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Gehört den Freikirchen die Zukunft? - Pro und Kontra

("Adventisten heute"-Aktuell, 17.1.2014) Die Aussage des Tübinger Theologieprofessors Jürgen Moltmann, wonach die Zukunft der Kirche freikirchlich geprägt sei, hat für kontroverse Debatten gesorgt. idea bat zwei Theologen, Stellung zu nehmen. Beide kennen sowohl die Landeskirche als auch freikirchliche Gemeinden aus ihrem eigenen Dienst.

Pro: Die Landeskirche hat ihre Zukunft schon hinter sich

Die Zukunft gehört der echten Gemeinde Jesu, denn nur ihr gilt die Verheißung des Herrn, dass sogar die Pforten der Hölle sie nicht überwinden werden (Matthäus 16,18). Echte Gemeinde Jesu ist dort, wo Gottes Wort (bibel-)treu gepredigt und Jesus als der angebetet wird, den das Apostolische Glaubensbekenntnis ehrt.
Luthers Definition der wahren Kirche als "die heiligen Gläubigen und die Schäflein, die ihres Hirten Stimme hören" (Schmalkaldische Artikel) ist bis heute nicht überholt. Die Zukunft der Kirche ist damit keine Frage der Struktur oder Institution, sondern der Theologie.
Deshalb haben in Deutschland die Landeskirchen ihre Zukunft bereits hinter sich, selbst wenn das Kirchensteuersystem den institutionellen Koloss noch eine Weile am Leben halten wird. Sie haben ihre Führung, Überzeugung und Ausbildung weitgehend dem Diktat der Bibelkritik und des Zeitgeistes unterworfen. Homo-Ehen in Pfarrhäusern und ein Ratsvorsitzender, der Jungfrauengeburt und Sühnebedeutung des Kreuzes Jesu zur Disposition stellt, sind nur die Spitzen des Eisbergs. Einzelne bibeltreue Inseln bestätigen wie kleine gallische Dörfer als Ausnahme die Regel.
Freikirchen sind für die Zukunft nicht zwangsläufig, sondern nur dann besser aufgestellt, wenn sie ihrem Namen Ehre machen, also frei und kirchlich arbeiten: frei von der Bevormundung durch liberale, postmoderne Inhalte, die den evangelistischen Eifer ersticken; kirchlich durch gesunde innergemeindliche Leitungsstrukturen und solide biblische Lehre, die sie davor bewahren, sektiererisch ihr eigenes frömmigkeitstypisches Süppchen zu kochen. Darum wird auch eine Freikirche nur überleben, wenn sie nicht in die "Traditionsfalle" tappt, sondern die biblischen Inhalte der jeweils nachwachsenden Generation unverkürzt liebmacht.

Der Autor, Wolfgang Nestvogel, ist Pastor der (freien) Bekennenden Evangelischen Gemeinde Hannover (www.beg-hannover.de). Der promovierte Theologe stand bis 1998 im Dienst der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers.


Kontra: "Eng definierte religiöse Interessen"

Freikirchen sind - von Ausnahmen wie den Methodisten abgesehen - gar keine "Kirchen". Es handelt sich meist um lose Zusammenschlüsse autonomer Gemeinden mit sehr unterschiedlichen Prägungen. Wofür sie inhaltlich stehen, lässt sich bei den zwischengemeindlichen Gegensätzen oft schwer sagen. Mir fehlen stimmige theologische Konzepte sowie eine gemeindeübergreifende Solidarität mit verbindlichen Vereinbarungen.
Freikirchliche Gottesdienste sind manchmal ansprechend gestaltet! Ich habe mich aber zunehmend an einem hemdsärmeligen "Theotainment" gestört. Denn ich will in einem Gottesdienst nicht religiös unterhalten werden, sondern suche fundierten Halt, Trost und Gewissheit sowie eine lebenskluge Auslegung der Bibel, die mich nicht in eine einfältige fromme Parallelwelt entführt. Was ich an landeskirchlichen Gottesdiensten genieße, ist eine stilsichere Feier des "Heiligen" ohne geschwätzige Übermoderation und mit einer stimmigen Liturgie, an der ich nicht nur als Zuschauer beteiligt bin. Dagegen kam mir das freikirchliche Gemeindeleben oft profan und vereinsmeierisch vor.
Freikirchliche Gemeinden können schnell das Gefühl kleinbürgerlicher Enge und religiöser Weltfremdheit hervorrufen. Ich vermisse öffentlich wahrnehmbare Impulse zu den Herausforderungen unserer Zeit, weshalb ich nicht an eine große Zukunft der Freikirchen in Deutschland glaube. Sie bedienen eng definierte religiöse Interessen und sprechen meist mit kirchlichen Zuständen Unzufriedene an. Das kann zu fundamentalistischen Radikalisierungen und zu ausgeprägten "Richtungsgemeinden" führen. Ich empfinde Freikirchen nicht nur als Bereicherung, sondern auch als Symptom einer zunehmenden Erosion der evangelischen Christenheit in immer weiter getrennte "Christentümer".

Der Autor, Kim Strübind, ist Hochschullehrer für Altes Testament an der Universität Oldenburg. Er war 20 Jahre Pastor des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, bevor er 2011 in die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern wechselte.

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