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Charles Darwin - Zum zweihundertsten Geburtstag

(AdventEcho online, 13.2.2009) In der WDR 2-Sendung "Stichtag" vom 12. Februar 2009 ging die Redaktion des Westdeutschen Rundfunks auf den an diesem Tag vor 200 Jahren geborenen Wissenschaftler und Gründer der Evolutionstheorie Charles Robert Darwin ein.

Zerstörer der Schöpfungsgeschichte

Unter dem Titel "Zerstörer der Schöpfungsgeschichte" heißt es am Schluss dieses Beitrags: "Seine Evolutionstheorie hat sich bis heute immer wieder bestätigt. Sie erklärt, wie sich das Leben in Millionen von Jahren entwickelt hat, und dass alle Arten einen gemeinsamen Ursprung haben. Der Mensch ist demnach nur ein Zufallsprodukt und nicht die Krone der Schöpfung. Die sogenannten Kreationisten haben Darwins Theorie bisher nicht anerkannt. Sie glauben weiterhin, die Schöpfungsgeschichte sei wahr." [1]

Eine Theorie mit dramatischen Folgen

In einem Kommentar zum 200. Geburtstag von Charles Darwin, vom Nachrichtendienst EANN (Köln) am 12.2.2009 veröffentlicht, geht der Geologe Dr. rer. nat. Dr. phil. Matthias Dorn (Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie Hannover), auf die Leistungen des Autodidakten ein. [2]
Als eindeutigen Erfolg Darwins bezeichnet Dorn die Tatsache, dass nun erstmals eine Theorie entstand, "die mit Mechanismen aufwartete, die frei aller transzendenten Bezüglichkeit Aussagen über die Entstehung der Arten zuließen". Diese von Darwin eröffnete Perspektive habe allerdings dramatische Folgen gehabt: "Die Entstehung der Arten wurde aus der Ausschließlichkeit des Schöpfungsbezuges entkoppelt und in das Feld der auf begriffliche Reflexion reduzierten Wissenschaftlichkeit transferiert. Damit war die Frage um Schöpfung und Evolution gar nicht mehr disputabel, denn jedwede, aus dem Bereich des Schöpfungsglaubens abgeleitete Kritik, war per se ein Verstoß gegen die Grundlagen der Wissenschaften. Und so wird bis heute radikal geurteilt: Wer nicht evolutionistisch denkt, denkt unwissenschaftlich, wer nicht pro-evolutionistisch denkt, schließt sich aus der Scientific Community aus."

Problematisch: das Kritik-Tabu

Mit aller Radikalität lehnt Dorn das "Kritik-Tabu" ab, "das der Evolutionismus inzwischen etabliert hat", und zwar, weil es nicht nur unangemessen, sondern sogar wissenschaftsfeindlich sei: "Die Chance einer echten Kritik liegt eben gerade nicht in der Integration eines jenseits der naturwissenschaftlichen Erfassbarkeit wirkenden, göttlichen Wesens, sondern in der nie zugelassenen, und auch von den Kritikern nie wirklich angestrebten alternativen Theorien!" Auch wenn derzeit Konzepte wie "Intelligent Design" noch keine echten theoretischen Alternativen darstellten, gebe es sehr wohl Ansätze zu einer wissenschaftlichen Herangehensweise an die Entstehung der Arten, die nicht evolutionistisch begründet sind.

Nicht den Verstand abschalten

Christen rät der hannoversche Theologe, den Glauben an einen Schöpfer nicht von der derzeitigen Lage der theoretischen Entwicklung im Bereich der Forschung abhängig zu machen: "Man muss keineswegs den Verstand abschalten, um an einen Schöpfer zu glauben. Doch hängt der Glaube an einen Schöpfer nicht an der Möglichkeit, dass es einmal eine theoretische Geschichte geben könnte, die anders als die Evolutionstheorie gestaltet ist. Der Glaube an den Schöpfer begründet sich immer auf der Begegnung mit dem Erlöser-Gott, der uns in Christus lebendig wurde."

Grenzenüberschreitung

Das auflagenstärkste evangelische Wochenmagazin "ideaSpektrum" geht in der Ausgabe vom 11. Februar in drei Beiträgen auf Charles Darwin ein. Im Editorial mahnt Prof. Dr. Manfred Seitz (Bubenreuth bei Erlangen), emeritierter Professor für Pastoraltheologie, Christen zu einer sachlichen Differenzierung: "Auch wenn ein Mensch sich vom Glauben distanziert, wie es bei Charles Darwin der Fall war, dürfen wir deshalb sein wissenschaftliches Werk nicht infrage stellen oder in Zweifel ziehen. Das ist die Gefahr vieler Christen. Eine andere Sache ist es, wenn er von seinen Erkenntnissen her die Grenzen der Naturwissenschaft überschreitet, sich nicht zurückhält und unhaltbare Aussagen über den Glauben macht. Dann müssen wir angreifen, sie bestreiten und widersprechen." [3]
Seitz nimmt Darwin mit seiner Selektionstheorie in Schutz, kritisiert aber, was die nachfolgenden Forscher daraus gemacht haben, nämlich den sogenannten "Sozialdarwinismus". Dies sei der Versuch, Darwins Lehre von der natürlichen Auslese auf die menschliche Gesellschaft zu übertragen. Als Beispiele dafür, wohin eine künstliche, gezielt umgestaltete Auslese im Menschengeschlecht führen kann, nennt Seitz einige Linien, die von der ethnische Säuberungen und Vernichtung von sogenanntem "lebensunwerten Leben" (wofür der Sozialphilosoph Herbert Spencer, 1829-1903, die Grundlagen lieferte) bis hin zur "Zuchtwahl" per Abtreibung und Präimplantationsdiagnostik.

