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Evangelikale kritisieren Familienpapier des Rates der EKD

("Adventisten heute"-Aktuell, 21.6.2013) Auf Kritik der evangelikalen Bewegung stößt die am 19. Juli in Berlin veröffentlichte Orientierungshilfe der Leitung der EKD - des Rates - zur Familie. Sie trägt den Titel "Zwischen Autonomie und Angewiesenheit - Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken". Den Verfassern zufolge besteht Familie nicht mehr nur aus Vater, Mutter und Kindern. Vielmehr heißt es: "Wo Menschen auf Dauer und im Zusammenhang der Generationen Verantwortung füreinander übernehmen, sollten sie Unterstützung in Kirche, Gesellschaft und Staat erfahren." Familie seien neben "Eltern (ein Elternteil oder zwei) mit ihren leiblichen, Adoptiv- oder Pflegekindern" auch "die sogenannten Patchwork-Familien, die durch Scheidung und Wiederverheiratung entstehen, das kinderlose Paar mit der hochaltrigen, pflegebedürftigen Mutter und das gleichgeschlechtliche Paar mit den Kindern aus einer ersten Beziehung".

Keine "evangelische Orientierung"

Der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz und Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes, Michael Diener (Kassel), kritisiert in einer Stellungnahme, dass der Orientierungshilfe die "biblische Fundamentierung" fehle. Deshalb werde sie dem Anspruch nicht gerecht, "evangelische Orientierung" zu bieten. Vielmehr werde eine "Anpassung an gesellschaftliche Entwicklungen" deutlich. Das EKD-Papier enthalte eine auffällige Abwertung sogenannter "bürgerlicher Ehe- und Familienverständnisse" und eine Absage an jedes "normative Verständnis der Ehe als göttliche Stiftung" oder "natürliche Schöpfungsordnung". Ehe habe danach keinen Leitbildcharakter mehr. Der Erklärung zufolge seien alle anderen ebenfalls "verbindlich, verantwortlich und verlässlich" geführten Partnerschaften in gleicher Weise anzuerkennen und - wo gewünscht - auch zu segnen. Diener: "Offensichtlich soll jeder Schein einer Diskriminierung der vielfältigen familiären Lebensformen vermieden werden." Hier folge der Rat der EKD der Argumentationslinie des Bundesverfassungsgerichts, "ohne kritisch zu hinterfragen, ob es hier wirklich um ‚Gleiches‘ geht, welches dann auch gleich behandelt werden soll".

"Gravierende Mängel" bei biblisch-theologischer Argumentation

Nach Ansicht Dieners weist die Orientierungshilfe im Blick auf die biblisch-theologischen Grundlagen "gravierende Mängel" auf "trotz der vollmundigen Behauptung, dass hier eine normative Orientierung am Evangelium geleistet werde". So werde aus der schöpfungsgemäßen Polarität von Mann und Frau die allgemeine "Angewiesenheit auf ein Gegenüber". Biblische Stellen, die von "zärtlichen Beziehungen zwischen Männern" sprächen - ohne Textbeleg -, dienten "zur Relativierung der biblischen Aussagen über praktizierte Homosexualität als Sünde". Der Präses fragt: "Wieviel hermeneutischer und theologischer Einseitigkeit bedarf es eigentlich, um wegzudeuten, dass in der gesamten biblischen Überlieferung die Polarität der Beziehung von Mann und Frau als schöpfungsgemäß und konstitutiv betrachtet wird?"

Der ökumenische Flurschaden ist "noch größer geworden"

Nach seinen Worten wird die von der Orientierungshilfe angestrebte Verständigung auf diese Weise kaum gelingen. Man müsse ernsthaft fragen, ob die EKD "mit dieser durchgehend spürbaren Abwertung der Ehe" in den derzeitigen gesellschaftlichen Diskussionen politisch verantwortlich handele. Diener: "Im ökumenischen Kontext ist der schon beträchtliche Schaden noch größer geworden." Für viele evangelische Christen würden damit die Zweifel und die Kritik am Kurs der EKD noch stärker werden.

Bekennende Gemeinschaften: EKD-Papier bibel- und bekenntniswidrig

Scharfe Kritik an der Orientierungshilfe übt auch die die Konferenz Bekennender Gemeinschaften innerhalb der evangelischen Kirchen. Das Papier markiere "einen Bruch mit eindeutigen Bibel- und Bekenntnisaussagen" und stelle sich zu ihnen in Widerspruch. "Der Geist des Bundesverfassungsgerichts, der Geist der unbeschränkten Gleichheit (Genderismus) hatte Vorrang vor dem Geist der Treue zu den Grundlagen der Kirche, des evangelischen Glaubens", erklärte der Vorsitzende des theologisch konservativen Zusammenschlusses, Pastor Ulrich Rüß (Hamburg). Bei der Bezugnahme auf biblische Texte würden sie "hermeneutisch antibiblisch uminterpretiert". Für die Ökumene bedeute "diese unevangelische, schrift- und bekenntniswidrige Orientierungshilfe einen ernstzunehmenden Rückschlag". Die Konferenz Bekennender Gemeinschaft ruft Christen dazu auf, "weiter unbeirrt am biblischen Bild von Ehe und Familie festzuhalten".


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