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Mut machen im Schatten der Wirtschaftskrise

(AdventEcho online, 6.3.2009; Update 28.1.2013) 3.854 Personen - vom Handwerksmeister, Manager, Unternehmensberater bis zum Diakonie-Experten, Theologen und Studenten - nahmen am 6. Kongress christlicher Führungskräfte unter dem Motto "Mit Werten in Führung gehen" vom 26. bis 28. Februar in Düsseldorf teil.

Wozu dieser Kongress?

Welche Ziele dieses überkonfessionelle Treffen, das im Schatten der globalen Wirtschaftskrise stand, verfolgte, kann man mit den Worten von vier referierenden Führungspersönlichkeiten zusammenfassen:


  • Einen Beitrag zur Überwindung der globalen Werte- und Finanzkrise zu leisten (Horst Marquardt, idea-Vorsitzender und Kongressvorsitzender).



  • Ein "Weckruf zum Innehalten" (Volkmar Klein, Vorsitzender des Evangelischen Arbeitskreises der CDU in Nordrhein-Westfalen).



  • "Es geht nicht darum, Schuldige zu suchen, sondern zu klären, wie der christliche Glaube hilft" (Daniel Hoster, Leiter des German American Business bei der Deutschen Bank in New York).



  • Deutlich zu machen, "welche grundlegende Bedeutung die Weisungen Gottes, die in der Heiligen Schrift bezeugt sind, für das verantwortungsbewusste Zusammenleben von Menschen auch mit Blick auf die Ökonomie haben" (Nikolaus Schneider, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland).



Ein gefülltes Programm

Um diese Ziele zu erreichen, hatten die Veranstalter (die Evangelische Nachrichtenagentur idea, Wetzlar, und die Unternehmensberatung tempus-consulting, Giengen bei Ulm) ein straffes Programm zusammengestellt:


  • Die Vormittage im Plenum waren gefüllt mit einer geistlichen Einstimmung auf den Tag (erstklassig!) sowie mit Grundsatzreferaten.



  • An den Nachmittagen wurden 60 Seminare zu 15 verschiedenen Themenbereichen angeboten - inhaltlich deckten sie ein breites Spektrum ab, das von geistlicher Einkehr über ganz praktische Themen bis hin zur gut verpackten Marketingveranstaltung reichte.



  • An den Abenden bot ein buntes Programm musikalische Unterhaltung, Inspiration, Besinnung und Stoff zum Nachdenken. Zum dritten Mal wurden Führungskräfte geehrt, die auf vorbildliche Weise christliche Werte in Wirtschaft, Gesellschaft, Verwaltung oder Wissenschaft vermitteln.



  • In den Pausen freuten sich 250 Aussteller darauf, den Kongressteilnehmern ihre Produkte, Einrichtungen und Dienste vorstellen und anbieten zu können - unter ihnen auch der adventistische Deutsche Verein für Gesundheitspflege (DVG, Ostfildern, Link zur Meldung und Bildergalerie siehe unten). Außerdem standen 28 Seelsorgerinnen und Seelsorger Gespräch suchenden Teilnehmern zur Verfügung.



Offenheit ...

Obwohl die Mut machenden Beiträge überwogen, herrschte immer wieder eine - sicher durch die derzeitige Weltsituation bedingte - Offenheit. Friedhelm Loh, Unternehmer und Vizepräsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), berichtete beispielsweise von dramatischen Auftragseinbrüchen und sagte den für eine Führungskraft höchst ungewöhnlichen Satz: "Mir geht es schlecht." Auch Kritik wurde offen ausgesprochen: Kardinal Meisner attestiert den Unternehmern "menschliches Versagen", Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers rügte "neoliberale Irrlehren", und der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, warnte vor Maßlosigkeit.
In einem Seminar machte die Islamwissenschaftlerin Prof. Christine Schirrmacher (Bonn) den Werteverfall innerhalb der Christenheit für das Erstarken des Islam verantwortlich: "Die Stärke des Islam ist die Schwäche des Christentums." Christen sollten sich deshalb nicht zurückziehen, sondern die Gesellschaft mitgestalten. Wer zu seinen christlichen Überzeugungen stehe, werde auch von den Muslimen als ernsthafter Gesprächspartner anerkannt.

