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Pro & Kontra: Braucht die Kirche eine Frauenquote?

Eine Frauenquote für die mittlere Leitungsebene in den Landeskirchen? (Foto: Pach GbR – Christopher Pach/pixelo.de)

Margot Käßmann war die erste und bisher einzige Frau an der Spitze der EKD. In einem ihrer letzten Interviews vor ihrem Ruhestand forderte sie jetzt eine Frauenquote für die mittlere Leitungsebene in den Landeskirchen – „bis 50 Prozent der Stellen von Frauen besetzt sind“. Ist eine Quote eine gute Idee?

PRO

Quoten sind längst Usus in der Kirche. Für den Proporz von „Laien“ zu Ordinierten, von Haupt- zu Ehrenamtlichen oder für die Beteiligung der Bekenntnisse in Leitungsgremien setzen Landeskirchen in Verfassungen oder Gesetzen ganz selbstverständlich Quoten. Sie vertrauen hier nicht allein darauf, dass sich die gute Absicht schon durchsetzen wird, sondern übersetzen die gute Absicht durch Quotierungen in den Alltag. Warum sollte diese Übersetzungshilfe nicht auch für das Geschlechterverhältnis wirksam werden?

Der von der EKD-Synode in Bad Krozingen gefasste Beschluss, in einer Frist von zehn Jahren einen Frauenanteil von 40 Prozent in allen Leitungsgremien zu erreichen, ist auch heute, nach fast 30 Jahren, noch keine Realität. Besonders hoch ist die Diskrepanz auf der mittleren Ebene, hier sind immer noch drei von vier Leitungsämtern mit Männern besetzt.

Frauen verändern die Ämter

Damit aus der guten Absicht der Geschlechtergleichstellung gelebter Alltag wird, reicht es offenbar nicht aus, wenn Frauen in der Kirche theoretisch alles werden dürfen, sie müssen es auch werden können. Die formale rechtliche Gleichbehandlung allein führt hier nicht zum Ziel, weil damit die ungleichen Lebenssituationen von Männern und Frauen noch nicht im Blick sind. Eine Geschlechterquote kann hier helfen. Denn wo Frauen in größerer Zahl ein leitendes Amt innehaben, verändert sich auch dieses Leitungsamt selbst, weil sich zum Beispiel Fragen der Vereinbarkeit mit Familienverantwortung anders stellen und dringlicher zu lösen sind. Davon profitieren letztlich auch die Männer, die sich trotz eines Leitungsamts ausreichend Zeit für ihre Familien wünschen.

(Die Autorin, Oberkirchenrätin Kristin Bergmann (Hannover), leitet das Referat für Chancengerechtigkeit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).)

KONTRA

Ich freue mich, wenn Frauen in der Kirche in Führungspositionen sind. Dennoch spreche ich mich gegen eine Frauenquote aus, da ich von diesem Instrument sehr wenig halte. Ich bin der Überzeugung, dass die zahlenmäßige Angleichung der Geschlechter in Führungspositionen eine Frage der Zeit ist. Von mir aus kann bei gleicher Qualifikation für eine Zeit lang die Frau genommen werden, aber das Wichtige für mich ist dabei, dass es eine Kompetenzfrage bleibt. Ich bin der Überzeugung, gerade in Führungspositionen ist die Frage nach der Kompetenz die entscheidende und nicht das Geschlecht. Warum sollte es eine Bevorzugung der Frau aufgrund ihres Geschlechts geben? Vielleicht habe ich hierauf auch einen naiven Blick, doch ich bin der Überzeugung, dass wir in unserer Kirche unglaublich viele kompetente Frauen haben, die es auch ohne eine Quote schaffen, in Führungspositionen zu kommen.

Immer mehr Frauen im Theologiestudium

Wir verzeichnen einen immer höheren Anteil an Frauen innerhalb des Theologiestudiums. Also ist es  einer Meinung nach definitiv nur eine Frage der Zeit, bis wir auch in Führungspositionen einen höheren Frauenanteil haben. Über den ich mich jetzt schon sehr freue. Dennoch – eine Quote halte ich für das falsche Instrument.

(Die Autorin, Prisca Steeb (25, Stuttgart), ist die jüngste Synodale der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Die Referendarin gehört zum evangelikal orientierten Gesprächskreis „Lebendige Gemeinde“.)

 


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