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Sonntagsallianz: Experte fordert Ruhetagsschutz für alle Religionen

("Adventisten heute"-Aktuell, 15.7.2011) "Der arbeitsfreie Sonntag sollte nicht in der EU-Arbeitszeitrichtlinie verankert werden. Es wäre besser, die Rechte der Mitglieder jeder Religionen zu schützen, an ihrem Ruhetag nicht arbeiten zu müssen", kommentierte Pastor Dr. John Graz, Direktor für Öffentliche Angelegenheiten und Religionsfreiheit der adventistischen Weltkirchenleitung, gegenüber APD die Forderungen der Europäischen Sonntagsallianz. "Sollte wieder ein entsprechender Vorschlag unterbreitet werden, müsste er dahingehend erweitert werden, dass er den Schutz auch für jene einschließt, die einen anderen Ruhetag halten", schreibt Graz, in einem Kommentar für Adventist News Network (ANN).
Am 20. Juni erhob die gleichentags gegründete Europäische Sonntagsallianz am Sitz des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses (EWSA) in Brüssel die Forderung, den Sonntag in den EU-Staaten als arbeitsfreien Tag zu bezeichnen. Gemäß der Sonntagsallianz könnten damit gesündere Familien, ein ausgeglichenerer Lebensstil für alle und ein besserer Zusammenhalt in der Gesellschaft erreicht werden.
Nebst diesen leicht nachvollziehbaren Zielen, könnten auch viele weitere traditionelle und historische Gründe angeführt werden, um den Sonntag in Europa als allgemeinen arbeitsfreien Tag zu begründen, so Graz. Die Festlegung eines Wochentages als "offizieller" arbeitsfreier Tag, berge aber schwerwiegende Probleme.
Der Experte für Religionsfreiheit führt die 13 Millionen Muslime in Europa an, die am Freitag die Moschee besuchten oder die Jüdische Glaubensgemeinschaft und die evangelische Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten, die beide gemeinsam den siebten Wochentag, den Samstag (Sabbat) als biblischen Ruhetag feierten, der bereits im Schöpfungsbericht verwurzelt sei. Der Sonntag als offizieller arbeitsfreier Tag entfremde die großen Glaubensgemeinschaften voneinander und fördere schwerlich den Zusammenhalt im pluralistischen Europa, ganz zu schweigen von den absehbaren gerichtlichen Auseinandersetzungen, so Graz.
Er teile das grundsätzliche Anliegen der Europäischen Sonntagsallianz, so der Fachmann für Religionsfreiheit, wonach ein wöchentlicher arbeitsfreier Tag für die Gesundheit und die sozialen Beziehungen förderlich sei. "Ebenso wichtig ist aber das Recht aller Menschen, ihr Leben so einzurichten, dass es mit ihren religiösen Überzeugungen übereinstimmt", sagte Graz. "Dieses Recht wird in verschiedenen internationalen Abkommen verbrieft. Es ist ein grundlegender, nicht verhandelbarer Aspekt der Menschenwürde." Er fordere deshalb die Mitglieder der Europäischen Sonntagsallianz auf, ihre Initiative dahingehend zu erweitern, dass nicht nur allen pro Woche ein arbeitsfreier Tag garantiert werde, sondern dass auch alle das Recht hätten, so zu leben, anzubeten und zu ruhen, wie es ihrem Gewissen entspreche.
Die Europäische Sonntagsallianz ist ein Netzwerk bereits bestehender nationaler Sonntagsallianzen, Gewerkschaften, kirchlicher und zivilgesellschaftlicher Organisationen, die sich für gerechte und angemessene Arbeitsbedingungen, die Vereinbarkeit von Arbeit, Familie und Privatleben sowie die Stärkung des sozialen Zusammenhalts einsetzen. (APD)

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