... und Kontroverse

Mehrmals kam es während der Podiumsgespräche zu lebhaften Diskussionen, so zum Beispiel als ein Gesprächsteilnehmer die Auffassung vertrat, es gebe zu viele "superfromme" christliche Vorbilder. Es fehle jedoch an Christen, die authentisch seien und auch über ihre Schwächen Auskunft gäben. Auch der frühere CVJM-Generalsekretär und ProChrist-Redner, Pfarrer Ulrich Parzany (Kassel), sorgte für Zündstoff, als er bemängelte, dass unter Christen keine Einigkeit in zentralen Fragen bestehe: "Wir sind uns nicht einmal einig, dass die Bibel das gültige Wort Gottes ist, nach dem wir uns in ethischen Fragen richten wollen."
Kontrovers wurde es in der Diskussion auch beim Thema Familie, als die Vorsitzende des Familiennetzwerks, die Kinderärztin Maria Steuer (Stade), die Gesprächsteilnehmer (und die Zuhörer) mit dem Vergleich konfrontierte: Es sei strafbar, Welpen vor dem vierten Lebensmonat von der Mutter zu trennen, weil sie sich sonst zu neurotischen, bissigen Hunden entwickelten. Auch werde Menschen davon abgeraten, einen Hund zu halten, die acht Stunden am Tag arbeiten, weil dies dem Tier nicht zuzumuten sei. Frau Steuer kritisierte eine Fremdbetreuung von Kleinkindern unter drei Jahren in Krippen. Mütter und Väter seien nicht durch andere Bindungspersonen ersetzbar. Kinder brauchten Eltern mit Zeit, um bedingungslose Liebe und Herzensbildung zu erfahren. Sie wünsche sich, dass Deutschland nicht in 25 Jahren die Erfahrungen mit Kinderkrippen gemacht haben werde wie derzeit Frankreich und Schweden. Diese Länder ruderten heute zurück und förderten wieder die familiäre Erziehung, damit Kinder zu gesunden Personen heranwachsen.

Geistliche Höhepunkte

Die zwei Morgenandachten empfanden viele Teilnehmer als geistliche Höhepunkte. Am Freitagmorgen rief die niederländische Publizistin Noor van Haaften (Soest bei Utrecht) die Kongressteilnehmer dazu auf, das Gebet des David "Herr, erforsche mich ..." (Psalm 139) ernst zu nehmen. Sie verband dieses Anliegen mit der Frage, inwiefern Christen aktiv am Bau des Reiches Gottes mitwirken. Dabei erinnerte sie an den Stillstand während des Wiederaufbaus des jüdischen Tempels, der dadurch eintrat, dass jeder nur noch mit dem Bau seines "persönlichen Königreichs" beschäftigt war.
Am Sabbatmorgen sagte Hans-Peter Royer, Leiter des Fackelträger-Zentrums "Tauernhof" in Schladming (Österreich), Christen sollten aufhören, Schauspieler zu sein und sich besser darzustellen, als sie sind. Denn Heuchelei und Unehrlichkeit seien die Dinge, die Jesus am heftigsten und schonungslos verurteilt habe.

