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Liebenzeller Mission war vom NS-Regime geblendet

("Adventisten heute"-Aktuell, 29.5.2015) Eines der größten deutschen Missionswerke, die Liebenzeller Mission, hat ihre Verflochtenheit mit dem Nationalsozialismus öffentlich gemacht. Beim Pfingstmissionsfest am 24. Mai in Bad Liebenzell (Nordschwarzwald) präsentierte die Missionsleitung den mehr als 4.100 Besuchern Forschungsergebnisse über die Jahre 1933 bis 1945. Sie zeigen den Einfluss der NS-Ideologie auf das Missionswerk.
"Wie viele andere damals hat man bei der Liebenzeller Mission Adolf Hitler und das ganze NS-Regime nicht durchschaut", fasste der Direktor der Liebenzeller Mission, Pfarrer Detlef Krause, die rund 500-seitige Studie von Prof. Helmuth Egelkraut (Unterweissach bei Stuttgart) zusammen. Bis vor kurzem habe man nicht gewusst, wie sehr die früheren Missionsleiter Heinrich Coerper (1863-1936) und sein Nachfolger, Pfarrer Ernst Buddeberg (1873-1949), sich vom Glanz und der Gewalt des NS-Regimes blenden ließen.

Jeder zweite Missionar war NSDAP-Mitglied

Laut Egelkraut haben beide Theologen nicht nur die damals übliche patriotische Gesinnung der meisten Deutschen geteilt, sondern bereits vor 1933 "klare, zustimmende und nicht selten euphorische Worte für den neuen aufstrebenden Führer" gefunden. Sie hätten einen wachsenden katholischen, kommunistischen und jüdischen internationalen Einfluss in Deutschland gefürchtet und Hitler als ein Geschenk Gottes betrachtet. Auch viele Missionare seien Nationalsozialisten gewesen, jeder zweite habe der NSDAP angehört. Die Liebenzeller Mission habe eine "deutsche Mission" sein und ein "deutsches Evangelium" als "deutsche Kulturaufgabe" dieser Welt bringen wollen.

Bitte um Vergebung

Die Ergebnisse haben das Leitungskomitee der Liebenzeller Mission zu einem öffentlichen Schuldbekenntnis veranlasst. Darin heißt es: "Wir sind erschrocken darüber, dass auch die Liebenzeller Mission der Verführung des NS-Regimes erlegen ist und es damit zu keinem klaren christlichen Bekenntnis und zu Versäumnissen im praktischen Handeln kam. Es ist bedrückend, dass man in Adolf Hitler den von Gott gesandten und bestätigten Führer sah und ihm gegenüber eine völlig unkritische Haltung einnahm." Aus Sorge um den Fortbestand der Arbeit und der Versorgung der Missionare habe die Mission geschwiegen, wo sie ihre Stimme hätte erheben müssen.
Das Komitee bittet alle, "denen wir oder unsere Vorgänger in der Verantwortung für das Werk der Liebenzeller Mission die notwendige Hilfe und Unterstützung versagt haben, die unter politischen Druck gesetzt worden oder zu Schaden gekommen sind, um Vergebung". Dies bedeute nicht, sich zum Richter über die Vorgänger aufzuspielen: "Wir wissen um unsere eigene Unzulänglichkeit. Auch wir werden an anderen Menschen schuldig und merken oft erst im geschichtlichen Rückblick, wo wir wohlmeinend Irrwege gegangen sind. Gott allein spricht das letzte Urteil über jeden Menschen. Wir leben von seiner Barmherzigkeit und Vergebung."

Entsetzen über die damalige Haltung zum Judentum

Ein besonderes Entsetzen habe die damalige Stellung der Liebenzeller Mission zum Judentum ausgelöst. Das jüdische Volk sei als "ein Fluch für die Völker" bezeichnet worden. Mitarbeiter seien angewiesen worden, keine jüdischen Ärzte aufzusuchen. Von einigen gläubigen christlichen Mitarbeitern jüdischer Abstammung habe man sich distanziert, anstatt ihnen die Hilfe zuteilwerden zu lassen, die der Liebe Christi gemäß gewesen wäre. "Wir bitten voller Scham um Entschuldigung für die öffentlichen Äußerungen der damaligen Leitung", heißt es in der Erklärung des Komitees.

Rund 230 Missionare in 26 Ländern

Die Liebenzeller Mission beschäftigt heute rund 230 Missionare in 26 Ländern. Sie gründen Gemeinden, bilden aus, helfen in akuten Notlagen und befähigen zur Selbsthilfe. Außerdem weckt sie bei Kindern und Jugendlichen Interesse für die Mission. Zwei Kindermissionsfeste und ein Teenagermissionstreffen zwischen Himmelfahrt und Pfingsten hatten rund 7.500 Teilnehmer. (idea)
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