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Suchtmittelkonsum: Was gefährdet Jugendliche, was schützt sie?

Manche Jugendliche seien gefährdeter als andere, ein riskantes Verhalten oder eine Suchtproblematik zu entwickeln. (Foto: Shawn Henry/ unsplash.com)

Nicht alle Jugendlichen sind gleich gefährdet, Suchtmittel zu konsumieren und Probleme zu entwickeln. Jugendliche, welche Schulprobleme oder ein tiefes Selbstwertgefühl haben und familiär vorbelastet sind, tragen höhere Risiken. Sucht Schweiz hat die Risiko- und Schutzfaktoren genauer angeschaut.

Demnach ist die Jugendzeit eine turbulente Phase: Die neurowissenschaftliche Forschung zeige, dass die Risikobereitschaft oder die Sensationssuche teilweise auch mit Veränderungen im Gehirn erklärt werden könne. «Wenn Kinder zu Erwachsenen werden, sind sie besonders gefährdet, Suchtmittel auszuprobieren und risikoreich zu konsumieren. Gleichzeitig wirken sich psychoaktive Substanzen auf das in Entwicklung begriffene Gehirn stark aus.»

Manche Jugendliche seien gefährdeter als andere, ein riskantes Verhalten oder eine Suchtproblematik zu entwickeln. Diese Gefährdung hänge aber immer von vielen verschiedenen Faktoren ab, welche ineinandergreifen würden, schreibt die Stiftung Sucht Schweiz. Fachpersonen sprächen von Risiko- und Schutzfaktoren. Diese werden in der jüngsten Ausgabe des «SuchtMagazins» zum Thema «Vulnerable Jugendliche"» (anfällig, zugänglich) zusammengefasst.

Risikofaktoren: Geschlecht, Schüchternheit, Schulprobleme etc.

Folgende Faktoren können laut Sucht Schweiz – nebst weiteren Einflüssen – die Entwicklung im Jugendalter in positiver oder negativer Hinsicht beeinflussen:

•       Das männliche Geschlecht:

Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass bei den 15- bis 19-Jährigen die Raten beim Alkohol-, Tabak- und Cannabiskonsum bei den Jungen zum Teil deutlich höher sind als bei den Mädchen. Beispiel Rauschtrinken: 27 Prozent der 15-jährigen Knaben berichteten in der letzten Schülerumfrage*, sich im vorangehenden Monat mindestens einen Rausch angetrunken zu haben. Bei den gleichaltrigen Mädchen sind es 23 Prozent. (*Die internationale Studie "Health Behaviour in School-aged Children" (HBSC) befragt 11- bis 15-jährige Schülerinnen und Schüler alle vier Jahre zu ihrer Gesundheit und ihrem Gesundheitsverhalten).

•       Das weibliche Geschlecht:

28 Prozent der 15-jährigen Jungen und 45 Prozent der gleichaltrigen Mädchen nannten in der Umfrage mindestens zwei wiederkehrende Beschwerden wie Einschlafschwierigkeiten, Nervosität, Traurigkeit oder Angst.

•       Frühzeitiger Pubertätsbeginn:

Wer früh pubertiert, neigt eher dazu, sich mit älteren Jugendlichen zu umgeben. Etwa 4 Prozent der 15-jährigen Mädchen sagten, ihre erste Periode vor dem 11. Altersjahr gehabt zu haben.

•       Persönlichkeitseigenschaften wie Schüchternheit, ein geringes Selbstwertgefühl oder eine tiefe Frustrationstoleranz.

•       Sexuelle Ausrichtung:

In der Schweiz bezeichnen sich etwa 5 Prozent der 16- bis 20-Jährigen als nicht vorwiegend heterosexuell.

Familie und Schule als zentrale Faktoren

Gemäß Sucht Schweiz kann auch die familiäre Situation ein Risikofaktor darstellen, wenn die elterliche Aufsicht fehlt oder innerhalb der Familie psychoaktive Substanzen konsumiert werden. Unter den 15-Jährigen sagt rund jede/r Fünfte, Schwierigkeiten zu haben, sich dem Vater oder der Mutter anzuvertrauen. «Umgekehrt kann die Familie für zentrale Schutzfaktoren stehen, wenn Eltern für emotionale Unterstützung sorgen, in engem Austausch mit den Kindern sind, Interesse für deren Belange aufbringen oder wenn sie eine kritische Einstellung zum Suchtmittelkonsum haben», erklärt Marina Delgrande, Forscherin bei Sucht Schweiz.

Bei den 18- bis 24-Jährigen verfügten etwa 5 Prozent über keine nachobligatorische Ausbildung. Probleme in der Schule wie Misserfolg, schlechte Integration im Klassenverband oder gar ein Schulabbruch sind laut Sucht Schweiz mit Risiken verbunden. Gleichzeitig könne das schulische Umfeld wichtige Schutzfaktoren fördern, indem zum Beispiel Lebenskompetenzen der Schülerinnen und Schüler gestärkt oder deren Mitsprache gefördert werden.

Wie groß ist der Anteil besonders gefährdeter Jugendlicher?

Anhand der Daten der letzten Schülerbefragung geht Sucht Schweiz davon aus, dass etwas weniger als 10 Prozent der 11- bis 15-Jährigen besonders gefährdet sind, mit Suchtmitteln risikoreich umzugehen. Diese Schätzung sei mit Vorsicht zu interpretieren, da sie «nur» auf einer bestimmten Anzahl selbst berichteter Faktoren aus dem individuellen, familiären und schulischen Bereich beruhe.

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