Hoch im Kurs: die Zehn Gebote

Bei keinem der fünf Kongresse, die ich besucht habe, wurde die Bedeutung der Zehn Gebote so stark betont wie hier in Düsseldorf - vermutlich im Zusammenhang mit der durch Maßlosigkeit, Größenwahn und Gier ausgelösten Weltfinanzkrise. Klar, dass durchweg die kirchliche Fassung gemeint war und niemand beispielsweise beim Ruhetaggebot an den Sabbat dachte. Diese "Lücke" wurde zeugnishaft nur durch den am Samstag geschlossenen Stand des DVG "gefüllt", sowohl durch die Mitarbeiter, die für Gespräche zur Verfügung standen, als auch durch das ausgelegte Material (Verteilblätter und Bücher) zum Thema Sabbat. Interessant dennoch, die Aussagen zur Wichtigkeit der Zehn Gebote verschiedener Referenten:


  • "In den Zehn Geboten ist alles geregelt. Auch wenn wir außer ihnen keine weiteren Vorgaben hätten, könnten wir zumindest verantwortungsvoll handeln", sagte Prof. Claus Hipp, der weltweit größte Produzent von Babynahrung.



  • Grundlage einer verantwortlichen Unternehmenskultur seien nach wie vor die Zehn Gebote - nicht nur für Christen, meinte der Präsident des Zentralverbandes des deutschen Handwerks, Otto Kentzler (Dortmund).



  • Der stellvertretende Bundesvorsitzende des Bundes Katholischer Unternehmer und Manager des Henkel-Konzerns, Thomas Müller-Kirschbaum (Düsseldorf), stellte die "Zehn Gebote für Unternehmer" vor - sehr lesenswert (siehe Info-Kasten)!



  • Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider (Düsseldorf), rief die Verantwortlichen in der Wirtschaft auf, sich an den Geboten Gottes zu orientieren, um Maßlosigkeiten zu vermeiden.



  • Fernsehjournalist Peter Hahne meinte, es sei wichtig, die Zehn Gebote wieder zu beherzigen, denn selbst Atheisten wie Gregor Gysi fürchteten sich vor der Vorstellung einer gottlosen Welt.



Hoffnungsträger gefragt

Die Hinwendung zum Glauben ist aus Sicht von Peter Hahne (Berlin) der einzige Weg aus der gegenwärtigen Finanz- und Wirtschaftskrise. Die Rezession könne nur durch einen geistigen Neuanfang bekämpft werden, sagte Hahne zum Schluss des Kongresses. Nötig sei ein Werte-Hilfspaket. Die Väter des Grundgesetzes hätten nach den Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges bewusst den Bezug auf Gott an den Anfang geschrieben. Nicht nur die Überzeugung "Nie wieder Krieg!" sei ihnen eine Lehre gewesen, sondern auch: "Nie wieder eine Gesellschaft ohne Gott!" Auf diese Grundüberzeugung gelte es sich neu zu besinnen. Der beliebte Fernsehmoderator und Buchautor rief die Kongressteilnehmer auf, eine "Ewigkeitsaufbruchsstimmung" zu verbreiten. Gefragt seien nicht Bedenkenträger, sondern Hoffnungsträger.

Ziele erreicht?

Der Präsident des Zentralverbands des deutschen Handwerks, Otto Kentzler (Dortmund), sagte: "Wenn alle das Gehörte umsetzen, können eine Menge Impulse von dem Kongress ausgehen." Und eine Teilnehmerin fasste so ihren Eindruck zusammen: "Es hat mir gut getan, mitzuerleben, wie sich Christen in verantwortungsvoller gesellschaftlicher bzw. wirtschaftlicher Stellung - über alle Unterschiede in der Lehre hinweg - einig darüber sind: Das biblische Menschenbild und die christlichen Werte dürfen nicht länger Privatsache oder Sache einiger weniger Unternehmen bleiben; beides muss aktiv in Gesellschaft und Wirtschaft getragen werden."
Der siebte Kongress christlicher Führungskräfte findet vom 24. bis 26. Februar 2011 in Nürnberg statt. (Elí Diez-Prida)




Kongress-Eindrücke





  • Während des Abendessens unterhalte ich mich mit dem Leiter einer baptistischen Gemeinde aus Schleswig-Holstein. Eine "Sonntagsschule" für Erwachsene kenne er nicht mehr. Ich erzähle ihm davon, dass es bei den Adventisten immer noch die "Sabbatschule" gebe. Dafür sei ihre Gebets- und Bibelstunde während der Woche sehr gut besucht. Da muss ich passen.