Was sagen die Kirchen?

In der selben Ausgabe von "ideaSpektrum" nennt Karsten Huhn unter anderem die Haltung der katholischen, der evangelischen und der russisch-orthodoxen Kirche zum Thema Evolution und Schöpfung [4]:

  • Für die katholische Kirche seien Evolutionstheorie und Schöpfungsglaube kein Gegensatz. Es gebe viele wissenschaftliche Beweise für die Evolution, die man als Realität sehen müsse, so Papst Benedikt XVI. Andererseits sei die Evolutionstheorie im Labor nicht nachstellbar und deswegen nach heutigen wissenschaftlichen Kriterien nicht beweisbar.

  • Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) plädiere für ein Nebeneinander von Evolutionstheorie und Schöpfungsglauben. Die biblische Schöpfungserzählung beanspruche nicht, eine Weltentstehungstheorie zu sein; sie stehe daher nicht in Konkurrenz zur Evolutionstheorie, so der EKD-Ratsvorsitzende, Bischof Wolfgang Huber.

  • Kritik an der Evolutionstheorie übe dagegen die russisch-orthodoxe Kirche: "Wer glauben will, dass er vom Affen abstammt, soll das ruhig tun. Aber er darf diese Ansichten niemand anderem aufzwingen", sagte der im Dezember 2008 verstorbene Alexi II., Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche. Neben der Evolutionstheorie solle an russischen Schulen auch die biblische Schöpfungsgeschichte gelehrt werden.


Mikroevolution ja, Makroevolution nein

Als Beispiel für eine "Minderheitenposition" nennt Huhn die Studiengemeinschaft "Wort und Wissen" (WuW) [5], die der "Evangelischen Allianz" nahesteht: "WuW sieht die Methoden einer naturalistisch-atheistischen Evolutionslehre als nicht ausreichend an, um die Ursprungsfrage zu beantworten. Nach Auffassung von WuW lässt sich sowohl die Entstehung des Lebens als auch die Entstehung neuer Grundtypen mit der Evolutionstheorie bisher nicht überzeugend erklären. Unbestritten seien Vorgänge der Mikroevolution, also Veränderungen von Lebewesen innerhalb von Grundtypen. Dabei handelt es sich um beobachtbare Veränderungen durch Mutation, Selektion und andere Faktoren, die zu spezialisierten Funktionsweisen oder Gestalten von Lebewesen führen. Dagegen bezweifelt WuW, dass es Makroevolution gebe, einen Evolutionsvorgang, der über Grundtypgrenzen hinaus stattfindet. Solche Veränderungen, die über sehr lange Zeiträume stattfinden sollen, hätten sich bisher nicht beweisen lassen." [6]

Für bibelorientierte Christen unannehmbar

Wer als Christ bestreitet, dass der Mensch durch einen Schöpfungsakt Gottes entstanden sei, müsse zweierlei bedenken, so Huhn: "Verneint man den Glauben an die Schöpfung des Menschen durch Gott, ist damit auch der Glauben an die Auferstehung der Toten gefährdet, denn beides wird im Neuen Testament aufeinander bezogen ... (Kolosser 1,15ff.; 2. Korinther 5,15ff.)" Zum anderen sei auch die von Theologen vertretene Annahme problematisch, die alttestamentlichen Schöpfungsberichte spiegelten nur das - heute überholte - Wissen damaliger Zeit und seien daher symbolisch zu verstehen: "Dann hätte nicht nur der Verfasser der Genesis [1. Buch Mose] ein falsches Schöpfungsverständnis, sondern auch Jesus Christus und die neutestamentlichen Autoren. Zudem könnte man dann mit gleichem Recht behaupten, dass der biblischen Auferstehungshoffnung ein veraltetes Weltbild zugrunde liege." [6]
Da man aus wissenschaftstheoretischer Sicht die Entstehung von Leben weder durch die biblische Schöpfungslehre noch durch die Darwinsche Evolutionstheorie beweisen könne, seien sowohl die traditionelle jüdisch-christliche Weltanschauung als auch die Evolutionstheorie als Hypothesen anzusehen: "Dem jüdisch-christlichen Weltbild liegt die Annahme zugrunde, dass Gott die Welt geschaffen hat und erhält; die Darwinsche Evolutionstheorie verneint, dass der Mensch seinen Ursprung einem separaten Schöpfungsakt verdankt. Die Frage, wie das Leben entstanden ist, berührt zugleich die Frage, ob Gott existiert und wie er handelt. Deshalb wird auch in Zukunft weiter darüber geforscht und gestritten werden." [6]


[1]
http://www.wdr.de/themen/kultur/stichtag/2009/02/12.jhtml
[2]
http://news.staonline.de/1232/charles-darwin-zum-zweihundertsten-geburtstag/
[3] Manfred Seitz, „Darwin und die verheerenden Folgen" in ideaSpektrum Nr. 7 vom 11.2.2009, S. 3.[4] Karsten Huhn, „Darwin, die Bibel und wir" in ideaSpektrum Nr. 7 vom 11.2.2009, S. 14.15. [5]
http://www.wort-und-wissen.de/
[6] Karsten Huhn, „Darwin, die Bibel und wir" in ideaSpektrum Nr. 7 vom 11.2.2009, S. 15.

Mit dem Thema Evolution-Schöpfung befassen sich sowohl die nächste Ausgabe von "Zeichen der Zeit" als auch eine der nächsten Ausgaben der adventistischen Gemeindezeitschrift "AdventEcho".


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