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Haiti: Mehr Opfer unter den Adventisten als zunächst angenommen

("Adventisten heute"-Aktuell, 29.1.2010) Das schwere Erdbeben in Haiti hat unter den Siebenten-Tags-Adventisten mehr Opfer gefordert als zunächst angenommen. Wie der Präsident der dortigen Freikirche, Pastor Mathias T. Saint-Pierre (Port-au-Prince), in einem Dankesschreiben den Adventisten in Deutschland am 27. Januar mitteilte, starben bei der Katastrophe 520 Mitglieder; 650 wurden verletzt. Bisher war von 304 Toten die Rede gewesen.
Außerdem wären etwa 27.000 Adventisten obdachlos. Viele von ihnen seien in den 75 Zeltlagern auf dem Gelände adventistischer Kirchen und Zentren untergebracht. In Haiti habe das Erdbeben 55 adventistische Kirchen zerstört und 43 weitere beschädigt. In dem Inselstaat leben 355.000 erwachsen getaufte Siebenten-Tags-Adventisten in 470 Gemeinden, die von rund 100 Pastoren betreut werden.
Pastor Saint-Pierre dankte den deutschen Adventisten für ihre "geistliche und materielle Unterstützung". Es werde noch lange dauern, bis das Schlimmste überstanden sei. "Wir werden nicht nur kurzzeitig, sondern langfristig Beistand benötigen, und vor allem die Gebete eines jeden Einzelnen von euch."

Gedenkgottesdienst in Friedensau

In einem Gottesdienst gedachten Studierende und Mitarbeiter der Theologischen Hochschule Friedensau der Opfer der Erdbebenkatastrophe in Haiti. Sechs junge Männer aus dem Karibikstaat studieren derzeit an der Hochschule. Jeder von ihnen hat durch das Erdbeben am 12. Januar 2010 Freunde oder Verwandte verloren.
Angesichts der Bestürzung und der Trauer lassen sich nur schwer angemessene Worte finden, so Pastor Gerald Hummel. Er zitierte die 1945 im zerstörten Dresden komponierte Trauermotette von Rudolph Mauersberger: "Wie liegt die Stadt so wüst, die voll Volks war. Darum ist unser Herz betrübt und unsere Augen sind finster geworden." In einem Fürbittengebet entzündeten die haitianischen Studenten als Zeichen der Hoffnung Kerzen für das zerstörte Haiti, für die Helfer vor Ort und als Erinnerung an ihre Angehörigen und Freunde. Mit dem Choral "Befiehl du deine Wege" von Paul Gerhardt verbanden sich der Wunsch und das Gebet, nicht in der Resignation zu verbleiben, sondern neue Zuversicht zu gewinnen.
Karly Simon, einer der Friedensauer Studenten aus Haiti, befand sich während des Gedenkgottesdienstes bereits auf dem Weg in sein Heimatland. Er wird im Auftrag von ADRA als Dolmetscher fungieren und mit seinen Landeskenntnissen die Katastrophenhilfe vor Ort unterstützen.

ADRA Deutschland verstärkt Einsatz-Team in Haiti

Wie Heinz-Hartmut Wilfert (Weiterstadt), Pressesprecher von ADRA Deutschland, mitteilte, flogen am 27. Januar vier Fachkräfte der Adventistischen Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA Deutschland nach Port-au-Prince: Rainer Vollstädt, Ingenieur, für den Aufbau und den Betrieb der Wasseraufbereitungsanlage; der haitianische Student Karly Simon (Friedensau bei Magdeburg) als Assistent und Übersetzer, um einheimische Kräfte für die Bedienung der Anlage ausbilden zu können; Frau Siriski für die Entwicklung von Wiederaufbauprojekten und Jan Barta zur Überwachung der Programme vor Ort.
Zwei Tage zuvor, am 25. Januar, startete der Transport von drei 4.000-Liter-Wassertanks und der Aufbereitungsanlage samt den technischen Geräten mit dem Gemeinschaftsflug der Lufthansa Cargo, dem Technischen Hilfswerk (THW) und der "Aktion Deutschland Hilft", zu der auch ADRA gehört.
Noch in dieser Woche folgten 6.000 Hygiene-Pakete für Kleinkinder und Erwachsene, für die schnelle Verteilung an die Empfänger von Schülerinnen und Schüler der Hessenwaldschule in Weiterstadt-Gräfenhausen in ehrenamtlicher Arbeit fertig verpackt. ADRA Deutschland werde sich im Rahmen des Gesundheits- und Hygieneprogramms außerdem um die Errichtung von Latrinen- und Sanitäranlagen kümmern, teilte Wilfert mit.

