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Die fabelhafte Welt des Alten Testaments

("Adventisten heute"-Aktuell, 15.09.2017) Das Alte Testament bietet eine Fundgrube an packenden wie verstörenden Geschichten. Die Shakespeare Company Bremen führt nun mit "Du kannst Gott zu mir sagen!" den ersten Teil der Bibel im Schnelldurchlauf auf. Von der Premiere am 8. September berichtet idea-Reporter Karsten Huhn.Auch so lässt sich eine Aufführung über die Bibel beginnen: Eine Kioskbesitzerin am Bahnhof wartet auf Kundschaft, ein Taschendieb auf eine Gelegenheit, eine Frau auf ihren Zug. Das Leben ist eine Durchreise. Plötzlich fällt das Licht aus, ohrenbetäubender Lärm setzt ein, die Anzeigetafel spielt verrückt. Eine Gotteserscheinung. Der Geschäftsmann mit Anzug und Smartphone und einem Becher Kaffee in der Hand ist nun eine lispelnde Schlange, die Anklage gegen Gott erhebt. Der mühselige und beladene Obdachlose vor dem Bahnhofskiosk, zotteliger Bart, verschlissener Mantel, entpuppt sich als Gott.

8 Schauspieler, 30 Rollen

"Du kannst Gott zu mir sagen!" von Regisseurin Johanna Schall zieht sofort in den Bann, entfaltet Situationskomik, lässt einen staunen und schaudern. Das Stück folgt wortgetreu der Bibel, hat einen starken Erzählrhythmus und ist unfassbar dicht. Die acht Schauspieler haben Mehrfachrollen: Sie sind Gott und Schlange, Adam und Eva, Noah, Abraham, Isaak, Jakob, Ismael, Josef und seine Brüder, Sara und Hagar, Rebekka, Rahel und Lea, Dina, Moses und Pharao, schließlich Hiob und seine Freunde sowie der Prediger Kohelet. Sie spielen mit den uralten Geschichten in der Erwartung, dass sie auch heute etwas zu sagen haben. Denn wie in modernen Illustrierten ist hier alles vorhanden: Eheschließungen, Schwangerschaften, Fremdgehen, Bruderzwist und Schwesterzank, Trennung und Tragödie, Gewalt und Mord. Die Schauspielerin Theresa Rose rattert die Geschlechtsregister runter, Dutzende Namen, Nachkommen, Dynastien, Völker, 1.000 Jahre Menschheitsgeschichte ziehen vorüber - dafür gibt es Szenenapplaus.

"Steht das wirklich in der Bibel?"

Das Stück führt lauter Rätselgeschichten auf, an denen sich schon Generationen den Kopf zermartert haben, zum Beispiel die Familienfehde zwischen den Brüdern Esau und Jakob: Warum hat ihr Vater Isaak nur für einen der beiden ein gutes Wort - reichte der Segen nicht für beide? Oder der große Hochzeitsnachtbetrug, dem Jakob erliegt: Wie liebesblind muss er gewesen sein, um nicht zu bemerken, dass er die falsche Schwester heiratete? Erzählt werden auch weniger bekannte Geschichten, etwa von Dina, der Tochter Jakobs und Leas, die vom Kanaan-Fürsten Sichem entführt und vergewaltigt wird. Zum Schein willigt Jakob ein, dass der Täter Dina heiraten könne - unter der Bedingung, dass sich zuvor alle Männer seines Stammes beschneiden lassen. Beschneidung als Wiedergutmachung eines Verbrechens? Das Publikum schmunzelt irritiert. Als die Männer Sichems vom Wundfieber geschwächt darniederliegen, gehen Dinas Brüder auf Rachefeldzug und töten alle. Da schmunzelt keiner mehr. "Steht das wirklich in der Bibel?", wird in der Pause gefragt. "Du kannst Gott zu mir sagen" ist voller kluger Einfälle, frech, anregend, bis ins Detail durchdacht, vielseitig wie ein Zehnkampf - kurz: so gut, dass man es sofort ein zweites Mal sehen möchte. Es wird getanzt, gesungen, gejubelt und gegrölt.

Hiob als Star einer TV-Show

Wie bringt man so ein Stück ins Ziel? Mit Hiobs Zweikampf mit Gott. Hiob wird als Star einer TV-Show präsentiert, der siegessicher in die Arena einmarschiert und auf dem heißen Stuhl Platz nimmt. Als ihm nach und nach alles, was ihm lieb und teuer war, genommen wird, sackt er in sich zusammen, zunächst tapfer, dann schweigend, schließlich vor Schmerz schreiend. Versteinert, fast tonlos, ringt er mit Gott. Der erscheint mit Sonnenbrille und fragt ganz cool: "Wo warst du, als ich die Erde gründete?". Gott redet sich in Rage und macht Hiob sprachlos. Es folgen die "Alles ist Windhauch"- und "Alles hat seine Zeit"-Worte aus dem Buch Prediger: "So nackt, wie der Mensch aus dem Leib seiner Mutter gekommen ist, so geht er auch wieder dahin und kann nichts mitnehmen." Manche meinen, eine Predigt solle nicht länger als zehn Minuten dauern. So ein Schwachsinn! "Du kannst Gott zu mir sagen!" geht über zwei Stunden - und fesselt in jeder Szene. Der Applaus ist lang und kräftig. Da tritt noch einmal die Schauspielerin Theresa Rose mit einem persönlichen Wort auf die Bühne, wirbt fürs Theater und für die Bibel: "Es lohnt, sich mit dem Alten Testament zu beschäftigen." (idea)"Du kannst Gott zu mir sagen!, Shakespeare Company Bremen, Regie: Johanna Schall, Darsteller: Svea Auerbach, Tobias Dürr, Maria Hinze, Tim Lee, Michael Meyer, Theresa Rose, Erik Roßbander, Petra-Janina Schultz, weitere Aufführungen am 15.9., 22.9., 7.10., 15.10."

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