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Parteien und Christen zur US-Wahl: eine tiefe Zäsur

("Adventisten heute"-Aktuell, 11.11.2016) Die Wahl des Republikaners Donald Trump am 8. November zum 45. Präsidenten der USA hat in Deutschland ein geteiltes Echo ausgelöst. Der Unternehmer setzte sich gegen seine demokratische Konkurrentin Hillary Clinton durch. Während die SPD, Bündnis90/Die Grünen, die Linkspartei und die EKD Entsetzen äußerten, reagierten die Unionsparteien zurückhaltend. Zustimmung kam hingegen von der Alternative für Deutschland (AfD). Der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (München), sagte am Rande der EKD-Synode in Magdeburg vor Journalisten, dass er das Wahlergebnis mit einer "gewissen Fassungslosigkeit" aufgenommen habe: "Denn die Aussagen von Donald Trump im Wahlkampf waren so spalterisch und so abwertend gegenüber anderen Menschengruppen, dass man Sorge haben muss, wenn Donald Trump jetzt diese politische Macht hat." Er glaube aber, dass die Zeit des Spaltens nun vorbei sei. Darauf deute die erste Rede Trumps nach seinem Wahlsieg hin.

Spaltertendenzen beenden

Europa und insbesondere die Kirchen sollten sich dafür einsetzen, dass Werte wie Nächstenliebe und Einfühlungsvermögen auch in die Politik hineinstrahlten "und dass vor allem alle Spaltertendenzen, die wir gegenwärtig erleben, alle Polarisierungen, alles Schüren von Hass endlich ein Ende hat und auch die Politik in dieser Hinsicht zur Vernunft kommt". Die Präses der EKD-Synode, Irmgard Schwaetzer (Berlin), erklärte, der Wahlausgang sei geprägt von Menschen, die sich abgehängt und nicht gehört fühlten. Diese Herausforderung bestehe auch in der Europäischen Union. Man müsse besser mit Menschen ins Gespräch kommen, die die eigenen Einsichten nicht teilten, so Schwaetzer. Die (katholische) Deutsche Bischofskonferenz wollte sich auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea nicht äußern, weil sie zu Wahlen im Ausland grundsätzlich nicht Stellung nehme.

Volker Kauder: Müssen mit Trump "möglichst gut" zusammenarbeiten

Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, erklärte, dass Deutschland auch mit Trump "möglichst gut" zusammenarbeiten müsse: "Mit den USA verbindet uns Deutsche eine Wertegemeinschaft. Auch umgekehrt sollte der neue US-Präsident erkennen, dass ein gutes Verhältnis zu Europa und Deutschland seinem Land letztlich nur nützt." Die Vereinigten Staaten bräuchten ebenso Freunde: "Dabei sollten sie sich vor Augen halten, dass am verlässlichsten diejenigen Länder sind, mit denen die Freundschaft seit langem besteht."

EAK-Vorsitzender: Die tiefe Spaltung des Landes muss überwunden werden

Nach Ansicht des Bundesvorsitzenden des Evangelischen Arbeitskreises (EAK) der CDU/CSU, dem Parlamentarischen Staatssekretär Thomas Rachel, ist es nach dem schmutzigen und abstoßenden Wahlkampf nun wichtig, die "herbeigeführte Polarisierung und tiefe Spaltung des Landes zu überwinden". Wie er idea sagte, wirft das Wahlergebnis die Frage auf, "wie sich das transatlantische Verhältnis und das westliche Bündnis in Zeiten weltweiter Konflikte entwickeln". Die EU müsse sich wieder auf die wichtigen Themen konzentrieren und zu einer gemeinsamen Sprache sowie Geschlossenheit zurückfinden: "Rassismus, Sexismus und Ausgrenzung dürfen im Wahlkampf keinen Raum bekommen."

Göring-Eckardt: Trumps Sympathien für Autokraten wie Putin sind beängstigend

Laut den Fraktionsvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen, Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter, wurde mit Trump ein Präsident gewählt, "der mit offenem Rassismus, mit Frauenverachtung und mit wahnwitzigen außenpolitischen Positionen Stimmung und Hass geschürt hat". Das stelle eine "tiefe Zäsur" dar. Die USA seien ein zutiefst gespaltenes Land. Mit Trump sei eine reibungslose Fortsetzung der deutsch-amerikanischen Zusammenarbeit nur schwer vorstellbar. Seine Sympathien für Autokraten wie den russischen Präsidenten Wladimir Putin seien beängstigend. Die Wahl sei ein Weckruf, "nationalistischen und rechtspopulistischen Bewegungen noch entschiedener entgegenzutreten". Die Vorsitzende der Linkspartei, Katja Kipping, schrieb auf Facebook: "Die Demokraten hätten mal den Sozialisten Bernie Sanders aufstellen sollen, um Trump die Stirn zu bieten. Nun haben wir den Salat."