  • Was wir als Adventisten tun und veröffentlichen, wird sehr genau beobachtet. Ich begrüße einen Pastor der Baptisten aus dem Raum Kassel, den ich durch die Verlagsarbeit kenne und schätze. Seine zweite Frage lautet: "Bruder Diez, was halten Sie von der Zeitschrift BWgung aus Baden-Württemberg? Ist das nicht ein Konkurrenzblatt zum AdventEcho ?" Da war ich aber sprachlos!



  • Aus 60 Seminaren vier wählen zu müssen, das ist eine Qual ... und auch "Glücksache!". Beim ersten war aus meiner Sicht das Thema verfehlt. Beim zweiten hatte ich ganz andere Erwartungen mit dem Thema geknüpft, es war dennoch interessant. Das dritte musste ich ausfallen lassen und verbrachte die Zeit im Pressezentrum. Das vierte war ein Volltreffer: Bei mehr als 200 Teilnehmern empfand ich so, als würde ich mit Maria zu den Füßen Jesu sitzen, um meine Beziehung zu ihm zu überprüfen und zu vertiefen. Das Thema: "Eines ist nötig ...!" Die Referentin: Noor van Haaften. Gibt es im Kongress-Shop als MP3 zum Herunterladen (Link siehe oben).



  • Das hat mich erschüttert: In den USA meinen 87 Prozent, Christen seien Menschen, die andere verurteilen. 85 Prozent meinen, Christen seien Menschen, die das eine reden und etwas ganz anderes tun.



  • Am Stand von "Open Doors" bekomme ich ein Andachtsbuch geschenkt, das von gefangenen Christen geschrieben wurde, und erfahre, dass weltweit ca. 200 Millionen Christen verfolgt und diskriminiert werden, weil sie sich zu Jesus bekennen.



  • Ich freue mich - mit 3.800 weiteren Personen - auf jeden Auftritt von Johannes Warth, dem "Überlebensberater und Ermutiger" aus Berlin. Wie ein moderner Narr sagt er uns als Unternehmensberater und Christ Dinge durch die Blume, die man sich gerne hinter die Ohren schreibt.



  • Am "Abend der Inspiration" erklärt Pfarrer Rainer Schmidt aus eigener Erfahrung, man solle den Menschen nicht von seinen Defiziten, sondern von seinen Talenten her verstehen. Er ist ohne Unterarme zur Welt gekommen und hat bei den Paralympics (den Olympischen Spielen für Behinderte) als Tischtennisspieler Medaillen gesammelt. "Im Schuhe-Binden bin ich behindert", sagt Schmidt zu Moderator Pompe, "im Tischtennis spielen, Hans-Hermann, vermutlich du". Dann gibt Schmidt eine Kostprobe an der Tischtennisplatte; seinen Schläger befestigt er mit seinem Mund und mit Hilfe von Klettverschlüssen an einer speziellen Halterung.



  • Diese Zitate haben mir gefallen: "Unser Schauen in den Himmel verändert das Gesicht unserer Erde." (Nikolaus Schneider, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland) "Das Maß der Wirtschaft ist der Mensch, das Maß des Menschen aber ist sein Verhältnis zu Gott." (Wilhelm Röpke, einer der Väter der sozialen Marktwirtschaft)



  • Eine adventistische Erstteilnehmerin fühlte sich am Ende des Kongresses gestärkt, besonders durch die Morgenandachten und die Abendgebete: "Die Andachten gingen tief ins Herz, führten zur eigenen Standortbestimmung und bestärkten mich schließlich im Glauben. Ich hätte mir viele Geschwister an meiner Seite gewünscht." (edp)




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