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Massaker in Norwegen: Entsetzen, Fürbitte, Klarstellungen

("Adventisten heute"-Aktuell, 29.7.2011) Die Anschläge in Norwegen haben weltweites Entsetzen ausgelöst, aber auch Fürbitte, Solidarität und ein Nachdenken über die Gefahr, voreilige Mutmaßungen anzustellen und irreführende missverständliche Begriffe zu gebrauchen.
Bei den Anschlägen in Norwegen am 22. Juli 2011 kamen 76 Menschen ums Leben - acht davon durch eine Explosion in der Nähe eines Regierungsgebäudes im Zentrum der norwegischen Hauptstadt Oslo, 68 etwa zwei Stunden später bei einem Feriencamp auf der Insel UtÃẁya.

Fürbittegottesdienste

In vielen Freikirchen wurde in Deutschland - sowohl spontan als auch in hierfür anberaumten Gottesdiensten - für die Betroffenen des Massakers gebetet, so zum Beispiel am 27. Juli auf Einladung der Evangelischen Allianz Darmstadt in der evangelischen Johanneskirche. Etwa 120 Personen hörten die Predigt von Pastor Michael Mainka (Adventgemeinde Darmstadt-Marienhöhe), und drückten ihre Betroffenheit und Anteilnahme in Liedern, Psalmengebete und Fürbitten aus. Die Kollekte am Schluss des Gottesdienstes wurde für ADRA, die adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe, gesammelt. Norwegen brauche zwar nicht unser Geld, sondern eher unsere Gebete, woanders aber sei finanzielle Hilfe dringend nötig, z. B. in Ostafrika.

VEF: eine besonders "schändliche Form der Gotteslästerung"

Zum Massenmord in Norwegen gab es eine Erklärung des Vorstands der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF). Darin heißt es u. a.: Der Täter verstehe sich als Retter einer "europäisch-christlichen Kultur". Er missbrauche dabei den Begriff christlich, um Angst bis hin zum Hass gegen "das Fremde" zu rechtfertigen. "Das Fremde" seien aber auch Menschen. "Für diesen Hass, wie er in dem Massaker seinen Menschen verachtenden tödlichen Ausdruck fand, gibt es aber keine Rechtfertigung", betonte der VEF-Vorstand.
Die Liebe zu Gott und den Menschen sei das Zentrum des christlichen Glaubens und Vertrauens. "Sie ist der Maßstab dessen, was wir unter christlicher Nachfolge verstehen." Diese Liebe gelte ausdrücklich auch dem Fremden. Das Gebot der Nächstenliebe verpflichte Christen, den Schwachen und Bedürftigen beizustehen und das Wohl aller Menschen zu suchen. Wer Menschen verletze und töte, wie Anders Breivik es getan habe, könne sich nicht auf Christus berufen. Eine solche Tat sei laut Erklärung vielmehr "eine besonders schändliche Form der Gotteslästerung".

Vorsicht beim Begriff "christlicher Fundamentalismus"

Pastor Dr. John Graz (Silver Spring, Maryland, USA), Direktor für Öffentliche Angelegenheiten und Religionsfreiheit der Weltkirchenleitung der Siebenten-Tags-Adventisten, riet in diesem Zusammenhang zur Achtsamkeit bei der Verwendung von Begriffen wie "christlicher Fundamentalismus". "Solche Taten sind christlichen Lehren und Werten völlig fremd", unterstrich der Experte für Religionsfreiheit. "Gewalt, die im Namen des Christentums ausgeführt wird, ist eine absolute Verzerrung jener Religion, die ihre Entstehung Jesus Christus, dem ‚Fürst des Friedens', verdankt."
"Extremistisch" sei eine passendere Bezeichnung einer Ideologie und Verhaltensweise, die sich weit außerhalb der Norm einer christlichen Glaubensgemeinschaft bewege. "Es besteht die Gefahr, dass die Abgrenzung zwischen dem, was man unter ‚Fundamentalismus' und unter ‚konservativen christlichen Werten' versteht, immer mehr verwischt wird, sodass sich vorherrschende Missverständnisse über verschiedene religiöse Traditionen weiter vertiefen könnten", so Graz. "Wir müssen unsere Bemühungen verstärken, um das Verständnis und den Respekt zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen zu fördern", hob Dr. John Graz hervor.

Attentäter ist kein bekennender Christ

Der mutmaßliche norwegische Attentäter Anders Behring Breivik (32) ist kein bekennender Christ. Er gehört keiner evangelikalen oder pietistischen Gemeinschaft an. Das teilte der Generalsekretär des Norwegischen Rates für Mission und Evangelisation, Rolf Ekenes (Oslo), dem Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb (Stuttgart), auf Anfrage mit.
Wie Ekenes betont, sei Breiviks schreckliche Bluttat unvereinbar mit christlichem Gedankengut und christlicher Ethik. Wenn er sich als Christ bezeichne, so meine er damit die Zugehörigkeit zu einer christlichen Kultur in Abgrenzung von einer muslimischen oder anders gearteten. Die Polizei und einige Medien hatten den Attentäter in missverständlicher Weise als "christlichen Fundamentalisten" beschrieben. Breivik bezeichnete sich zwar selbst als Christ, ist aber Mitglied einer Freimaurerloge und verfolgte laut seines 1.500 Seiten starken Manifests das Ziel einer Revolution gegen die multikulturelle Gesellschaft, den Islam und den Kommunismus.

Anteilnahme der norwegischen Adventisten

Kurz nach dem Geschehen drückte Pastor Reidar Kvinge, Präsident der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Norwegen, die Anteilnahme der dortigen Adventgemeinden aus. . "Die brutale Tragödie, welche die jungen, begeisterten Menschen in UtÃẁya erlitten haben, darf in Norwegen nicht dazu führen, dass Hass vorherrscht", unterstrich Pastor Kvinge. "Trotzdem sind wir entsetzt über die grausame Missachtung menschlichen Lebens, die diese Handlungsweise offenbart."
Die Büros der adventistischen Kirchenverwaltung und ein Gymnasium der Freikirche liegen nur wenige Kilometer von der Insel im Tyrifjord, einem Binnensee nahe der Hauptstadt, entfernt. Auf Anraten der Polizei war am Samstag, 23. Juli, kein Gottesdienstes durchgeführt worden. (In Norwegen leben 4.621 erwachsen getaufte Adventisten in 62 Gemeinden.) "Wir bitten unsere Mitglieder und Gemeinden in den Gebeten jener zu gedenken, die verletzt sind, leiden oder einen Menschen verloren haben. Als Adventisten wollen wir mit anderen die Hoffnung teilen, die wir in Jesus Christus gefunden haben", sagte Reidar Olsen, Pastor der Osloer Adventgemeinde. (APD/idea/hw/edp)

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