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Musikmissionare mit karibischem Flair

Die kubanische A-Capella-Band Monte de Síon (Foto: Screenshot https://www.cg-badlaasphe.de/%C3%BCber-uns/aktuelles-1/ )

Knapp sieben Wochen tourten kubanische Musikmissionare durch Deutschland. idea-Redaktionsleiterin Daniela Städter hat sie getroffen.

Wo sie auftauchen, herrscht karibisches Flair. Die kubanische Band „Monte de Sión“ (Berg Zion) – bestehend aus Luis Felipe Pérez de Corcho, Derlys Villamil, Ornán Cabrera, Richard Fernández sowie Yasleidy Toledo aus Santa Clara – befindet sich derzeit auf Deutschlandtour. Die Musikmissionare sind zum ersten Mal in Deutschland. Eine für sie fremde und faszinierende Welt. In den Kirchengemeinden geht es deutlich ruhiger zu, auf den Straßen hält sich jeder an Regeln: Wer U-Bahn fährt, kauft ein Ticket, wer sein Auto abstellt, zieht einen Parkschein – obwohl es oft niemand kontrolliert. „Das würde in Kuba so nicht funktionieren“, erzählen sie und lachen. „Bei uns müsste direkt kontrolliert werden.“ Dass sie jetzt in Deutschland sein können, geht auf „Hilfe für Brüder International“ zurück. Der Direktor des Werks, Ulrich Weinhold (Stuttgart), und die Projektmanagerin Dorothee Kuhs lernten die Band in Kolumbien kennen. Nun waren die Kubaner vom 18. Mai bis zum 3. Juli mit Kuhs unterwegs: Sie sangen in kleinen Gemeinden, hatten Auftritte bei großen Pfingstkonferenzen, etwa in Stützengrün und Bobengrün, und auch beim Stabwechsel der Generalsekretäre der Deutschen Evangelischen Allianz waren sie als Überraschungsgäste dabei.

Eine unpolitische Botschaft

Beim Besuch der Band in der idea-Redaktion wird schnell klar: Kuba ist ein Land, in dem es viele Freiheiten noch nicht gibt. Es wäre „auf keinen Fall ratsam, über sämtliche Angelegenheiten offen zu sprechen. Es gibt Themen, die besser ausgespart werden sollten“, sagt Kuhs vorab, etwa Gespräche über die Regierung. Aber über ihre Arbeit und die christlichen Gemeinden berichten die Kubaner gerne. Die Kirchen wachsen, erzählen sie. Nicht mehr so wie noch in den 90er-Jahren nach dem Zerfall der Sowjetunion. Damals habe es eine Erweckung gegeben, berichtet Fernández. Die Kubaner hätten weiterhin eine Sehnsucht nach Gott, aber die digitale Entwicklung und die sozialen Netzwerke machen auch vor Kuba nicht halt. Die Bewohner des Landes bekämen nun stärker mit, wie das Leben in anderen Ländern aussehe. Viele flüchteten. „Monte de Sión“ hält dem eine unpolitische Botschaft entgegen: „Das Evangelium ist nicht allein dazu da, um unsere irdischen Probleme zu lösen. Sondern es ist unsere riesige Hoffnung – über dieses Leben hinaus auf ein Leben in Ewigkeit.“

Menschen werden verändert

Immer wieder erleben sie, dass Menschen verändert werden. So kam nach einem Konzert in Kuba der Jugendpastor der örtlichen Gemeinde zu ihnen und berichtete, dass er acht Jahre zuvor auf einem Konzert der Band gewesen sei – es sei sein erster Besuch einer Kirche gewesen und er sei danach Christ geworden. Weil die Botschaft im Vordergrund steht, ist es für die Band auch selbstverständlich, am Ende die Besucher aufzurufen, nach vorne zu kommen und öffentlich zu zeigen, dass sie ihr Leben Christus übergeben wollen.

Der Alltag ist hart

Auch wenn sich seit den 90er Jahren einiges verbessert hat, so kämpfen die Bewohner des Landes bis heute mit den alltäglichen Herausforderungen. Die Wirtschaft Kubas ist weiterhin am Boden. Wer schon einmal vor Ort war, weiß, wie schlecht Straßenverhältnisse sind, dass es kaum Autos gibt, teilweise noch mit Ochsen das Ackerland bestellt wird, man für Lebensmittel anstehen muss, es nicht immer Strom gibt. Die evangelikalen Gemeinden erhalten häufig Unterstützung aus dem Ausland. Sie würden sich wünschen, unabhängiger von Geldgebern aus dem Ausland zu sein, betont Fernández. Doch das ist schwierig. Pastoren bekommen oft nur ein ganz kleines Gehalt, viele Gemeinden können gar keinen Geistlichen anstellen. Christliche Touristen können durchaus ein Segen sein, betont Fernández: „Warum nicht einen Spanischkurs auf Kuba bei einer christlichen Familie statt in Spanien machen und sie dadurch unterstützen? Oder einen Salsa-Kurs buchen? Oder Beratung bei der Eröffnung eines Restaurants anbieten oder in einer ,Casa Particular‘ von Christen übernachten (Zimmer, die Kubaner den Gästen in ihrem Haus anbieten, Anm. d. Red.)?“ Möglichkeiten im Kleinen gibt es durchaus, sagt auch Kuhs. Kontakte ließen sich entweder über auf der Insel vertretene Werke oder direkt vor Ort bei einem Kurzeinsatz knüpfen.

„Niemand kommt zum Vater denn durch mich“

Nun hat sich, während das Team in Deutschland war, ein neuer Verband in Kuba gebildet – sieben evangelikale Freikirchen haben sich zu einer Allianz zusammengeschlossen. Fernández ist dankbar dafür: „Seit über 15 Jahren beten wir dafür. Uns geht es um Kooperation, damit noch mehr Menschen Christus kennenlernen.“ Ein weiterer Grund für den Zusammenschluss dürfte auch sein, dass diese sieben evangelikalen Gemeinden – die über 80 Prozent der Christen im Land ausmachen – sich von dem 1941 gegründeten Rat Kubanischer Kirchen nicht repräsentiert fühlen, welcher sehr eng mit den kommunistischen Machthabern zusammenarbeitet. Durch den Zusammenschluss können sie sich gegenseitig stärken. Doch dazu kein Wort von der Band, denn das ist nicht ihr Kernauftrag. „Monte de Sión“ selbst hat innerhalb der Kirchenlandschaft überhaupt keine Berührungsängste und ist in ganz Kuba in unterschiedlichen Kirchen unterwegs: Die Band spielt in liberalen und konservativen protestantischen Gemeinden ebenso wie bei Katholiken. Das unterscheidet sie nach eigenen Angaben von vielen anderen Bands, die dann doch lieber im eigenen Milieu bleiben. Fernández: „Uns geht es um den Kern. ,Niemand kommt zum Vater denn durch mich‘, sagt Jesus. Das verbindet uns alle, diese Botschaft bestimmt unsere Konzerte.“ Nun flogen sie am 3. Juli wieder zurück nach Kuba – und werden sich im Alltag über ganz andere Dinge Gedanken machen müssen. Fernández: „Aber unsere Freude ist Gott – und die kann uns keiner nehmen.“


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