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Das größte Blechbläsertreffen der Welt

("Adventisten heute"-Aktuell, 10.6.2016) Positive Klänge aus Dresden! 22.000 Teilnehmer, 4.000 Chöre aus zehn Ländern kamen hier vom 3. bis 5. Juni zum 2. Deutschen Evangelischen Posaunentag zusammen. Mehr als 30.000 Gäste sind am Sonntag im Stadion, darunter viele aus der Stadt, die kostenlose Eintrittskarten bekommen haben. Auf dem Rasen, wo sonst Fußball-Zweitligist Dynamo Dresden spielt, haben Tausende Bläser Platz genommen. Ihre Instrumente glitzern in der Sonne. Manche Posaunisten haben Schirme aufgespannt, andere tragen Hüte oder Kappen.

Es ist ein Treffen mit Wow-Effekt. Mächtig und prächtig dröhnen die Posaunen, sie erinnern an Filmmusik - etwa an "Herr der Ringe" -, und man schaut sich unweigerlich um, ob gleich aus irgendeiner Ecke zähnefletschende Orks ins Stadion einfallen. Um in dieses klangvolle Wonnenbad einzutauchen, schließt man am besten die Augen. Gespielt werden Klassiker wie "Alles, was Odem hat, lobe den Herrn" und "Wohl denen, die da wandeln". Am Abend zuvor, beim Nachtkonzert auf den Elbwiesen, ist auch Reinhard Meys "über den Wolken" zu hören.

Im Himmel wird Posaune gespielt

Die Elbwiesen sind voller Zuhörer. Von der Augustusbrücke fällt der Blick auf Frauenkirche, Zwinger und Semperoper. Dunkel und würdevoll fließt die Elbe dahin. Dazu gibt es "Der Mond ist aufgegangen" auf Posaunisch. Es ist ein lieblicher, feierlicher, beschwingter Abend, der einem ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Für Dresden ist der Posaunentag ein Gottesgeschenk - endlich wieder positive Schlagzeilen. Die musikalische Inbesitznahme der sächsischen Landeshauptstadt mit über 50 Konzerten ist unüberhörbar. Schon morgens um 9 Uhr wird an 100 Orten, in Fußgängerzonen und auf Plätzen, "Danke für diesen guten Morgen" angestimmt. Außerdem improvisieren die Posaunenchöre bei ihren Märschen durch die Stadt auch einfach mal einen Gassenhauer als spontane Sondereinlage.

Posaunen sind Weckrufinstrumente, Antidepressiva, die schwere Gedanken vertreiben. Eigentlich müsste an dieser Stelle eine CD kleben, denn Posaunen muss man erleben, nicht über sie lesen. Wer sie hört, erwartet, dass sich jetzt mindestens das Meer teilt, eine Entrückung stattfindet oder der Gottessohn persönlich Einzug hält. "Lobet Gott mit Trompeten und Posaunen", heißt es in der Bibel. So viel ist schon mal klar: Im Himmel wird auch Posaune gespielt.

Käßmann: Posaunen gegen Pegida

Am Sonntagmittag beim Abschlussgottesdienst geht eine dreifache Posaunen-La-Ola durchs Stadion. Der badische Altbischof Ulrich Fischer fordert dazu auf, die Botschaft des Evangeliums in die Herzen hineinzublasen. "Wir müssen ausposaunen, worüber wir so staunen", heißt es im Mottolied des Posaunentags. In ihrer Predigt gibt Margot Käßmann zu, dass es auch langweilige Gottesdienste gebe. Posaunengottesdienste zählten aber nicht dazu. Dann bläst Käßmann kräftig die politische Fanfare. Man müsse die Mauern des Rassismus und der Ausgrenzung "in Grund und Boden blasen". Posaunen gegen Pegida. Das ganze Stadion bläst zustimmend auf. Mit dem vorgegebenen Predigttext (Johannes 20,19-22, Jesus sendet seine Jünger in die Welt) hat das wenig zu tun, aber der Text ist ja eigentlich auch egal - Pegida-Schelte geht schließlich immer. Das ist das Faszinierende an Käßmanns Predigtkunst: Sie hätte auch alttestamentarische Geschlechtsregister auslegen können und wäre garantiert trotzdem bei Pegida angekommen. Schwelgte man als Zuhörer eben noch im Posaunenhimmel, ärgert man sich nun. Käßmann instrumentalisiert den Gottesdienst für politische Zwecke und betreibt, was sie ihren Gegnern vorwirft: Sie grenzt aus und liefert dabei lediglich Parolen statt Argumente. Auch wenn ich selbst Pegida kritisch sehe: Wäre es nicht friedensstiftender gewesen, den Dialog mit den Gegnern zu suchen? Mit solcher Art Verkündigung verhärtet man nur Fronten, anstatt das Land zu versöhnen. (idea)

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