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Hausunterricht in Deutschland, den USA und England

(AdventEcho online, 23.1.2009) In Deutschland machen sich Eltern strafbar, wenn sie ihre Kinder selbst lehren und nicht auf eine öffentliche Schule schicken. In vielen anderen Ländern ist der Hausunterricht hingegen erlaubt; in den USA erfreut sich diese alternative Bildungsform wachsender Beliebtheit. Wie aus einer jetzt veröffentlichten Statistik des Bildungsministeriums in Washington hervorgeht, ist die Zahl der Hausschüler von 1999 - der ersten Erhebung - bis 2007 um 77 Prozent auf rund 1,5 Millionen gestiegen. Das entspricht 2,9 Prozent der gesamten Schülerzahl in den Vereinigten Staaten.
Bei der jüngsten Umfrage unter etwa 10.000 Eltern von Schulkindern wurde auch nach den Gründen für den Hausunterricht gefragt. Mehr als ein Drittel (36 Prozent) der Hausschuleltern gab an, dass für sie vor allem die Sorge um eine religiöse und moralische Erziehung an öffentlichen Schulen ausschlaggebend sei. Weitere 21 Prozent sind unzufrieden mit dem generellen Umfeld an den Schulen und 17 Prozent mit der Qualität des Unterrichts. Hausschüler kämen inzwischen aus allen gesellschaftlichen Schichten, erklärte Michael Smith, Präsident der Vereinigung zur Verteidigung von Hausunterricht mit Sitz in Purcellville (Bundesstaat Virginia).

Deutsche Eltern riskieren Verlust des Sorgerechts

Hausunterricht ist nicht nur in den USA zulässig, sondern auch in europäischen Ländern wie Dänemark, Finnland und Österreich. Dort herrscht zwar Unterrichtspflicht, doch dürfen die Eltern ihre Kinder auch selbst lehren. In Deutschland ist das nicht erlaubt. Gerichte haben mehrfach Zwangsmaßnahmen - von Geld- bis Freiheitsstrafen - gegen Eltern erlassen, die etwa aus Glaubensgründen ihre Kinder unterrichten.
Einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs (Karlsruhe) zufolge kann Hausschuleltern zumindest teilweise das Sorgerecht entzogen werden. Es liege im Interesse der Allgemeinheit, der Entstehung von religiös oder weltanschaulich geprägten Parallelgesellschaften entgegenzuwirken, hieß es zur Begründung. Manche Familien sind wegen drohender Entziehung des Sorgerechts ins Ausland gezogen. Nach Angaben der Initiative "Schulunterricht zu Hause" (Dreieich bei Frankfurt am Main) unterrichten in Deutschland zwischen 500 und 1.000 Familien ihre Kinder selbst. Amtliche Zahlen sind nicht bekannt.

Sorge über Missbrauch des Hausunterrichts in England

Die vom Oberhaus eingesetzte Ministerin für Kinder, Schulen und Familien, Baronin Delyth Morgan of Drefelin, hat aus Sorge über Missstände beim Hausunterricht eine Untersuchung angeordnet. Tausende Kinder, die den Schulen fernblieben, stünden in Gefahr, missbraucht und vernachlässigt oder zur Kinderarbeit herangezogen zu werden, berichtet die Zeitung Times (London). Schätzungsweise erhielten in England etwa 20.000 Kinder Hausunterricht; weitere 20.000 seien ohne Schulbildung, weil sie die Schule vor dem 16. Lebensjahr verlassen hätten. Anders als in Deutschland besteht in Großbritannien keine Pflicht, eine öffentliche Schule zu besuchen; die Verantwortung liegt allein bei den Eltern. Die Kommunen und Grafschaften müssen lediglich eine Liste der Schulverweigerer führen und eingreifen, wenn ein Kind keine "geeignete" Bildung erhält. Was als "geeignet" gilt, ist nicht näher definiert.
Bei einer vor kurzem vorgenommenen Studie hatten 89 Prozent der Befragten - Eltern, Schulbehörden, Jugendämter und Schulen - beklagt, dass sie aufgrund der unklaren Regeln nicht wüssten, wie sie ihrer Aufsicht über Kinder im Hausunterricht nachkommen sollten. Die 47-jährige Labour-Ministerin sagte, sie habe keinen Zweifel, dass die meisten Eltern beim Hausunterricht gute Arbeit leisteten, aber in einigen Extremfällen könne er auch als Deckmantel für Missbrauch dienen. Man vermute, dass manche Eltern ihre Kinder nicht zur Schule schickten, damit sie auf ihre Geschwister aufpassen oder Geld verdienen. Andere Kinder würden einfach alleingelassen. Auch könne es zu Zwangsverheiratungen kommen. (idea)

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