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Pro/Kontra: Sollte Deutschland ein soziales Pflichtjahr einführen?

("Adventisten heute"-Aktuell, 15.4.2016) Es fehlt an Helfern für die über eine Million Asylbewerber in Deutschland, die allein 2015 gekommen sind. Auch dies ist ein Grund dafür, dass wieder ein soziales Pflichtjahr gefordert wird. Denn nach dem Ende der allgemeinen Wehrpflicht 2011 wurde auch der Ersatz- bzw. Zivildienst abgeschafft. Noch 2010 halfen 78.000 junge Männer vor allem in sozialen Einrichtungen.

PRO

Aufgrund des weiterhin andauernden Zustromes von Flüchtlingen sollte man nicht über die Wiedereinführung der Wehrpflicht für junge Männer, aber durchaus über ein allgemeines Pflichtjahr für alle jungen Bürger - Frauen und Männer gleichermaßen - in Deutschland nachdenken. Die Aussetzung der Wehrpflicht vor fünf Jahren hat in vielen Bereichen Lücken gerissen: bei den Freiwilligen Feuerwehren, beim Technischen Hilfswerk, bei den nichtstaatlichen Hilfsorganisationen und natürlich auch in den vielen sozialen Bereichen, wo die Zivildienstleistenden im Rahmen ihres Wehrersatzdienstes eingesetzt waren.

Neben der Ableistung der Wehrpflicht bei der Bundeswehr war die Verpflichtung, beim Zivil- und Katastrophenschutz mitzuwirken, bisher ein wichtiger Aspekt der Helfergewinnung - viele junge Männer wurden erst durch die Beschäftigung mit dem Thema Wehrpflicht und deren Alternativen auf den Katastrophenschutz aufmerksam.

Über die Einführung eines allgemeinen Pflichtjahres darf es aufgrund der vielen zukünftigen Herausforderungen an unsere Gesellschaft kein Denkverbot geben. Ich bin ganz klar für ein Pflichtjahr für junge Frauen und Männer. Wer von der Gesellschaft Rechte einfordert, muss auch akzeptieren, dass er Pflichten hat. Es hat noch keinem jungen Menschen geschadet, zumindest einmal Dienst an der Gesellschaft zu tun. Der Staat tut viel für die jungen Bürger, warum sollen diese nicht nach ihrer Ausbildung oder dem Abitur der Gemeinschaft auch etwas zurückgeben? Ein solches Pflichtjahr würde den Gemeinsinn für unsere Gesellschaft stärken. Die Vielfalt und die Probleme des Lebens aus einer anderen Sicht kennenzulernen, erweitert den eigenen Horizont und fördert die weitere Entwicklung.

Der Autor, Lorenz Caffier (Schwerin, CDU), ist seit 2006 Innenminister des Landes Mecklenburg-Vorpommern und seit 2011 Stellvertreter des Ministerpräsidenten.

KONTRA

Die Debatte um ein soziales Pflichtjahr ist ein Hinweis auf Defizite unserer Gesellschaft. Ein Pflichtjahr behebt die Defizite nicht, sondern schafft neue Probleme. Wer soll die Kosten von ca. 15 Mrd. Euro pro Jahr tragen? Wer trägt die Verluste, die durch Ausfall von Arbeitskräften, durch Ausfall von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen dazukommen? Wer soll das Pflichtjahr ableisten? Die weniger werdenden jungen Menschen, die wir in Ausbildungsplätzen und im Arbeitsmarkt brauchen, denen wir ein Jahr Berufsleben damit nehmen, denen wir ein Jahr Schulbildung aus Kostengründen genommen haben? Wollen wir Kranken und Pflegebedürftigen zumuten, von Dienstverpflichteten versorgt zu werden?

Zum Dienst am Menschen kann unsere Gesellschaft motivieren, aber sie darf ihn nicht erzwingen. Was für ein Bild von sozialen Berufen haben die Befürworter des sozialen Pflichtjahres? Wir leben in einer Gesellschaft, in der es auf die Freiheit und Verantwortung der Bürgerinnen und Bürger und ihre Mitgestaltung ankommt. Daher darf eine allgemeine Dienstpflicht nach deutschem Verfassungs- und internationalem Recht nicht eingeführt werden.

Unsere freie Gesellschaft lebt von der Sorge, Mitverantwortung und persönlicher Beteiligung aller Bürger. Dafür müssen sich allerdings die Institutionen unserer Gesellschaft, die Kommunen und Wohlfahrtsorganisationen umstellen. Sie müssen Mitverantwortung ermöglichen und einfordern. Wir brauchen eine Kultur selbstverständlicher Freiwilligkeit, der Sorge und Mitverantwortung aller, eine Struktur generationsübergreifender Freiwilligendienste flächendeckend, die stundenweise aufgrund von Selbstverpflichtung abgeleistet werden können. (idea) Der Autor, Dieter Hackler (Bonn), war von 1991 bis 2006 Bundesbeauftragter für den Zivildienst. Er ist stellvertretender Vorsitzender des Evangelischen Arbeitskreises der CDU/CSU sowie Mitglied im Vorstand der Evangelischen Kranken- und Alten-Hilfe.

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