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Bonhoeffer lebte, was er lehrte (Kommentar)

("Adventisten heute"-Aktuell, 8.4.2016) Am 9. April jährt sich die Hinrichtung Dietrich Bonhoeffers zum 71. Mal. Wie kaum ein anderer Theologe der Nachkriegszeit entwickelte er Gedanken für eine künftige Ausrichtung der Kirche.

Wenn ich die Wahl hätte zwischen den Theologen Karl Barth, Paul Tillich, Rudolf Bultmann und Dietrich Bonhoeffer, würde ich, ohne zu zögern, Bonhoeffer vorziehen. Denn er lebte, was er lehrte. Auf die Frage "Wer bin ich?" gab er die verblüffende Antwort "Dein bin ich, o Gott". Bonhoeffer scheute sich nicht, als Dozent im Hörsaal zu beten. In seinen Gefängnisbriefen schreibt er: "Unser Christsein wird heute nur in zweierlei bestehen: im Beten und im Tun des Gerechten." Seine Theologie ist betende Theologie. Bonhoeffer war Teilnehmer am Widerstand gegen Adolf Hitler um die Verschwörer Carl Friedrich Goerdeler, Wilhelm Canaris, Ludwig Beck und Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Dafür wurde er am 9. April 1945 im KZ Flossenbürg gehenkt. Bevor er zum Galgen geführt wurde, kniete er nieder und betete.

Er trennte sich von der Bekennenden Kirche

Doch Beten und Tun des Gerechten gehörten für Bonhoeffer untrennbar zusammen. Den Theologen, die sich aus den Niederungen der Politik in die Gralsburg der Liturgie zurückziehen wollten, rief er zu: "Nur wer für die Juden schreit, darf auch gregorianisch singen." Die Juden, die damals von den Nationalsozialisten verfolgt wurden. Niederschmetternd wirkte auf Bonhoeffer, dass 1938 fast alle evangelischen Pastoren den Loyalitätseid auf Hitler schworen, sogar mehrheitlich die der "Bekennenden Kirche" und nicht nur die der "Deutschen Christen", der systemkonformen damaligen Kirchenpartei, die in der Deutschen Evangelischen Kirche die Mehrheit darstellte.

Selbst die "Bekennende Kirche", die in Opposition zu den "Deutschen Christen" stand, bejahte wie sie 1939 die "Rassenpolitik zur Reinerhaltung unseres Volkes" der nationalsozialistischen Regierung. Bonhoeffer trennte sich von der "Bekennenden Kirche", der er angehörte. Er galt seit 1933, als er im Februar einen Rundfunkvortrag über den "Führer als Idol" hielt und darauf anspielte, dass der "Führer" zum "Verführer" wird, als notorischer Hitlergegner - die Sendung wurde damals während des Referates abgeschaltet. 1940 wurde über Bonhoeffer ein Redeverbot, 1941 ein Schreibverbot verhängt. 1943 wurde er als Mitglied des Widerstandes verhaftet und am 9. Aprils 1945 hingerichtet.

Die Unausweichlichkeit des Schicksals

Von dem Grundmotiv seiner Theologie her, der Menschwerdung und Fleischwerdung Gottes, die er im Krieg als Weltwerdung Gottes verstand, entwickelte Bonhoeffer eine neue, bahnbrechende Gotteslehre: In unserer gottlosen Welt muss "weltlich von Gott geredet werden", um diese Welt von ihm zu überzeugen. Die Zertrennung der weltlichen und religiösen Bereiche in der herkömmlichen Zwei-Reiche-Lehre war verfehlt, als wären "Christus und die Welt" "zwei aneinanderstoßende und einander abstoßende Räume". Weltlich wird von Gott geredet, wenn wir den Schicksalsbegriff in die Theologie aufnehmen, um den heutigen Menschen dort abzuholen, wo er steht. Denn viele Menschen glauben an die Unausweichlichkeit des Schicksals.

Gott begegnet uns - so Bonhoeffer - nicht nur als "Du", sondern auch "vermummt im Es" des "Schicksals". Es geht darum, "wie wir in diesem Es das Du finden ... oder wie aus dem Schicksal ... Führung wird". Oder anders gesagt, wie aus dem Schicksal Fügung wird. Der Schicksalsbegriff gehört in die Mitte der Theologie, nicht in ihre Besenkammer. Gott hat am Kreuz das Schicksal der Menschheit auf sich genommen.

Wir sitzen in der Zwar-Aber-Schaukel

Wir reden über Bonhoeffer, aber wir sind nicht Bonhoeffer. Was riskieren wir schon für unseren Glauben? Es ist viel einfacher, die Position des Balkonbeobachters zu beziehen, als sich auszusetzen. Unserem lauen, lauwarmen Christentum geht der biblische Radikalismus des "heiß" oder "kalt" (Offenbarung 3,15-16) ab. Wir sind lau und lieben die Zwar-Aber-Schaukel. Bonhoeffer ist in seiner Entschiedenheit so aktuell wie noch nie. (idea) "Der Autor, Horst Georg Pöhlmann (Wallenhorst bei Osnabrück), ist evangelisch-lutherischer Theologe und emeritierter Professor für Systematische Theologie und Religionsphilosophie. Er erhielt 2004 das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik für seine Verdienste um die christlich-jüdische und -islamische Verständigung."

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