Kerstin Griese: "Oh nein. Fassungslos"

Die Sprecherin des Arbeitskreises "Christinnen und Christen in der SPD" und Beauftragte für Kirchen und Religionsgemeinschaften, die Bundestagsabgeordnete Kerstin Griese, schrieb auf Twitter: "Oh nein. Fassungslos." Ein Fraktionsvorstandsmitglied der Sozialdemokraten im Europäischen Parlament, Knut Fleckenstein (SPD), sagte, er sei "entsetzt, dass die Vereinigten Staaten einen Präsidenten gewählt haben, der mit antimuslimischen und rassistischen Argumenten, mit Abschottungsgedanken und wirren Männerfreundschaftsfantasien zu Putin seinen Wahlkampf bestritten hat". Das sei weit entfernt von den Werten, "die uns unsere amerikanischen Freunde nach der Hitler-Diktatur in Deutschland wieder beigebracht haben".

AfD-Bundesvorsitzende: Trump sprach die Sorgen der Bürger an

Der Bundessprecher der Alternative für Deutschland (AfD), Prof. Jörg Meuthen, gratulierte Trump zu seinem "grandiosen Wahlsieg", der ein gutes Signal für die Welt sei: "Genauso wie die AfD in Deutschland hat Trump es im US-Wahlkampf verstanden, die Sorgen und Nöte der Menschen aufzugreifen und klar und mutig die Missstände im Establishment anzuprangern." Trump sei zu Recht für seinen Mut belohnt worden, sich gegen das System aufzulehnen und unbequeme Wahrheiten anzusprechen, so der AfD-Sprecher. Die Wahl Trumps habe bewiesen, wie sehr sich die "etablierten Parteien, Mainstream-Medien und kraft- und visionslosen Politiker von den Menschen entfernt haben". Die AfD sei zuversichtlich, dass mit der neuen Trump-Administration eine "rationale Außen- und Wirtschaftspolitik gemeinsam und auf Augenhöhe gestaltet werden kann".

Theologe: Mehrheit der US-Wähler ist erbost von der Arroganz der linksliberalen Eliten

Laut dem Journalisten und lutherischen Theologen Uwe Siemon-Netto (Laguna Woods/US-Bundesstaat Kalifornien) ist der Triumph Trumps "so furchterregend, wie ein Sieg Clintons gewesen wäre". Er zeige aber, wie tief verletzt die Mehrheit der US-Wähler von der Arroganz der linksliberalen Eliten sei, für die Clinton stehe. Zum einen hätten diese der amerikanischen Mittelschicht neue "Werte" aufgezwungen - "zum Beispiel die Glorifizierung der Homosexualität und den Massenmord ungeborener Kinder" -, und zum anderen seien die Einkommen der Durchschnittsbürger unaufhaltsam gesunken. Wären diese Wähler gut informiert gewesen, dann hätten sie in den Vorwahlen vernünftig handeln und einen geeigneteren

republikanischen Kandidaten küren können, sagte Siemon-Netto gegenüber idea: "Aber die amerikanischen Medien sind so verwahrlost, dass sie dieser Informationspflicht längst nicht mehr gerecht werden. So agierte das ignorante Volk aus dem Bauch - einem Bauch voller Wut." Das sei verständlich, aber immer auch erschreckend. Siemon-Netto: "Bauchdenken führt zu Revolutionen, und dies ist eine solche. Wir können nur beten, dass sie nicht blutig endet. Kyrie eleison, Herr, erbarme Dich!"

US-Wahl: Wem Christen ihre Stimmen gaben

Aus Wählerbefragungen von "NBC News" geht hervor, dass Evangelikale einen großen Anteil am Sieg des Republikaners hatten. Demnach haben 81 Prozent für ihn gestimmt und 16 Prozent für die Demokratin Clinton. Das entspricht etwa den Ergebnissen der Wahl von 2012. Damals votierten 79 Prozent für den Republikaner Mitt Romney und 20 Prozent für Barack Obama. "NBC News" zufolge waren Katholiken deutlich mehr gespalten: 60 Prozent der weißen Katholiken entschieden sich für Trump (Clinton: 37 Prozent), während die Mehrheit der spanischstämmigen Katholiken Clinton (67 Prozent) wählte (Trump: 26 Prozent). (idea)

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