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Der Voodoo-Kult ist in Haiti eine staatlich anerkannte Religion

("Adventisten heute"-Aktuell, 5.2.2010) Haiti ist auf den ersten Blick ein frommes Land: Drei Viertel der Bewohner gehören einer christlichen Glaubensgemeinschaft an. 20 bis 30 Prozent gelten als evangelikal. Gleichzeitig hängen laut Schätzungen etwa 70 Prozent dem Voodoo an. Die okkulte Religion stammt ursprünglich aus dem westafrikanischen Benin. Ihre Wurzeln hat sie im Spiritismus und in Zauberei. Durch Afrikaner, die als Sklaven nach Haiti verschleppt wurden, kam diese Religion auch in die Karibik. Voodoo ist ein Dämonenkult. Es geht darum, sich die Kräfte der unsichtbaren Welt zunutze zu machen.
Im März 2003 erhob der damalige Staatspräsident Jean-Bertrand Aristide, ein früherer katholischer Priester, den Voodoo-Kult zu einer staatlich anerkannten Religion. Für das Jahr 2004 wollte er Haiti erneut Satan weihen. Anlass war das Gedenken an einen Aufstand gegen die französische Kolonialmacht. Am 14. August 1791 hatten einige Sklaven - die dem Voodoo anhingen - den Karibikstaat mit einem Tieropfer-Ritual dem Teufel für 200 Jahre versprochen, wenn das Land von der französischen Herrschaft frei werde. Am 1. Januar 1804 erreichte es seine Unabhängigkeit - somit trat der Pakt in Kraft. Der Versuch Aristides, diesen zu erneuern, schlug jedoch dank der Gebete vieler Christen fehl. Allerdings ist Voodoo bis heute eine staatlich anerkannte Religion.

Angst vor bösen Geistern

Auch wenn viele dem Voodoo anhängen, wächst die Zahl der bibeltreuen Christen. Doch auch wenn man sich für ein Leben mit Christus entschieden hat, heißt dies in Haiti nicht, dass man mit den alten Bräuchen nichts mehr zu tun hat, sagt Ulrich Weinhold (Stuttgart), Missionsleiter von Christliche Fachkräfte International (CFI): "Jesus Christus wird in das System des Voodoo mit eingebaut."
Die Angst vor bösen Geistern sei auch in christlichen Kreisen alltäglich. Ein Beispiel: In einem Dorf habe eine junge Frau unter epileptischen Anfällen gelitten. Als sie einmal in einem Fluss zum Baden war, habe sie wieder einen Anfall bekommen und ertrank. Der Tod der Frau sei von allen Einwohnern des Dorfes - einschließlich der Christen - mit dem Einfluss böser Geister erklärt worden. Auch bei anderen Vorkommnissen würde dies oft als Begründung angeführt, etwa bei Schlaganfällen. Selbst Straftaten würden unter dem Deckmantel des Voodoo verschleiert. Ein Teil der Bevölkerung sei bis heute der Meinung, dass Dinge - die im Zusammenhang mit Voodoo passieren - straffrei sind, berichtet Missionsleiter Weinhold.
"Wie der christliche Glaube, so ist auch magisches Denken und Angst vor Schadenszauber alltäglich", so der Missionar der Deutschen Missionsgemeinschaft Volker Schnüll. Er ist gemeinsam mit seiner Frau seit Ende 2007 in Haiti tätig. Schnüll berichtet von einer Frau, die ihnen im Glauben eigentlich oft ein Vorbild sei. Doch Ende letzten Jahres warnte sie das Paar davor, um den Jahreswechsel Rindfleisch zu kaufen. Der Grund: Zu dieser Zeit hätten Voodoo-Zeremonien Hochkonjunktur und man wisse nicht, ob man nicht das Fleisch von einem Menschen kaufe, der in eine Kuh verwandelt wurde, so die Frau.

Warum dieses Beben?

CFI-Leiter Weinhold spricht sich dafür aus, die Ängste der Menschen ernst zu nehmen. Schließlich spreche auch die Bibel von einem Kampf der unsichtbaren Mächte. Hinsichtlich der Ursachen für das Erdbeben mahnt er aber zur Zurückhaltung. Wenn man dies mit der geistlichen Situation in dem Land begründe, müsse man sich vor Augen halten, "dass wir in Deutschland auch nicht viel besser sind". Auch Missionar Schnüll hält sich mit einer theologischen Bewertung zurück: Gott wolle nicht den Tod des Sünders, sondern seine Bekehrung. Er leide unter jedem Einzelnen, der sich allen Liebesbemühungen widersetzt. "Das Erdbeben als Gericht? Möglich, aber nicht ohne diese zweite Hälfte der Wahrheit."

Bekehrungen nach Beben

Inmitten des großen Elends gibt es auch beeindruckende Glaubenszeugnisse. Missionar Schnüll berichtet von einer Kollegin, die in Port-au-Prince half. Als sie nachts ein Nachbeben aus dem Schlaf aufschreckte, hörte sie um sich herum das Lied "Amazing Grace" aus vielen Kehlen singen. "Für viele Menschen sind die Kirchen die einzige einheimische Anlaufstelle", berichtet der Missionar. Zeugnisse von Verschütteten, die sich im Angesicht des Todes bekehrt haben und schließlich gerettet wurden, häuften sich. Seine Missionskollegin Baerg sagt, dass manche einheimische Pastoren meinen, die Katastrophe könnte Gottes Antwort auf ihre Gebete für ihr Land seien. Viele seien zudem dankbar, dass sie von Gott bewahrt wurden und am Leben sind. "Sie leben zwar von der Hand in den Mund. Aber sie sind dankbar, dass Gott sie jetzt versorgt. Und sie vertrauen darauf, dass er sie auch am nächsten Tag versorgen wird."Weinhold hofft, dass die Christen in Haiti nach der Katastrophe nun enger zusammenstehen und selbst Verantwortung übernehmen. In der Vergangenheit habe man sich oft auf die Hilfe von außen verlassen. (Tobias-Benjamin Ottmar/idea)

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