ADRA versorgt Obdachlose und Kinder in Haiti

Am 25. Januar verteilte ADRA 45 Tonnen Reis, Bohnen, Speiseöl und Salz an ungefähr 15.000 Obdachlose, die auf dem Campus der Adventistischen Universität im Südwesten von Port-au-Prince leben, berichtet Julio MuÃḟoz, Mitglied des ADRA-Katastropheneinsatzteams in Haiti. Die örtliche Polizei und brasilianische UNO-Soldaten hätten für die Sicherheit während der Verteilung gesorgt. Das sei nur eine von mehreren Nahrungsmittelverteilungen gewesen, die ADRA seit dem Erdbeben organisiert habe.
Auch am 23. Januar habe ADRA Nahrung, Wasser, Kleidung und medizinische Hilfsgüter für 3.300 Personen an elf Plätzen in der Katastrophenregion ausgegeben. Über eintausend dieser Hilfsempfänger seien, so MuÃḟoz, Kinder in Waisenheimen des Hauptstadtviertels Carrefour gewesen. Sie hätten Grundnahrungsmittel, wie Brot, Bananen, Reis, Energiekekse und Milch, aber auch Windeln sowie 8.000 Flaschen mit einem Elektrolytgetränk erhalten, das den Flüssigkeitsverlust aufgrund von Durchfall oder Erbrechen ausgleiche.
ADRA habe außerdem für rund 2.000 Kinder in zwei Schulen fast 5.500 Kilogramm Pintobohnen, 2.880 Liter Speiseöl, 500 Kilogramm Salz und 20.000 Energiedrinks verteilt - Lebensmittel, die vom Welternährungsprogramm (WFP) und von der Spanish International Cooperation Agency (AECID) bereitgestellt worden seien. "Im Großraum der Hauptstadt gibt es immer noch Millionen Menschen, die auf grundlegende Hilfe angewiesen sind", betonte MuÃḟoz.

Andere Teile der Insel versorgen

Wie ADRA-Mitarbeiter Fritz Neuberg aus Port-au-Prince berichtete, werde nun in der Stadt Leogane ein zweites Einsatzzentrum von ADRA errichtet. Leogane liege dem Bebenzentrum noch näher. Die ersten Eindrücke zeigten eine Stadt, die zu 90 Prozent zerstört ist. "Bisher ist dieser Teil der Insel nur wenig beachtet worden, weil sich alles auf Port-au-Prince konzentriert. Wir werden uns als ADRA Deutschland besonders der Städte auf der Halbinsel annehmen", meint Fritz Neuberg. Eine besondere Herausforderung stellen die tausende von Kindern dar, die unbeaufsichtigt umherirren. ADRA Deutschland sieht hier einen Schwerpunkt der weiteren Arbeit.

Kirchen und Evangelikale fordern Schuldenerlass für Haiti

Während die Katastrophenhilfe im Erdbebengebiet von Haiti auf vollen Touren läuft, richten sich die Blicke zunehmend auf den Wiederaufbau. Einen Schuldenerlass fordern christliche Dachorganisationen und führende US-Evangelikale für das ärmste Land der westlichen Hemisphäre. Etwa jeder zweite der rund zehn Millionen Einwohner Haitis musste bereits vor der jüngsten Naturkatastrophe mit weniger als einem US-Dollar (etwa 0,70 Euro) pro Tag auskommen. Das Erdbeben vom 12. Januar und mehrere Nachbeben haben nach aktueller Schätzung etwa 170.000 Menschenleben gefordert. Annähernd 200.000 Personen wurden verletzt, und bis zu eine Million sind obdachlos. Organisationen aus aller Welt, darunter zahlreiche christliche Werke, arbeiten fieberhaft an der Hilfe für die Notleidenden. (APD/ADRA/idea/ThHF/edp)


KLEINE BILDERGALERIE


Friedensauer Studenten aus Haiti entzündeten in einem Fürbittengebet Kerzen für ihre Heimat. (Foto: Dietmar Päschel)


Haitihilfe Hessenwaldschule

Schülerinnen und Schüler der Hessenwaldschule in Weiterstadt-Gräfenhausen boten ihre Hilfe an, um 6.000 Hygiene-Pakete für Kleinkinder und Erwachsene verteilgerecht zusammenzustellen und zu packen. (Foto: ADRA)

Fritz Neuberg und ADRA-Team

ADRA Deutschland-Mitarbeiter Fritz Neuberg (rechts) koordiniert und berichtet von Anfang an aus den Einsatzorten. (Foto: ADRA)


Haiti Zeltstadt

Unter Zeltdächern werden die Überlebenden des Erdbebens mit dem Nötigsten versorgt. (Foto: ADRA)


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