht zum Dienst!" Es läge kein theologisches Hindernis vor, um Frauen zu ordinieren, so Moskala, vielmehr deute die biblisch-theologische Analyse in eine andere Richtung. Der Geist Gottes reiße alle Barrieren zwischen verschiedenen Gruppen von Menschen in der Kirche nieder und teile allen die geistlichen Gaben frei zu, auch Frauen, "um die Aufgabe zu erfüllen, die uns allen aufgetragen ist".

Kontra: Gerard Damsteegt

Gerard Damsteegt, außerordentlicher Professor für Kirchengeschichte am adventistischen Theologischen Seminar der Andrews University vertrat die Gegenposition und verwies dabei auf die methodistischen Vorfahren der Adventisten, auf die frühen Kirchenväter und die Reformatoren. "Diese Pioniere haben die Beteiligung von Frauen stark gefördert, außer in Leitungspositionen als Älteste und Pastoren", sagte Damsteegt.
Laut ANN seien gelegentlich die gleichen Bibeltexte als Beleg verwendet worden, um für oder gegen die Frauenordination zu argumentieren.

Nachapostolische Entwicklungen

Weitere Präsentationen hätten biblische Konzepte von Autorität anderen Modellen gegenübergestellt, die auf "Elitedenken" (Elitismus) und "Hierarchiestufen" gründeten. Darius Jankiewicz, Vorsitzender der Abteilung "Theologie und christliche Philosophie" an der Andrews University, forderte bei seinem Vortrag die Mitglieder der Studienkommission auf, Modelle männlicher Autorität und Leiterschaft abzulehnen, welche sich erst in nachapostolischer Zeit im Christentum entwickelt hätten. "Wenn irgendetwas anders, ausser der Hingabe an Christus und seine Kirche, geistliche Gabe oder Reife, ein Eignungskriterium für die verschiedenen Aufgaben in der Kirche wird, dann schaffen wir damit, - ob wir es wollen oder nicht, eine elitäre Gemeinschaft."
Edwin Reynolds, Neutestamentler an der Southern Adventist University, Collegedale, Tennessee/USA, habe eine ganz andere Sicht der Anwendung von Autorität in der Kirche vertreten. "Geistliche Leiterschaft und Lehrautorität scheinen im Neuen Testament den Rollen der Apostel und Ältesten zugeordnet worden zu sein", so Reynolds. "Diese Rollen scheinen für Frauen, nach dem Grundsatz der Unterordnung unter männliche Leitung, ungeeignet zu sein."
Teresa Reeve, Professorin für Neues Testament an der Andrews University, sei laut ANN zu einer gegenteiligen Schlussfolgerung gelangt: "Die neutestamentliche Ordinationspraxis, als formelle Ernennung und Bestätigung einer Person für einen Dienst oder eine Aufgabe, stellt kein Hindernis für entsprechend qualifizierten Frauen dar, als Pastorin zu dienen."

Die Sicht von Ellen G. White

Denis Fortin, Kirchenhistoriker der Andrews University, habe eine ausführliche Zusammenfassung der Sicht von Ellen White, Mitbegründerin der Kirche, zu Frauen im Kirchendienst gegeben. "Es gibt keinen Hinweis in ihren Schriften, dass der Ritus der Ordination nur auf Männer beschränkt sein oder dass er dazu verwendet werden sollte, um irgendeine Art von kirchlicher Hierarchie aufzubauen. Sie hat nachdrücklich zur Beteiligung von Frauen in allen Formen des Dienstes ermutigt, sagte Fortin.

So geht es weiter

Die TOSC-Studienkommission wird sich im Januar 2014 zu einer fünftägigen Sitzung treffen, um die Präsentationen auszuwerten und den weiteren Verlauf der Kommissionsarbeit festzulegen. Die Mitglieder würden auch die Berichte der Bibelstudienkomitees aus den dreizehn Weltkirchenregionen zur Beurteilung erhalten, welche die Ordinationsfrage auf regionalem Hintergrund studierten.
Der Exekutivausschuss der Weltkirchenleitung (Generalkonferenz) der Siebenten-Tags-Adventisten setzte 2012 eine 78-köpfige "Studienkommission zur Theologie der Ordination" (Theology of Ordination Study Committee, TOSC) ein, die sich bis Oktober 2014 mit der Theologie der Ordination befassen soll. Die sich daraus ergebenden Schlussfolgerungen sollten die adventistische Gemeindepraxis unter besonderer Berücksichtigung einer bisher noch nicht in der Freikirche möglichen Ordination von Pastorinnen einbeziehen. Die Ergebnisse würden im Oktober 2014 dem Exekutivausschuss der Weltkirchenleitung vorgestellt, der dazu Empfehlungen verabschiede, welche der adventistischen Weltsynode (Generalkonferenz-Vollversammlung) 2015 in San Antonio, Texas/USA, zur Abstimmung vorgelegt werden sollten. In der Studienkommission seien Kirchenmitglieder ohne Amt, Pastoren, Kirchenleiter und Theologen vertreten. Die Kommission steht unter der Leitung von Pastor Artur Stele, einem der neun Vizepräsidenten der Weltkirchenleitung und Direktor des Bibelforschungsinstituts der Generalkonferenz. (APD)

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