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Mehr Differenzierung beim Umgang mit religiösen Herausforderungen

("Adventisten heute"-Aktuell, 20.4.2012) Die Koran-Verteilaktionen der Salafisten in deutschen Innenstädten haben eine erhöhte mediale Aufmerksamkeit erfahren. Leider zeigt sich in den Reaktionen hierauf erneut die große Unsicherheit von Politik und Gesellschaft, wie mit derartigen - für die meisten als befremdlich empfundenen Erscheinungen - angemessen umgegangen werden soll. Während die kostenlose Verteilung von religiösem Schrifttum als solche sicher in den Schutzbereich der positiven Religionsfreiheit fällt, erscheint es bedrohlich, dass diese Freiheit jetzt gerade von einer Organisation in Anspruch genommen wird, die wegen ihrer demokratiefeindlichen Einstellung im Visier des Verfassungsschutzes steht.
Das sollte jedoch kein Anlass sein, über eine Einschränkung der Religionsfreiheit nachzudenken. Es besteht die Gefahr, in undifferenzierte Abwehrmechanismen zu verfallen, wie es zuletzt sogar in einer ansonsten so seriösen Sendung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens im "Wort zum Sonntag" zu beobachten war. In der Ausstrahlung des NDR vom 14. April hat der katholische Hochschulseelsorger Wolfgang Beck den Umgang mit Alltagskompromissen thematisiert. Hierbei kritisierte er Gruppierungen, die auf alles eine allein gültige Antwort zu haben glauben und streng und kompromisslos mit sich und anderen ihren Weg gehen. Übertriebene Gewissensskrupel, rechthaberisches Bestehen auf der Wahrheit und ein schlichtes Schwarz-Weiß-Denken sind sicher Dinge, die vor dem Hintergrund des Evangeliums kritikwürdig sind. Es stellt aber eine schlimme Entgleisung dar, wenn, wie Beck es getan hat, "Pius-Brüder, evangelikale Christen und Salafisten" unterschiedslos in dieselbe Ecke gestellt werden, weil sie sich bemühten, Leben und Predigt in Übereinstimmung zu bringen und damit mehr Gemeinsamkeiten hätten, als ihnen wahrscheinlich lieb sei. Etwas mehr Differenzierung muss beim Umgang mit religiösen Herausforderungen unserer Zeit schon geleistet werden. (APD)

Der Jurist Dr. Harald Mueller leitet das Institut für Religionsfreiheit an der Theologischen Hochschule der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Friedensau bei Magdeburg.

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